Ausgabe #16: Inside Bakkafrost – Unternehmensanalyse März 2018

(Bild von EileenSanda (Quelle: commons.wikimedia.org))
(Bild von EileenSanda (Quelle: commons.wikimedia.org))

 

Der weltweite Fischkonsum steigt jährlich. Sehr begehrt ist hierbei Lachs. Dies bestätigt auch die FAO (The Food and Agriculture Organization of the United Nations) in ihrem Marktbericht (12.12.2017) zur aktuellen Lage der Lachsnachfrage:

  • In vielen großen Emerging Markets, wie Brasilien und Russland, hat sich die Nachfrage wieder erholt.
  • In Asien werden weiterhin hohe Wachstumsraten verzeichnet.
  • Die Konsumenten in Industrieländern sind bereit höhere Preise zu zahlen.

Auch ein etwas älterer Bericht der Worldbank aus dem Jahre 2014 sieht eine zukünftig steigende Nachfrage nach „Seafood“. Es wird geschätzt, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahre 2050 auf über 9 Milliarden ansteigt. Folglich wird auch mehr Nahrung benötigt. Und hierbei kommt „Aquafarming“ (Aquakultur) ins Spiel. Aus dem Bericht kann man entnehmen, dass im Jahr 2030 bis zu 62 % der Fische und Meeresfrüchte, die auf unseren Tellern landen, aus Aquafarmen stammen werden.

 

Erklärung „Aquafarming“:

„Aquakultur oder „Aquafarm/Aquafarming“ ist die kontrollierte Aufzucht von aquatischen, also im Wasser lebenden Organismen, insbesondere Fischen, Muscheln, Krebsen und Algen. Allen in Aquakultur produzierten Organismen gemein ist die Zuordnung zu einem Besitzer. So unterscheidet sich die Aquakultur vom klassischen Fischfang in öffentlichen Gewässern. Die Aquakultur gewinnt besonders wegen der Überfischung zunehmend an Bedeutung.

Die weltweiten Hauptaktivitäten im Bereich der Aquakultur lassen sich in drei Bereiche untergliedern:

  • Fisch-, Muschel-, Garnelenzucht und anderes (Mast) für die Nahrungsmittelindustrie, z. B. Austernzucht
  • Setzlingszucht für die Fischzucht, zur Arterhaltung oder zum Besatz von Angelgewässern
  • Mikro- und Makroalgenzucht für die chemische, pharmazeutische und lebensmitteltechnische Industrie sowie den Futtermittelmarkt“

(Vgl. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Aquakultur)

 

Dadurch, dass es sich hierbei um einen zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig handelt, der trotzdem relativ einfach zu verstehen ist, ist es sicherlich interessant sich hiermit näher zu beschäftigen.

Aus diesem Grund werfen wir heute einen Blick auf das Unternehmen Bakkafrost.

 

Bakkafrost

 

Bakkafrost ist (laut eigenen Angaben) der führende Produzent von „Top-Quality”-Lachs von den Färöer-Inseln. Dieser Lachs wird aus Aquakulturen gewonnen.

 

Historie

 

1968:                 Gründung durch die Brüder Hans und Róland Jacobsen

1971:                 Der dritte Bruder, Martin Jakobsen, schließt sich Bakkafrost an

1979:                 Bakkafrost beginnt mit Fish Farming

2010:                 Fusion von Bakkafrost mit Vestlax (Zusammen größtes Farming- Unternehmen auf den Färöer-Inseln (55% Marktanteil „farmed” Lachs))

26.03.2010:     IPO an der Oslo Stock Exchange

2011:                 Bakkafrost kauft P/F Havsbrún (Produzent von Fischmehl, Fischöl und Fischfutter auf den Färöer-Inseln)

 

(Vgl. Bakkafrost: http://www.bakkafrost.com/en/bakkafrost_about-us/bakkafrost_about-us/bakkafrost_bakkafrost-history/)

 

Gegenwart

 

Quelle: http://salmonbusiness.com/these-are-the-worlds-20-largest-salmon-producers/

 

Heute ist Bakkafrost das 8. größte Unternehmen im Bereich Lachszucht.

