Ausgabe #7: Die Eigenkapitalquote

Bild von Bru-nO (Quelle: pixabay.com)

 

Um eine Aktie bzw. das zugrunde liegende Unternehmen gründlich analysieren zu können, benötigt man oftmals diverse Kennzahlen.

Heute stellen wir euch die Eigenkapitalquote vor.

 

Zunächst sollte man aber verstehen, worum es sich beim Eigenkapital von Aktiengesellschaften eigentlich handelt. Ganz einfach gesprochen ist „(…) Eigenkapital der Vermögensanteil, der abzüglich aller Verbindlichkeiten zur Verfügung steht.“ (Vgl. Nicolas Schmidlin: Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse: Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen) Wenn man alle Vermögenswerte verkauft und alle Schulden tilgt, bleibt dem Unternehmen schlussendlich das Eigenkapital übrig, was dann dem Buchwert des Unternehmens entspricht.

In der Bilanz werden Verbindlichkeiten (Liabilities) und Eigenkapital (Equity) auf der Passivseite zusammengefasst. Der Betrag, welcher von den Aktionären durch den Kauf von Aktien eingebracht wurde, wird im englischen Sprachgebrauch als Shareholders‘ Equity bezeichnet. Das heißt, dass Total Equity der Betrag ist den Disney den Eigentümern des Unternehmens schuldet. (Vgl. Stig Brodersen & Preston Pysh: Warren Buffett Accounting Book: Reading Financial Statements for Value Investing) Deswegen ist die Eigenkapitalrendite für Value Investoren auch so eine wichtige Kennzahl, dazu aber in einem separaten Artikel zukünftig mehr. 🙂

 

Die Eigenkapitalquote setzt ganz einfach das Eigenkapital des Unternehmens ins Verhältnis zum Gesamtkapital, d.h. man sieht sehr schnell wie viel Prozent des Unternehmens durch Eigenkapital und im Umkehrschluss wie viel durch Fremdkapital finanziert wird. Das wiederum ist in den meisten Fällen ein Indikator für die finanzielle Stabilität des Unternehmens, da bei einer höheren Eigenkapitalquote die Abhängigkeit von Kreditgebern geringer ist.

 

Die Berechnung

 

EK-Quote_Formel

Das Gesamtkapital entspricht der Bilanzsumme. Die Eigenkapitalquote wird in der Regel in Prozent angegeben.

 

Ein konkretes Beispiel

 

Da wir uns im letzten Artikel The Walt Disney Company näher angesehen haben, nehmen wir doch auch gleich deren Bilanz von 2017 her:

 

(The Walt Disney Company Annual Report 2017)

 

Auf Seite 60 des Annual Reports finden wir die Passiva (Liabilities and Equity). Wenn wir nun das Eigenkapital (45.004 Mrd. $) durch die Bilanzsumme (95.789 Mrd. $) teilen erhalten wir eine Eigenkapitalquote von Disney für 2017 von 46,98 % – was ein sehr guter Wert ist.

 

Was ist gut, was nicht?

 

Das hängt eigentlich ganz von der Branche des Unternehmens ab.

 

Grob gesagt ist es so, dass je höher die Eigenkapitalquote ist, desto geringer ist die Verschuldung des Unternehmens. Der nachfolgende Vergleich zeigt die Eigenkapitalquoten aller DAX-30 Unternehmen:

EK-Quoten_DAX_2016

 

Hierbei gibt es große Unterschiede. Zum einen fällt auf, dass Unternehmen aus dem Finanzsektor eine Vergleichsweise geringe Eigenkapitalquote aufweisen. Fremdkapital ist in dieser Branche einfach mehr verbreitet, da das komplette Geschäftsmodell darauf basiert. Man hat aber schon bei der Finanzkrise 2007/2008 gesehen (Lehmann Brothers lässt grüßen), dass dies auch mit erheblichen Risiken verbunden sein kann. Da unsere Philosophie darauf beruht auf solide finanzierte Unternehmen zu setzen, sehen wir allgemein Eigenkapitalquoten ab ca. 35% als gut an. Jedoch gilt es auch hier zu unterscheiden, dass beispielsweise deutsche Unternehmen im Durchschnitt niedrigere Eigenkapitalquoten aufweisen als US-amerikanische Unternehmen. Das sollte man in seine Überlegungen mit einbeziehen.

Schlussendlich muss jeder für sich selbst wissen, ab wann ein Investor dem Unternehmen zutraut auch mit geringerem Eigenkapital zurechtzukommen. Wir sind aber persönlich der Meinung, dass eine hohe Eigenkapitalquote einem Unternehmen noch nie geschadet hat.

 

Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! ?

 

Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andreas & Daniel

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