Ausgabe #30: Mein Value Investing Mantra – Auf die Einstellung kommt es an

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Bild von 4144132 (Quelle: Pixabay)

So liebe Freunde, heute geht’s mir darum, dass ich euch einmal zeige, welche Value Investing Grundprinzipien für mich ausschlaggebend sind bzw. nach welchen ich versuche Value Investing auszuleben. Ich behaupte nicht, dass ich die Weisheit mit Löffeln gegessen habe, aber ich bemühe mich gewisse Sachen zu beherzigen.

 

Es gibt nicht immer einen Wert

 

Value Investoren geht es darum, einen inneren Wert eines Investments herauszufinden. Bei vielen Sachen ist das auch möglich. Der Grund ist zum einen, dass beispielsweise ein Unternehmen einen gewissen Cashflow generiert. Dieser kann dazu genutzt werden um ein Unternehmen zu bewerten. So weit so gut. Wie sieht das Ganze allerdings für andere Werte aus? Bei Sachen wie Gold oder Bitcoins tue ich mich ehrlich gesagt sehr schwer einen inneren Wert festzulegen. Sowohl Gold als auch Bitcoins generieren keinen Cashflow. Ihr Wert wird nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt, aber für mich ist undurchsichtig wie dieser Wert hier zustande kommt. Deswegen lasse ich auch die Finger davon und konzentriere mich auf Investments, bei denen ich einen Wert bestimmen kann.

 

Die Zu-Schwer-Box gibt’s wirklich

 

„I have three boxes on my desk: In, Out, and Too Hard.” (Warren Buffet)

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(Quelle: http://awealthofcommonsense.com/2017/02/my-too-hard-pile/)

Und das ist nicht metaphorisch gemeint! Warren Buffett hat wirklich eine „Too Hard“ Box auf seinem Schreibtisch stehen. Und die ist genau dafür da, wonach sie sich anhört. Wenn ein Investment als zu schwer erscheint, oder er es nicht versteht, kommt es hier rein und bleibt auch dort drin. Auf gut Deutsch heißt das, dass ich die Finger von Sachen lasse, die ich nicht verstehe.
Was ich z.B. überhaupt nicht verstehe sind Optionen und Derivate (OK, komplett nicht verstehen wäre jetzt übertrieben, ich hab ja VWL studiert, was ich nur nicht verstehe ist, wie man dadurch nachhaltig und langfristig Geld verdienen kann 😉 ).

Peter Lynch hat meine diesbezüglichen Bedenken einmal schön zusammengefasst:

„There’s no point describing how futures and options really work, because (1) it requires long and tedious exposition, after which you’d still be confused, (2) knowing more about them might get you interested in buying some, and (3) I don’t understand options and futures myself.” (Vgl. Peter Lynch: Der Börse einen Schritt voraus)

Wenn mir ein Investment als zu schwer erscheint oder ich es nicht verstehe, kommts in die Zu-Schwer-Box und verschwindet auch darin.

 

Circle of Competence

 

Ein weiterer wichtiger Punkt für Dani und mich ist der sogenannte Kompetenzkreis. Wir investieren nur in Sachen, die sich innerhalb unseres Kompetenzkreises befinden. Wenn wir etwas nicht verstehen müssen wir entweder Expertise aufbauen oder es fliegt raus. Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt würden wir behaupten wollen, dass wir uns mit Essen und Süßigkeiten auskennen. Das liegt eindeutig in unserem Kompetenzkreis. Was wir allerdings nicht abschätzen können sind beispielsweise Medikamente. Wir wissen nicht was passiert, wenn gewisse Patente auslaufen oder wer genau welche Pille gegen welche Krankheit verkauft. Das verstehen wir (noch) nicht und deswegen investieren wir zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht in Pharmaunternehmen. Uns ist die Unsicherheit einfach zu groß, weil wir zu wenig über die Branche zum jetzigen Zeitpunkt wissen. Das kann sich natürlich noch ändern, aber ich finde es ganz wichtig nur in Gelegenheiten zu investieren, die man auch versteht.

 

Traut euch einfach mal nichts zu tun

 

“If you buy something because it’s undervalued, then you have to think about selling it when it approaches your calculation of its intrinsic value. That’s hard. But if you buy a few great companies, then you can sit on your ass. That’s a good thing.“ (Charlie Munger)

 

Ihr habt richtig gelesen. Manchmal ist es auch sehr hilfreich einfach nichts zu tun. Viel zu oft verfällt man in blinden Aktionismus und meint etwas tun zu müssen. Aber wenn gerade die Aktienmärkte viel zu hoch bepreist sind und ihr kein Investment findet, dann versucht nicht krampfhaft eines heraufzubeschwören. Lest ein gutes Buch, macht was mit Freunden. Irgendwann bietet sich eine Chance, bei der ihr zugreifen könnt. Aber nichts zu tun ist im Value Investing des Öfteren eine Tugend.

