Ausgabe #40: Inside Glanbia – Unternehmensanalyse November 2018

Bild von Zeyus Media (Quelle: Flickr)

 

Heute geht es ins schöne, grüne, Guinness-liebende Irland. Wir reisen in das beschauliche Städtchen Kilkenny und besuchen das globale Ernährungsunternehmen Glanbia plc.

 

Glanbia plc.

 

Das irische Unternehmen beschäftigt über 6.600 Mitarbeiter in 32 Ländern und verkauft seine Produkte in über 130 Länder. Dabei teilt sich Glanbia in drei große Unternehmensbereiche auf:

 

Glanbia Performance Nutrition (GPN)

Weltmarktführer im Bereich Leistungsernährung (Performance Nutrition)

Glanbia Nutritionals

Auf Milch und anderen Erzeugnissen basierende Nährstoffe und American-style Cheddar Cheese

Joint Ventures and Associates

Southwest Cheese (USA), Glanbia Cheese (UK), Glanbia Ireland

 

(Vgl. Glanbia.com: https://www.glanbia.com/about-us/glanbia-at-a-glance)

 

Historie

 

1964
Waterford Co-op Society wird gegründet.

1966
Avonmore Creameries wird gegründet.

1988
Avonmore Foods plc geht am 06. September an die Irish Stock Exchange. Der Börsengang von Waterford Foods plc folgt am 06. Oktober.

1997
Am 04. September fusionieren Avonmore Foods plc und Waterford Foods plc zu Avonmore Waterford Group (AWG) plc, dem viertgrößten Verarbeiter von Molkereiprodukten in Europa und dem fünftgrößten Käseproduzenten der Welt.

1999
Das Unternehmen ändert seinen Namen in Glanbia plc, was auf Irisch so viel bedeutet wie „reines Essen“.

2004
Mit der ersten „nutritional“ Akquisition, dem Kauf des deutschen Unternehmens Kortus Foods, steigt Glanbia in den „nutritional“ Markt (nährstoffreiche Nahrungsmittel) ein.

 

(Quelle: Glanbia.com: https://www.glanbia.com/about-us/our-history)

 

Gegenwart

 

Der Markt für Leistungsernährung (Performance Nutrition) wächst stark. Zion Market Research beziffert die jährliche Wachstumsrate bis 2022 auf 8,1%. Das würde einen Anstieg von 28,37 Mrd. US-$ in 2016 auf 45,27 Mrd. US-$ in 2022 bedeuten.

 

(Quelle: Zion Market Research: https://www.zionmarketresearch.com/news/sports-nutrition-market)

 

In diesem Wachstumsmarkt spielt Glanbia mit dem weltweit größten Markenportfolio im Bereich Performance Nutrition eine Hauptrolle. Laut eignen Angaben besitzt Glanbia hier einen Marktanteil von 12%. (Quelle: Glanbia.com: https://www.glanbia.com/our-business/global-performance-nutrition/brands)

(Quelle: Glanbia.com: https://www.glanbia.com/our-business/global-performance-nutrition/brands)

 

Stewie hat die Zauberkraft (Quelle: Giphy)

 

Am 11.10.2018 hat Glanbia bekannt gegeben die US-amerikanische Marke SlimFast für 350 Mio US-$ von den Unternehmen KSF Holdings LLP und HNS Intermediate Corporation zu erwerben. SlimFast ist eine führende Marke bei den Themen Weight Management, Gesundheit und Wellness.

CEO Siobhán Talbot kommentierte die Transaktion mit folgenden Worten:

“I am pleased to announce that we have agreed to acquire SlimFast, a leading consumer brand in the $8 billion weight management nutrition market, an adjacency to the Glanbia Performance Nutrition brand portfolio.”

(Vgl. Glanbia.com: https://www.glanbia.com/media/press-releases/2018/acquisition-of)

 

Kennzahlenanalyse

 

 

Glanbia kann eine konstant gute bis sehr gute EK-Quote vorweisen. Der dynamische Verschuldungsgrad ist nicht so gut und weist darauf hin, dass Glanbia allein mit dem operativen Cash-Flow lange bräuchte um seine Schulden abzubezahlen, was allerdings durch die erwähnte hohe EK-Quote und das damit geringe FK abgefedert wird.
Die GK-Rendite war diesbezüglich immer auf einem sehr guten Niveau.
Auch das Gewinnwachstum kann sich sehen lassen. Das Unternehmen expandiert und baut sowohl Gewinn als auch EBIT-Marge konstant aus. Zusammenfassend befinden sich die Kennzahlen insgesamt für die Branche auf einem guten Niveau.

