Ausgabe #21: Growth Investing vs. Value Investing – Freunde oder Feinde?

Capoeira (Bild von Julio Aprea (Quelle: Wikimedia Commons))

 

Es gibt bekanntlich viele verschiedene Anlagestrategien. Andi hat sich z.B. vor Kurzem mit Strategien, die auf technischer Analyse basieren, auseinandergesetzt.

Wenn man sich über den Erfolg von Value Investing Strategien informieren will, wird man fast immer auch mit Growth Investing konfrontiert. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? Und macht es überhaupt Sinn immer von „Growth Investing vs. Value Investing“ zu sprechen? Ich glaube es lohnt sich einen genauen Blick auf diese Thematik zu werfen.

 

Auffrischung Value Investing

 

Als regelmäßige Leser unseres Bavarian Value Blogs wisst ihr worum es bei Value Investing geht. Aber falls ihr neu hier seid (Servus erstmal!) oder euch doch nicht mehr ganz sicher seid, wiederhol ich´s kurz nochmal:

Value Investing hat viele verschiedene Strömungen, aber die Grundform, welche auch alle Strömungen irgendwie miteinander verbindet, zeichnet sich dadurch aus, dass es einen Unterschied zwischen dem Preis einer Aktie und dem Wert des zugehörigen Unternehmens gibt. Value Investoren versuchen diese Bewertungsfehler zu finden und auszunutzen. Ganz einfach gesagt ist das Grundkonzept von Value Investing Aktien zu kaufen, die mehr wert sind als der Kurs zu dem sie momentan gehandelt werden. Auf Themen wie überdurchschnittlich gute Unternehmen und Burggräben oder spezielle Strategien gehen wir hier gar nicht ein. Empfehlen kann ich an dieser Stelle aber noch unsere beiden Grundlagen-Artikel „Part 1“ & „Part 2“.

 

Growth Investing

 

Aber was ist nun Growth Investing? Wie es der Name schon sagt geht es um Wachstum bzw. Wachstumsunternehmen. Im Zusammenhang mit Growth Investing fällt auch gerne der Name „Glamour Stocks“. Dies ist eigentlich nur ein „coolerer“ Name für Wachstumsunternehmen. Diese Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass von ihnen ein zukünftig starkes Wachstum erwartet wird – oft sind sie auch in der Vergangenheit schon stark gewachsen.

„Es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine hohe Bewertung rechtfertigen. In der Gruppe der Wachstumswerte finden sich dann auch […] Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Technologiefirmen sind typische Vertreter des Growth-Bereiches. Die Bewertungen in diesem Segment können deshalb so hoch sein, weil dort starkes Gewinnwachstum erwartet wird. Diese Erwartung wird in den aktuellen Kursen vorweggenommen.“ (Vgl. Morningstar: http://www.morningstar.de/de/news/36286/value-und-growth-ein-unterschied-von-tag-und-nacht.aspx)

Risiko- oder Wagniskapitalgeber (engl. Venture Capital) wie Peter Thiel oder auch die Löwen aus „Die Höhle der Löwen“ sind eigentlich nichts anderes als Growth Investoren. Sie versuchen frühzeitig (sehr frühzeitig) das Facebook von morgen zu entdecken und sich daran zu beteiligen (Peter Thiel war tatsächlich der erste externe Kapitalgeber von Facebook). Und um solche Unternehmen zu entdecken, gehen diese Investoren auch ein größeres Risiko ein, da sie sich an Unternehmen beteiligen, die sehr jung sind und in der Regel noch nie schwarze Zahlen gesehen haben.

Growth Investing funktioniert natürlich nicht nur bei Startups. Diese Strategie kann man auch mit Aktien umsetzen. Es ist aber so, dass je früher man in das Unternehmen einsteigt, desto höher ist auch das Renditepotential (aber auch das Risiko, dass die Firma pleitegeht).

Seit einigen Jahren ist es für den durchschnittlichen Privatinvestor möglich sich an Startups oder Ähnlichem zu beteiligen. Dies geht über Crowdinvesting-Plattformen (Equity-Based Crowdfunding) wie Companisto oder CINEDIME (für Filme). Aber Augen auf beim Startup-Kauf! Das sind sehr risikoreiche Investments, die schnell schiefgehen können. Deswegen mein Tipp: Fangt erst einmal mit kleinen Beträgen an und baut euch etwas Expertise auf.

 

Growth Investing vs. Value Investing – Ist das wirklich so?

 

Und nun kommen wir zur entscheidenden Frage: Macht es wirklich Sinn Growth Investing und Value Investing immer wieder miteinander zu vergleichen bzw. gegeneinander antreten zu lassen?

“Most analysts feel they must choose between two approaches customarily thought to be in opposition: „value“ and „growth.“ Indeed, many investment professionals see any mixing of the two terms as a form of intellectual cross-dressing.
We view that as fuzzy thinking (in which, it must be confessed, I myself engaged some years ago). In our opinion, the two approaches are joined at the hip: Growth is always a component in the calculation of value, constituting a variable whose importance can range from negligible to enormous and whose impact can be negative as well as positive.” – Warren Buffett

Ich bin der Meinung, dass der gute Herr Buffett Recht hat. Wobei ich es fast noch drastischer formulieren würde. Anstatt zu sagen, dass Value Investing und Growth Investing siamesische Zwillinge sind, würde ich behaupten, dass Growth Investing lediglich ein Arm (oder auch Bein) des Value Investings ist, also keine 100%ig eigenständige Strategie, sondern eine Unterform des Value Investings.

Und für diese Behauptung habe ich natürlich auch eine Erklärung parat:

Bei Growth Investing geht es darum sehr früh große Potentiale zu erkennen. Also man investiert in Unternehmen von denen man glaubt, dass diese in Zukunft das neue Amazon, Google, Facebook oder was auch immer werden. Dass heißt aber auch, dass man der Meinung ist, dass das Potential noch nicht entdeckt wurde, sonst wären die Anteile schon viel teurer. Und wenn man wiederum der Meinung ist, dass das Unternehmen eigentlich mehr Wert ist als es derzeit kostet, sind wir wiederum bei Buffett und der wunderbaren Welt des Value Investings.

Wir (Andi und meine Wenigkeit) sehen uns bekanntlich als Value Investoren. Trotzdem verwenden wir ebenfalls die Komponente „Wachstum“ bei unseren Unternehmensbewertungen (Vgl. Ausgabe #11: Wie bewerten wir Unternehmen?: https://bavarian-value.de/2018/02/23/ausgabe-11-wie-bewerten-wir-unternehmen/)

Deswegen glaube ich, dass sich Growth- & Value Investing nicht gegenseitig ausschließen. Ganz im Gegenteil: Ich denke Growth Investing ist per se nichts anderes als eine Unterform des Value Investings.

 

Jetzt seid ihr mal wieder gefragt: Macht meine Argumentation Sinn? Haben Growth- & Value Investing mehr gemeinsam als man denkt oder sind es zwei komplett unterschiedliche Ansätze? Seid ihr eher Value Investoren oder doch Growth Investoren? Habt ihr schon Erfahrungen mit Crowdinvesting gemacht? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram.

 

Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Daniel „D!“ Bleicher

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Comments (2)

Toller Artikel. So habe ich das ganze ehrlich gesagt noch nicht gesehen. Das regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Daniel
Daniel "D!" Bleicher

Vielen Dank Matthias!

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