Hierbei hat sich Bakkafrost als Premium-Anbieter etabliert und setzt ausschließlich auf die Produktion von hochqualitativem Bio-Lachs und verzichtet auf den Einsatz von Antibiotika und Kortison. Bakkafrost züchtet (bisher) nur auf den Färöer-Inseln, welche weltweit in Sachen „Lachs-Qualität“ einen sehr guten Ruf genießen. (Vgl. Fuchsbriefe: https://www.fuchsbriefe.de/vermoegen/bakkafrost-bio-lachs-fuer-gourmets)

Dabei übernimmt „Bakka“ einen sehr großen Teil der Wertschöpfungskette (von der Produktion von Fischmehl, Fischöl & Fischfutter über die Zucht & „Ernte“ der Lachse bis hin zur Verpackung und zum Verkauf) selbst.

Hierzu beschäftigt Bakkafrost derzeit (laut Annual Report 2017) 960 Mitarbeiter.

 

Quelle: Bakkafrost Annual Report 2017

 

Quelle: Bakkafrost QUICK FACT SHEET

Auch wenn „Bakka“ einen Großteil der Wertschöpfungskette übernimmt, wird in der Grafik „External operating revenue by segment 2017“ deutlich, dass Bakkafrost hauptsächlich durch die Lachszucht Geld verdient. Hauptabnehmer von Bakkafrost-Produkten ist Europa, gefolgt von den USA und China.

 

 

 

Vor rund einem Jahr (März 2017) hatte Bakkafrost mit einem Lachsvirus zu kämpfen und musste deswegen einige Tausend Tonnen Lachs vorzeitig abfischen. (Vgl.  fishfarmingexpert.com: https://www.fishfarmingexpert.com/article/bakkafrost-chief-confirms-pathogenic-isa-virus/)

 

Kennzahlenanalyse

 

Bakkafrost besitzt seit Jahren eine sehr hohe Eigenkapitalquote, was im Umkehrschluss bedeutet, dass wenig Verbindlichkeiten in der Bilanz stehen und das Unternehmen somit sehr solide finanziert ist. In den letzten Jahren war Bakkafrost immer herausragend in Bezug auf Eigenkapitalrendite, EBIT-Marge und Umsatzrendite. Das aktuelle Jahr bildet unserer Meinung nach eine Ausnahme, da der bereits erwähnte Lachsvirus die Zahlen stark nach unten gedrückt hat. Nichtsdestotrotz sind die Zahlen immer noch grundsolide. Wir sind zuversichtlich, dass Bakkafrost nächstes Jahr wieder an die erfolgreiche Vergangenheit anknüpfen kann. Aus unserer Sicht ist das Jahr 2017 deshalb als Ausreißer zu betrachten.

 

Qualitative Analyse

 

Bakkafrost hat sich im Premium-Segment für Lachs angesiedelt und hierbei ist vor allem die komplett integrierte Wertschöpfungskette (Bakkafrost is the most vertically integrated salmon farming company in the world) ein Vorteil, welche es möglich macht konstant hohe Qualität zu garantieren. Jedoch ist „Bakka“ bei weitem nicht der größte Lachszüchter und hat auch direkte Konkurrenz durch Aquafarmer aus dem „Billig-Segment“ wie z.B. die weltweite Nr. 1 Marine Harvest. Zwar weisen die hohen Margen (EBIT-Marge & Umsatzrendite) darauf hin, dass ein Wettbewerbsvorteil vorhanden sein könnte, jedoch fällt es uns schwer bei Bakkafrost von einem Burggraben zu sprechen, den Warren Buffett fordern würde.

