Ausgabe #37: Inside Starbucks – Unternehmensanalyse September 2018

Bild von Engin_Akyurt (Quelle: Pixabay)

 

Das Logo ist so ziemlich auf der ganzen Welt bekannt. Die Sirene (Wir wussten bis jetzt selbst nicht, dass es eine Sirene darstellen soll, aber beim Investieren lernt man immer dazu – auch wenn manche Dinge recht banal sind.) in den weiß-grünen Farben ist wohl schon seit einigen Jahren eine der bekanntesten Marken, die es gibt. Das Unternehmen hinter dem Logo versorgt die Welt mit Kaffee und solchen In-Getränken wie den Frappuccino und den Pumpkin Spice Latte (beides noch nie getrunken, in unserem Kaffeegeschmack sind wir eher altmodisch). Heute werfen wir einen Blick nach Seattle und sehen uns die Starbucks Corporation an.

 

Starbucks_Simpsons
Bart Simpson (Quelle: Tumblr)

Starbucks besitzt über 27.000 Coffeeshops weltweit (ca. 50% davon in den USA), wobei ca. 13.000 Geschäfte von Starbucks selbst betrieben werden. Die restlichen 14.000 werden von Franchisenehmern betrieben. Aktuell gibt es in Deutschland 156 Starbucks-Filialen. Alle Stores in Deutschland werden von der polnischen AmRest Holdings SE betrieben. (Vgl. Annual Report 2017: https://investor.starbucks.com/financial-data/annual-reports/default.aspx)

 

(Quelle: Annual Report 2017)

 

Historie

 

1971
Der erste Starbucks wird im Pike Place Market von Seattle eröffnet (benannt nach dem Steuermann Starbuck aus dem Roman „Moby Dick“).

1982
Der spätere CEO Howard Schultz steigt bei Starbucks ein.

1985
Schultz gründet die Kaffeehauskette „Il Giornale“.

1987
Schultz übernimmt mit „Il Giornale“ und der Hilfe lokaler Investoren die Läden von Starbucks und ändert den Namen auf Starbucks Corporation
(Filialanzahl der Starbucks Corporation: 17)

1992
Starbucks geht an die Börse

1995
Starbucks serviert den Frappuccino.

2002
Der erste Store in Deutschland wird eröffnet.

 

(Quellen: Starbucks.de: https://www.starbucks.de/about-us/our-heritage, Starbucks.com: https://www.starbucks.com/about-us/company-information/starbucks-company-timeline)

 

Gegenwart

 

Heute ist Starbucks der größte Anbieter von Kaffeespezialitäten der Welt. (Vgl. Starbucks.de: https://www.starbucks.de/about-us/our-heritage) In diese Position gelangte das Unternehmen durch eine jahrelange aggressive Expansionspolitik, welche auch gerne in der Popkultur auf die Schippe genommen wurde.

 

Shrek 2 (Quelle: Giphy)

Dieser Wachstumskurs schlug sich auch im Aktienkurs nieder. Im Juni 1992 lag der Kurs bei 0,35 US-$. Im Mai 2015 stand er bei über 60 US-$ – innerhalb von 23 Jahren hatte sich der Kurs mehr als verhundertsiebzigfacht. Aber seitdem – wie nennen es die Experten so schön – befindet sich die Aktie in einer Seitwärtsbewegung. Derzeit steht der Kurs bei ca. 58 US-$ (Sept. 2018). Was ist passiert?

Starbucks wurde immer als ein Wachstumsunternehmen betrachtet – was es natürlich auch ist/war. Umsatz- und Gewinnanstieg waren phänomenal und somit war das Unternehmen natürlich ein Ziel für Anhänger des Growth Investings. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass ein Unternehmen ab einem bestimmten Zeitpunkt diese Wachstumsraten nicht mehr aufrechterhalten kann. Es ist schwieriger einen Umsatz von 20 Mrd. US-$ um 20% zu steigern als einen Umsatz von 2 Mrd. US-$. Bei Ersterem würde man 4 Mrd. US-$ mehr einnehmen müssen, bei Letzterem „lediglich“ 400 Mio. US-$. Der neue Vorstandschef Kevin Johnson (seit 2017 Nachfolger von Howard Schultz) hat die Anleger bereits auf langsameres Wachstum eingestellt. (Vgl. CNBC: https://www.cnbc.com/2018/06/20/starbuck-ceo-johnson-says-aiming-for-growth-at-scale-needs-to-be-more-disciplined.html)

Apropos Kevin Johnson: Howard Schultz hat sich letztes Jahr von seiner Position als CEO zurückgezogen. Nun muss der „Neue“ beweisen, dass er in die doch riesigen Fußstapfen eines Howard Schultz treten kann.