 

Täglich Aktienkurse checken ist gar keine so gute Idee

 

„I never attempt to make money on the stock market. I buy on the assumption that they could close the market the next day and not reopen it for five years.“ (Warren Buffett)

 

Was ich mir tatsächlich abgewöhnen musste, ist das tägliche checken von Aktienkursen. Da Daniel und ich langfristig unterwegs sind und wir einen inneren Wert errechnet haben, ist es uns mehr oder weniger schnurzpiepegal was der Aktienmarkt so treibt. Natürlich haben wir ab und zu ein Auge darauf, aber auch nur, damit wir mögliche Schnäppchen finden. Man wird nur verleitet etwas Dummes anzustellen, wenn man täglich Aktienkurse nachschaut, deswegen versuchen wir das auf ein Minimum zu reduzieren.

 

Don’t speculate, invest!

 

Als Value Investor sollte man Aktien kaufen, weil das Unternehmen gut ist und nicht weil man kurzfristige Kursbewegungen ausnutzen will. Man ist ja auch Miteigentümer eines Unternehmens, wenn man Aktien kauft. Wenn das Unternehmen gut ist, wird sich das auch über lange Sicht in den Kursen widerspiegeln. Kurzfristig anlegen heißt für mich spekulieren, langfristiges Anlegen ist für mich Investieren. Es ist wirklich wichtig, dass man sich diese Einstellung immer wieder ins Bewusstsein ruft um langfristig Erfolg zu haben.

 

Investiert nur das Geld, das ihr gerade nicht braucht

 

„Only invest what you could afford to lose without that loss having any effect on your daily life in the foreseeable future.” (Peter Lynch)

 

Ein ganz wichtiger Punkt für mich ist, dass ich nur das Geld investiere, welches ich in den nächsten fünf Jahren nicht brauche. Es darf mir nicht wehtun daran zu denken, was mit dem Geld passieren könnte. Wollt ihr ein Haus bauen? Benötigt ihr demnächst ein neues Auto? Dann solltet ihr nicht darauf angewiesen sein eure Investments verkaufen zu müssen. Investiert wirklich nur das, was ihr gerade nicht braucht.

 

Ist der Markt gerade gut? Bitte fragt nicht

 

„ (…) if all the economists of the world were laid end to end, it wouldn’t be a bad thing.” (Peter Lynch)

 

Autsch, das tut weh. Als Wirtschaftswissenschaftler hört sich das jetzt nicht so gut an, aber so ganz unrecht hat der gute Herr Lynch hier wiederum auch nicht. Es gibt unzählige Analysten, Wissenschaftler und Experten, die versuchen die Weltkonjunktur oder die Wirtschaftslage vorauszusagen. Meiner Meinung nach ist das schlicht und ergreifend nicht möglich. Es spielen viel zu viele Parameter eine Rolle, als dass man das mit gutem Gewissen prophezeien könnte. Deswegen sollte man auch den Aktienmarkt einfach so nehmen wie er gerade ist. Es gibt immer mal wieder Investmentmöglichkeiten, aber da wir nicht wissen was die Zukunft bringt ist es unnötig sich das Hirn zu zermartern, ob der Markt gerade ein Guter ist oder nicht.

 

Seid rational und bildet euch eine eigene Meinung

 

Zu guter Letzt noch ein wichtiger Punkt, der wirklich stetiges Bemühen erfordert. Denkt rational! Lasst euch beim Thema Investieren nicht von euren Emotionen leiten, die sind meistens ein ganz schlechter Berater (Tim und Charlie lassen grüßen 🙂 ). Es gibt so viele Analysten da draußen, welche uns täglich ihre Meinung aufs Auge drücken wollen und sagen was man kaufen oder verkaufen soll. Bildet euch eure eigene Meinung, hinterfragt kritisch und handelt rational. Das ist glaube ich der beste Rat den Dani und ich uns von den guten Herren Buffett, Munger, Lynch und Co. abgeschaut haben und versuchen zu beherzigen.

 

Ich bin der Meinung, dass es beim Investieren oftmals darum geht eine gewisse Einstellung zu den Dingen zu haben. Mantras sind ursprünglich Glaubenssätze, welche man sich immer wieder vorsagt. Und genau so ist es auch beim Value Investing. Es gibt einfach gewisse Grundsätze und Prinzipien, welche man sich immer wieder aktiv bewusst ins Gedächtnis rufen muss. Mit einem gewissen Mindset und der richtigen Einstellung investiert es sich einfach leichter und angenehmer.

 

Was sind für euch die wichtigsten Grundprinzipien, wenn es ums Investieren geht? Worauf achtet ihr? Stimmt ihr mit mir überein oder habt ihr eine komplett andere Meinung? Schreibt mir, kommentiert und diskutiert, auch gerne über Facebook und Instagram!

 

Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Eurer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andi

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