Ausgabe #14: Kommentar zur Marktlage März 2018

What’s going on? (Bild von hedera.baltica (Quelle: commons.wikimedia.org))

 

“Zugeschaltet ist jetzt ein Experte. Hallo.”

“Hallo.”

“Sie sind Experte. Was ist Ihre Meinung dazu?”

“Ich, als Experte, denke, wir sollten alle noch viel mehr Angst […] haben.“

(Vgl. Marc-Uwe Kling: Das Känguru-Manifest)

 

Als Finanzexperte oder Pseudoexperte, der heutzutage – vielleicht früher auch schon – etwas auf sich hält, muss man sich ja alle fünf Minuten zur aktuellen Lage an den Märkten äußern. Da ich nicht aus diesem erlesenen Kreis ausgeschlossen werden will, kommt hier mein Kommentar zur Börsenlage im März 2018:

 

Die Lage (07.03.2018)

 

Mittlerweile kommt seit ein paar Wochen etwas Bewegung in die Sache. Die Volatilität (Kursschwankung) steigt – es geht hoch und runter. Alle paar Tage hört man etwas von Korrektur, manchmal von Crash, kurz darauf wiederum etwas von Erholung und natürlich immer wieder „die Bullen“ (Bull Market = steigende Kurse) und „die Bären“ (Bear Market = fallende Kurse). Tim hat schon vollkommen die Orientierung verloren und weiß gar nicht mehr wem er hinterherrennen soll.

Sehen wir uns doch einfach mal die letzten drei Monate des DAX sowie des Dow an:

DAX (3 Monate) (Vgl. Onvista: https://www.onvista.de/index/chart/DAX-Index-20735)

Dow Jones (3 Monate) (Vgl. Onvista: https://www.onvista.de/index/chart/Dow-Jones-Index-324977)

 

Wie gesagt ging es in den letzten Wochen etwas mehr hin und her als man es die letzten Jahre gewohnt war. Schaut auf den ersten Blick auch recht volatil aus. Aber wie so oft an der Börse sagt diese „kurzfristige“ Sichtweise so gut wie nix aus.

DAX (10 Jahre) (Vgl. Onvista: https://www.onvista.de/index/chart/DAX-Index-20735)

Dow Jones (10 Jahre) (Vgl. Onvista: https://www.onvista.de/index/chart/Dow-Jones-Index-324977)

 

10 Jahre, damit kann man doch was anfangen. Wie man sehen kann und auch schon oft genug gehört hat, befinden wir uns seit ca. 2009 in einem Bullenmarkt, d.h. seit der letzten Finanzkrise (Subprime-Krise (Lehman-Brothers 2008): https://investorenausbildung.de/horror-boersencrashs/) steigen die weltweiten Börsen fast ununterbrochen. Natürlich gab es immer mal wieder ein paar Dellen (z.B. als China Anfang 2016 einen neuen Börsenschutzmechanismus einführte, der irgendwie nicht so funktionierte wie die Regierung sich das gedacht hatte). Aber nichtsdestotrotz kennen die Börsen seit Jahren eigentlich nur den Weg nach oben. Sehr extrem wurde es nach der Wahl von Donald Trump, da sich die Kurse seitdem fast gradlinig nach oben bewegten.

Aber wie sieht‘s nun heute im März 2018 aus?

 

Mein Kommentar

 

Ganz ehrlich: Wir sind heute (07.03.2018) beim Dax gerade mal ca. 10 % vom Allzeithoch entfernt und auf dem Stand von August 2017. Beim Dow ist die Sache ähnlich: Ca. 7 % vom Allzeithoch entfernt und auf dem Stand von Januar 2018. Ich tu mich hier als Value Investor echt schwer von einer richtigen Korrektur zu sprechen, wobei es das wahrscheinlich definitionsgemäß ist. Aber ein Crash sieht glaube ich anders aus.

Es war schon das ganze Jahr 2017 sehr schwer angemessen bewertete oder gar unterbewertete Unternehmen zu finden und das hat sich bisher auch nicht wirklich geändert. Wir befinden uns immer noch bei Kursen, die extrem hoch sind und leider heißt das meistens auch, dass Aktien guter Unternehmen extrem teuer (überbewertet) sind.

Nicht umsonst sitzen Warren Buffett und Charlie Munger mit Berkshire Hathaway derzeit auf 116 Mrd. $ Cash:

“In our search for new stand-alone businesses, the key qualities we seek are durable competitive strengths; able and high-grade management; good returns on the net tangible assets required to operate the business; opportunities for internal growth at attractive returns; and, finally, a sensible purchase price.
That last requirement proved a barrier to virtually all deals we reviewed in 2017, as prices for decent, but far from spectacular, businesses hit an all-time high.” – Warren Buffett (Vgl. Shareholder Letter 2017: http://www.berkshirehathaway.com/)

Als Value Investor hat man‘s gerade – trotz „Korrektur“ – echt nicht leicht. Andreas und ich haben in unserem wikifolio „World Wide Value“ derzeit auch einen Cash-Bestand von knapp 40% und wir tun uns ehrlicherweise immer noch sehr schwer neue und attraktive Investments zu finden.