 

Qualitative Analyse

 

Glanbia hat eine führende Position in den Segmenten Leistungsernährung, Käse, Milchprodukte sowie Nahrungsergänzungsmittel. Glanbia vertriebt zum einen seine Produkte an Partner-Unternehmen, stellt seinen Kunden aber auch Service-Leistungen in den Bereich Forschung und Entwicklung und Logistik zur Verfügung.
Der mitunter größte Abnehmer ist die USA. Deswegen bleibt Glanbia natürlich auch nicht von Währungskursschwankungen verschont und ein schwacher Dollar ist in diesem Falle für die exportierende Firma ein Problem.
„Eigentlich gibt es keine Dörfer im landläufigen Sinne in Irland. Bauern wohnen auf ihrem Land, der Handel spielt sich in kleinen Städtchen ab. Doch Ballyragget in der Grafschaft Kilkenny kommt einem Dorf erstaunlich nahe. Dabei handelt es sich nicht um irgendein Nest mit anderthalbtausend Einwohnern. Denn hier hat der Molkereikonzern Glanbia seine Produktionsanlagen, dem Bill O’Keeffe seine Milch verkauft. Stolz erläutert Laura Curtin, eine Sprecherin, es handle sich um die größte Verarbeitungsanlage für Molkereiprodukte in Europa. […] Der neuste Umsatzrenner beruht auf Hochtechnologie. Proteinhaltige Zusätze und Getränke werden aus der Molke gewonnen; das war früher ein Abfallprodukt bei der Käse-Herstellung, das die Milchbauern ihren Schweinen verfütterten. Heutzutage macht Glanbia, ein Weltkonzern mit rund 3 Milliarden Euro Umsatz und 4500 Angestellten, daraus Kraftgetränke für Sportler. Rund 15 Prozent aller Molkereibestandteile von Babynahrung kommen weltweit aus Irland.“ (Vgl. welt.de: https://www.welt.de/politik/ausland/article121040554/Irlands-Zukunft-muht-auf-der-gruenen-Wiese.html)
Glanbia hat somit im Laufe der Zeit den Fokus auf höhermargige Produktkategorien gelegt.

Der Trend geht global immer mehr bewusster und gesunder Ernährung. Wir sehen darin nicht nur einen kurzfristigen Trend, sondern eine langanhaltende Entwicklung. Glanbia forscht selbst und baut seine Produktpallette stetig aus. Wir denken, dass Glanbia gut für die Zukunft gerüstet ist und auch noch in 10 bis 20 Jahren mehr als relevant in seiner Branche sein wird.

 

Krusty der Clown erkennt den Trend (Quelle: Giphy)

 

Glanbia hat in der Nahrungsmittel-Branche naturgemäß viel Konkurrenz. In Irland selbst ist hierbei noch die Kerrygroup zu nennen und international gibt es natürlich auch Berührungspunkte mit Nestlé und Co. Aber in seinem Segment ist Glanbia sehr gut aufgestellt.

Das Management-Team um CEO Siobhán Tabot macht seine Sache bisweilen hervorragend. Das Team ist organisch über die Jahre gewachsen, es wurden kluge Entscheidungen hinsichtlich der Ausrichtung des Unternehmens getroffen und die Zukäufe waren gut überlegt. Darüber hinaus wird auch im Annual Report betont, wie wichtig Glanbia der Shareholder Value ist. Und diesen Worten folgten in der Vergangenheit auch immer Taten.