Das Management von Bakkafrost genießt einen hervorragenden Ruf. Zum Beispiel gewann CEO Regin Jacobsen 2014 den Preis als bester CEO eines mittelständischen Unternehmens der Oslo Stock Exchange. Dies lässt sich auch durch die konstant (Ausnahme 2017 (Lachsvirus)) sehr hohe Eigenkapitalrendite untermauern. Regin Jacobsen (CEO seit 1989 & Sohn von Gründer Hans Jacobsen) und seine Mutter Oddvor Jacobsen (Witwe von Gründer Hans Jacobsen) sind auch die größten Aktionäre von Bakkafrost mit jeweils über 9% der umlaufenden Aktien. Somit kann man bei „Bakka“ von einem Familienunternehmen sprechen, was uns natürlich sehr gefällt. Zudem ist Bakkafrost ein regelmäßiger Dividendenzahler mit dem langfristigen Ziel „[…] that 30–50% of adjusted EPS shall be paid out as dividends.“ (Vgl. Bakkafrost: http://www.bakkafrost.com/en/bakkafrost_investor/bakkafrost_financial-strategy/bakkafrost_dividend/) Dies zeigt auch, dass das Management bei seinen Dividendenzahlungen die „Pay Out Ratio“ nicht außer Acht lässt.

Trotzdem gilt auch für Bakkafrost – wie für alle anderen Lachszüchter – eine hohe Abhängigkeit vom schwankenden Lachspreis. Dieser wird natürlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt und hat selbstverständlich großen Einfluss auf den Unternehmenserfolg.

 

Fazit

 

 

Wir glauben, dass Bakkafrost, wenn auch nicht der größte Lachsproduzent, ein tolles Unternehmen ist, welches bisher immer sehr solide geführt wurde. Natürlich hat „Bakka“ seine Risiken wie z.B. die hohe Konkurrenz oder auch die hohe Volatilität des Aktienkurses aufgrund der Abhängigkeit zum Lachspreis. Aber es gibt auch genügend Punkte die für das Unternehmen sprechen wie die (i.d.R.) ausgezeichneten Bilanzen, die gute Positionierung als Premium-Anbieter und das Management. Wer mit den starken Schwankungen umgehen kann, glauben wir zumindest, der kann mit „Bakka“ durchaus seinen Spaß haben. Wir persönlich sind davon überzeugt, dass sich „Bakka“ weiterhin gut schlagen wird und erfolgreich in diesem zukunftsträchtigen Markt mitmischen kann.

 

Fairer Wert:                                       34 € – 40 €

Aktueller Kurs (28.03.2018):      44 €

 

 

Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren!

 

Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andreas & Daniel

 

 

Disclaimer

 

Hinweis nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

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Comments (2)

Servus nach Bayern,
Danke für den interessanten Artikel. Ich hatte mich selbst schon mal mit Bakkafrost beschäftigt, war dann aber abgeschreckt worden durch die lokale Quellensteuer von 35% und den Schwierigkeiten diese mit der deutschen Quellensteuer zu verrechnen oder diese zurückzubekommen. Habt ihr da schon praktische Erfahrungen ob das funktionert?
Statt in Bakkafrost habe ich letztendlich in Tassal investiert. Das andere Ende der Welt (Australien) aber auch primär Lachszucht, angereichert mit einer eigenen Einzelhandels Marke für Seafood.

Daniel
Daniel "D!" Bleicher

Servus Frank,

mit der Quellensteuer hast du natürlich Recht. Ich muss ehrlich sagen, dass ich selbst noch nicht herausgefunden habe wie man damit am klügsten umgeht. Trotzdem hat sich mein privates Investment in „Bakka“ (ca. 2015) und auch die Aufnahme in unser wikifolio bisher durchaus gelohnt.

Ja, Tassal aus Tasmanien. Mein Vater hat sich damals auch für Tassal anstelle von „Bakka“ entschieden. Wir beobachten Tassal selbst regelmäßig, vor allem um sehen zu können wie sich Bakkafrost im Vergleich zur Konkurrenz schlägt. Und für uns ist „Bakka“ das bessere Investment im Bereich „Aquafarming“, aber jeder Value Investor hat ja bekanntlich seine eigene Meinung. 😉

Beste Grüße
Dani

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