Deswegen würde ich sagen, auch wenn die Indizes die letzten Wochen etwas verloren haben, sind die Kurse immer noch sehr hoch und viele Unternehmen sind weiterhin überbewertet bzw. es gibt derzeit nicht viele Unternehmen, deren Aktien für uns einen attraktiven Preis haben. Da müsste schon noch etwas mehr kommen, aber wenigstens kommt mittlerweile etwas Bewegung ins Spiel.

 

Meine Prognose

 

„We have two kinds of forecasters, those who don’t know and those who don’t know they don’t know.“ – John Kenneth Galbraith

„We have long felt that the only value of stock forecasters is to make fortune-tellers look good.“ – Warren Buffett

 

Wir bei Bavarian Value halten jetzt nicht wirklich viel von Markt- & Börsenprognosen. Deswegen ist meine heutige Prognose:

In nächster Zeit werden die Kurse steigen oder fallen oder vielleicht auch gleichbleiben. Irgendwann wird’s hoch gehen und irgendwann auch wieder runter! Viel Spaß damit! 🙂

 

Aber wenn es mal wieder (richtig) bergab geht, sollte man immer etwas Geld in der Tasche haben um solche Situationen ausnutzen zu können!

 

Kurzer Nachtrag

 

Ich habe diesen Artikel bereits letzte Woche verfasst. Aber in der Zwischenzeit hat sich an den Börsen nicht wirklich großartig was getan. Okay, Donald Trump hat Importzölle auf Stahl und Aluminium erhoben, aber wie sich diese tatsächlich auswirken werden – in Bezug auf einen möglichen Handelskrieg etc. – da hab ich im Moment noch keine konkrete Vorstellung. Als „gelernter“ Volkswirt ist mir natürlich klar, dass Zölle allen Beteiligten schaden werden, aber wie diese zukünftig umgesetzt werden, welche „Ausnahmen“ es geben wird und vor allem auch wie stark die Auswirkungen nun sein werden, bleibt abzuwarten.

Deswegen stehe ich auch weiterhin zu meiner Meinung von letzter Woche und sage: „Die Kurse sind derzeit sehr hoch und irgendwann geht’s wieder bergab.“   

 

Nun seid ihr mal wieder gefragt: Wie ist eure Einschätzung zur derzeitigen Marktlage? Sind die Kurse zu hoch? Zu niedrig? Angemessen? Wie hoch ist euer Cash-Bestand? Wollt ihr eine Prognose abgeben? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram.

 

Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Daniel „D!“ Bleicher

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Comments (2)

Ich habe eine sehr interessante Prognose, von der ich selbst hoffe, dass sie nicht eintreffen wird.
Prognose: Es wird ein Asset geben, dass (falls es in den nächsten Jahren zu einem Crash kommen sollte, ein Crash kommt zumal nicht ohne realwirtschaftliche Vorentwicklungen oder Auswirkungen) noch schneller in seinem Wert fällt, als die Aktien der meisten Unternehmen. Ein Asset, das eigentlich als Sicher gilt: Der Euro. Wenn man sich die Auswirkungen der abgeschafften Zinsen anschaut: es hat Planwirtschaftliche Entwicklungen gegeben. Kaum Unternehmen sind in den letzten Jahren Pleitegegangen. Infolge dessen reduzierten sämtliche Banken ihre Risikorücklage (um Gewinne ausweisen zu können). Deshalb sind jedoch nicht die Risiken selbst verschwunden. Schaut man sich zudem an, wie die EZB konzipiert ist, bleibt nur der Schluss, dass es nicht mehr zu einer Zinserhöhung kommen kann. Selbst wenn einige Länder die Notwendigkeit erkennen würden, würden die Südländer der EU nicht ihr eigenes Grab schaufeln. Sodass eine solche Wirtschaftspolitik in der EZB nicht Mehrheitsfähig ist. Der Euro ist aus meiner Sicht (wenn kein Wunder geschieht) kaum noch zu retten. Und umso länger rettende Maßnahmen nicht getätigt werden, desto unwahrscheinlicher wird es. Die Märkte haben das längst erkannt. Nicht umsonst sind die US Märkte wesentlich höher bepreist, obwohl in der EU der Markt mit Geld geflutet wird. Aktuell retten sich die Big- Player mit ihrem Geld in die USA.
Deshalb: Cash in Euros dürfte im nächsten Crash nutzlos sein. Wenn Cash, dann würde ich eher andere Währungen vorziehen (oder sogar Aktien?). Selbst wenn der Euro noch gerettet werden kann, allein das Risiko das derzeit auf ihm lastet wäre mir zu groß, davon größere Mengen zu besitzen.

Daniel
Daniel "D!" Bleicher

Hallo Pascal,

zunächst einmal vielen Dank für deine ausführliche Analyse!

Das ist natürlich ein interessanter Gedankengang. Dass die EZB noch Probleme bekommen wird, wenn sie einmal die Zinsen anheben sollte, ist sehr wahrscheinlich, da im Euroraum ein sehr starkes Nord-Süd-Gefälle herrscht bzgl. Wirtschaftsleistung und Verschuldung. Da geb ich dir vollkommen recht. Ob der Euro vor dem Aus steht oder nicht, lässt sich aber meiner Meinung nach nur schwer prognostizieren.

Beste Grüße
Dani

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