 Was uns zudem gefällt ist, dass sich Glanbia für einen nachhaltigen Milchpreis einsetzt und die Landwirte nicht ausnutzt, wie es viele andere Unternehmen gerne machen. In 2017 zahlte Glanbia laut einer Studie von KPMG den zweithöchsten Preis für Milch in Irland. (Vgl. glanbiaconnect.com: https://www.glanbiaconnect.com/news/KPMG-2017-Milk-Price-Review)

 

Fazit

 

 

Die Nahrungsmittelbranche ist hart umkämpft und hat sich die letzten Jahre nicht als sonderlich wachstumsstark hervorgetan. Jedoch gibt es innerhalb dieser Branche durchaus Segmente, die mit starkem Wachstum glänzen. Hierzu zählen sicherlich die Bereiche Leistungsernährung / Performance Nutrition und Weight Management. Und die freundlichen Iren von Glanbia haben sich hier über die Jahre in eine aussichtreiche Position gebracht.

Zusatzinfo: Wir haben Glanbia dieses Jahr in unser wikifolio „World Wide Value“ by BavarianValue aufgenommen.

 

Bei aktuellen Owner Earnings von 365,30 Mio. € (2017) ergibt sich für uns folgende Spanne für den fairen Wert:

Fairer Wert:                                       22 € – 26 €

Aktueller Kurs (12.11.2018):       15 €

Die Erklärung unserer Unternehmensbewertung findet ihr in Ausgabe #11.

 

Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren!

 

Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andreas & Daniel

 

 

Disclaimer

 

Hinweis nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

 

Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

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Comments (4)

Hallo zusammen, nach kleiner Auszeit bin ich mal wieder auf eurer Seite gelandet und freue mich über einen tollen Bericht von Euch! Die Firma kannte ich bisher nicht! Super Tipp! Danke. Eure Beiträge sind viel besser als manche Gast Beiträge, die einen 0815 bla schreiben, nur um den link zu erhalten… Und den gleichen Text auch noch auf die eigene Homepage zu kopieren… Google nennt das dann duplicate content… Da solltet ihr aufpassen. Beste Grüße, Michael

Servus Michael and welcome back!

Es freut uns, dass wir dir ein Unternehmen näherbringen konnten, das du vorher noch nicht gekannt hast. Und hierzu gleich mal eine generelle Frage:
Sollen wir uns bei unseren Inside-Artikeln eher auf unbekanntere Unternehmen spezialisieren oder passt die aktuelle Mischung aus kleinen und großen Unternehmen?

Zu den Gastbeiträgen:
Zunächst einmal vielen Dank für deinen Hinweis. Natürlich möchten wir euch immer hochwertigen Inhalt bieten und sind deswegen auch bei der Auswahl unserer Gastautoren durchaus streng. Aber Bavarian Value ist noch relativ jung und wir lernen täglich dazu – vor allem durch das Feedback unserer Leser.
Wir haben auch schon Ideen wie wir die Qualität weiter steigern können und werden diese auch nach und nach umsetzen. Bei uns dauert das leider immer etwas länger, da wir uns aktuell Bavarian Value leider nicht Vollzeit widmen können. Deswegen an dieser Stelle ein kleines, aber ehrliches „Sorry“. Aber wir sind dran!
Und keine Sorge! 🙂
Für dieses Jahr ist nur noch ein Gastartikel geplant (der kommt morgen).
Hier sind wir jedoch auch einigermaßen stolz, dass wir diesen organisieren konnten. 🙂

Wenn es noch weitere Anmerkungen etc. gibt, dann immer her damit! Wir lesen alles und setzen uns mit allem auseinander.

Bayrische Grüße
Dani

Hallo Dani, gerne… Und klar, das ist nur ein nebenbei Projekt und das ist auch vollkommen ok. Nur keinen Stress! Ihr macht das super! Wenn ihr viele neue Leser über Google erreichen wollt, dann solltet ihr eher neue Bereiche erobern und darüber schreiben, als euch die Evergreens vorzuknöpfen… So habt ihr eher die Chance auf Google gefunden zu werden. Wenn jetzt alle nur über general mills schreiben, dann werden die alten und großen Seiten immer vor euch sein… Ich wollte euch eh mal eine Mail schreiben mit einem weiteren Tipp, wie ihr die Seite noch weiter monetarisieren könntet. Beste Grüße, Michael

Vielen Dank für deine Tipps Michael! Wir sind schon auf deine Mail gespannt. 😉

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