Aber viel Zeit hat Johnson nicht um sich zu beweisen. Denn auch Starbucks hat mit Herausforderungen zu kämpfen. Internet und Online-Handel setzen nun langsam auch dem Unternehmen aus Seattle zu. Durch die gute Führung von Howard Schultz konnte sich Starbucks diesem Druck lange entziehen. Doch nun muss sich Starbucks diesem Thema stellen, da bspw. der Rückgang von Shoppingmalls auch Starbucks weh tut.

Und wie so oft: Die Konkurrenz schläft nicht. Coca-Cola möchte den Kaffeemarkt aufmischen. „Mit Koffein kennen sie sich bei Coca-Cola aus. Aber der jüngste Zukauf des US-Getränkeherstellers kommt trotzdem überraschend: Für 3,9 Milliarden Pfund (4,4 Milliarden Euro) übernimmt Coca-Cola den britischen Starbucks-Konkurrenten Costa mit seinen rund 4.000 Filialen. […] „Costa Coffee ist die größte globale Kaffeehaus-Kette nach Starbucks und McCafé“, kommentiert Howard Telford vom Marktforscher Euromonitor International den jüngsten Deal. Costa verfüge vor allem in Europa und Asien über eine starke Präsenz, die Coca-Cola dann weltweit und auch in den USA ausbauen könnte.“ (Vgl. Handelsblatt: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/kampf-um-den-kaffee-coca-cola-macht-mit-dem-kauf-von-costa-auch-der-deutschen-reimann-familie-konkurrenz/22984380.html?ticket=ST-34226-apQDkmQbTaHdA0XADP7C-ap2)

 

Kennzahlenanalyse

 

 

Bei Starbucks handelt es sich um ein gut finanziertes Unternehmen. Im Jahr 2017 hätte Starbucks seine Schulden alleine mithilfe des operativen Cashflows innerhalb von nur zwei Jahren zurückzahlen können. Die EBIT-Marge ist mit ca. 18% für die heiß umkämpfte Branche recht gut. Die EK-Rendite sticht mit konstanten Werten von über 47% hervor. Darüber hinaus wachsen sowohl Umsatz als auch Gewinn bei Starbucks. Alles in allem liegen die Kennzahlen im wirklich guten Bereich.

 

Qualitative Analyse

 

Manche lieben es, manche hassen es. Nichtsdestotrotz gehört das Geschäftsmodell von Starbucks zur Kategorie einfach zu verstehen. Es gibt die berühmten Kaffeehausketten in fast allen Metropolen weltweit und diese verkaufen Kaffee in allen erdenklichen Varianten plus Süßkram. That’s it.
Die Coffeeshops werden entweder von Starbucks direkt oder durch Franchisenehmer betrieben. Es gibt sogenannte Master-Lizenzen für ganze Länder, so werden z.B. in Großbritannien zwei Drittel der Filialen von Franchisenehmern betrieben.

Wir sind ja selbst bekennende Kaffee-Junkies und waren deswegen auch schon ein paar Mal in einem Starbucks, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab. Wir kennen das Produkt und was noch viel wichtiger ist, wir wissen, dass sehr viele andere Leute darauf stehen.

Was sich zukünftig wahrscheinlich nicht ändern wird ist nicht nur die Nachfrage nach Kaffee, sondern auch die spezielle Erfahrung, die damit einhergeht. Starbucks hat es salonfähig gemacht, dass überall auf dieser Welt Leute mit ihren Pappbechern einen Coffee-to-go schlürfen. Wir glauben, dass dies auch noch in 10 oder 20 Jahren so sein wird und die Kunden bereit sind extra Geld für die „Erfahrung“ Starbucks zu bezahlen.
“We’re not in the coffee business — we’re in the experience business.” – Howard Schultz

Laut dem „World’s Most Valuable Brands” Report belegt Starbucks Platz 33 der weltweit wertvollsten Marken. Branddirectory vergibt sogar Platz 1 im Bereich wertvollste Restaurantmarken. (Vgl. branddiretory.com: http://brandirectory.com/league_tables/table/restaurants-25-2018)
Die Marke Starbucks ist weltweit bekannt und hat sich ein einzigartiges Standing aufgebaut.

Uns gefällt, dass der Gründer Howard Schultz nach wie vor über 33 Millionen Aktien von Starbucks hält. Faszinierend ist auch, dass zwei Vorstandsmitglieder von Starbucks (Mellody L Hobson und John Culver) zweit- bzw. drittgrößte Einzelanteilseigner sind. (Vgl. Investopedia: https://www.investopedia.com/articles/insights/052416/top-4-starbucks-shareholders-sbux.asp)

Was die Konkurrenz angeht, kann McDonald‘s hier gut und gerne dazugezählt werden. Das McCafé Geschäft macht mittlerweile einen nicht unerheblichen Teil des Umsatzes aus. Allerdings ist Starbucks natürlich wesentlich spezialisierter in seinem Bereich. Erst kürzlich gesellte sich Coca-Cola zur Konkurrenz dazu und richtet sein Geschäftsmodell zusätzlich hinsichtlich Kaffee aus. Dazu hat Coca-Cola die Kaffeekette Costa übernommen und steigt als großer Player nun auch in den Kaffeemarkt ein. Darüber hinaus gibt’s noch Konkurrenz von Dunkin‘ Donuts und Tchibo. Alles in allem ein heiß umkämpfter Markt.

Als Aktionär sieht man gerne, dass Starbucks seit 2001 bereits ein fortwährendes Aktienrückkaufprogramm hat und dieses auch tatkräftig umsetzt.

Starbucks pflegt das Image eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Konzerns. Wie überall auf dieser Welt gibt es natürlich genügend Gegenstimmen, die behaupten, dass Starbucks nicht genug tut. Nichtsdestotrotz gibt es nicht nur schwarz und weiß und Starbucks bewegt sich hier in einer guten Grauzone und ist bemüht sein Unternehmen auf Nachhaltigkeit auszurichten. Erst kürzlich wurde ein Konzept für sog. „Green Stores“ vorgestellt, das den Weg dorthin ebnen soll. (Vgl. food-service.de: https://www.food-service.de/international/news/nachhaltigkeit-starbucks-will-gruener-werden-41420)

 

Fazit

 

 

Das Wachstum mag sich verlangsamen. Coca-Cola mag den Kaffeemarkt angreifen. Der CEO mag neu sein und man weiß nicht, ob er ein würdiger Nachfolger für Howard Schultz sein wird. Und generell schwebt über allem sowieso der digitale Wandel und die Frage, ob man überhaupt noch vors Haus geht um sich seinen Kaffee zu kaufen.
Auf den ersten Blick viele Fragen und Unsicherheiten, aber bei näherer Betrachtung sind die Themen eigentlich halb so wild. Starbucks ist ein Unternehmen, welches eine ausgezeichnete Marktposition innehat und der Konzern bringt auch alles mit um diese Position noch lange zu halten. Und da wir ein Faible für Marktführer und Burggräben haben, ist Starbucks – wie immer natürlich bei einem passenden Preis – eine Überlegung wert.

 

Fairer Wert:                                       30 € – 35 €

Aktueller Kurs (26.09.2018):       58 €

 

Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren!

 

Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andreas & Daniel

 

 

Disclaimer

 

Hinweis nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

 

Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

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Comments (2)

Hallo zusammen, wieder einmal ein toller Bericht. Könntet ihr den Rechenweg zum fairen Preis nicht auch noch als Screenshot einfügen, damit man ihn nachvollziehen kann? Ähnlich wie ihr die anderen Dinge auch herleitet, dann wäre der Bericht „rund“ 🙂 danke und Grüße, Michael

Servus Michael,

Danke für die netten Worte und das erneute Feedback! Wir finden es klasse, dass du unsere Artikel regelmäßig liest und auch immer fleißig kommentierst.

Nun zu deinem Punkt:
Wie wir den fairen Wert herleiten hat Andi in Ausgabe #11 (https://bavarian-value.de/2018/02/23/ausgabe-11-wie-bewerten-wir-unternehmen/) beschrieben. Da sich die grundlegende Methode bei uns zur Zeit nicht ändert (lediglich die Zahlen), haben wir diesen Punkt bisher nicht explizit in den Inside-Artikeln ausgeführt.
Aber wenn es natürlich gewünscht wird, werden wir schauen, was wir in dieser Richtung umsetzen können. Unsere Kapazitäten sind leider etwas begrenzt, weil wir derzeit nicht die Möglichkeit haben Bavarian Value Vollzeit zu betreuen. Deswegen bitten wir um Verständnis. 🙂

Bayrische Grüße Dani

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