Ausgabe #19: Welche Auswirkungen haben Zölle?

Burglengenfeld um 1900 (Quelle: commons.wikimedia.org)

 

In den letzten Wochen hat man immer wieder von einem drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China gehört. Donald Trump auf der einen und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping auf der anderen Seite haben sich gegenseitig Strafzölle angedroht bzw. teilweise Strafzölle verhängt.

Doch welche Auswirkungen haben denn Zölle eigentlich? Das sehen wir uns in diesem Artikel einmal genauer an.

 

Was sind Zölle?

 

„Zölle sind Abgaben, die beim unmittelbaren Eingang von Waren in den Wirtschaftskreislauf (Einfuhrzoll) oder beim Verlassen des Wirtschaftskreislaufs (Ausfuhrzoll) erhoben werden.“ (Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/zoll-49053)

In der aktuellen Diskussion sprechen Trump und Xi Jinping von Einfuhr- oder Importzöllen, d.h. von Abgaben, die erhoben werden, wenn Waren in ein Land importiert werden.

 

Auswirkungen

 

Welche Folgen haben nun solche Zölle?

„Wir sind aus pragmatischen Gründen gegen die Zölle. Sie funktionieren nicht.“ Das sind die Worte von ITIC-Präsident Dean Garfield (Zum US-Technologieverbands ITIC gehören führende US-Tech-Firmen wie Apple, Google, Amazon und Microsoft.). (Vgl. Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/apple-google-amazon-us-tech-giganten-stellen-sich-gegen-trumps-zoelle/21153698.html)

Doch warum sind viele (vielleicht auch fast alle), die etwas von Wirtschaft verstehen, gegen Zölle?

„Dass ein freier Handel für die Wirtschaft besser ist, als Importzölle zu erheben, ist vermutlich das einzige Thema, bei dem sich Ökonomen einig sind.“ (Vgl. Süddeutsche.de: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/podcast-das-thema-zoll-um-zoll-trump-und-china-im-handelsstreit-1.3940303)

Die Abgaben, die durch die Erhebung von Zöllen geleistet werden müssen, werden von den Konsumenten des Landes bezahlt, in das die Ware importiert wird.

 

Ein kleines Beispiel

 

Kreativ wie wir ja nunmal sind, nehmen wir Land A und Land B. Land A erhebt Importzölle. Firmen aus Land B möchten ihre Güter nach Land A exportieren. Die Güter aus Land B (Schokolade, sagen wir in Land B gibt’s nur Schokoladen-Produzenten.) kosten in Land A nun den Weltmarktpreis plus den Importzoll, den das Land A erhebt. Eine Tafel Schokolade kostet auf dem Weltmarkt 1 Euro. Land A erhebt einen Importzoll von 10 Cent. Somit kostet eine Tafel Schokolade aus Land B in Land A 1,10 €, d.h. es wird für die inländischen Konsumenten teurer eine Tafel Schokolade aus Land B zu kaufen. Damit sollen die inländischen Produzenten (Schoko-Produzenten in Land A) vor Konkurrenten aus dem Ausland (Schoko-Produzenten aus Land B) geschützt werden, da diese ebenfalls 1,10 für ihre Schokolade verlangen können ohne 10 Cent an den eigenen Staat abdrücken zu müssen. Die Zollabgaben, die die Bürger in Land A für Schokolade aus Land B bezahlen, bekommt der Staat A.

Klingt ja alles gut für Land A. Zölle erheben, einheimische Industrie schützen, Zolleinnahmen kassieren – alles tutti!

 

Aber!

 

(Vgl. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Importzoll)

 

Jup, wie ihr an der Grafik seht, wird’s jetzt theoretisch. Klären wir zunächst einmal die Grafik (aus Sicht von Land A):

 

S: Angebotskurve (Supply) in Land A

D: Nachfragekurve (Demand) in Land A

Y-Achse: Preis des Gutes (Schokolade)

X-Achse: Menge des Gutes (Schokolade)

Pw: Weltmarktpreis (für Schokolade)

Pi: Weltmarktpreis + Importzölle (1,10 € für eine Tafel Schokolade in Land A)

S1: Angebot von Schokolade (in Land A) ohne Zölle

S2: Angebot von Schokolade (in Land A) mit Zöllen

D1: Nachfrage nach Schokolade (in Land B) ohne Zölle

D2: Nachfrage nach Schokolade (in Land B) mit Zöllen

 

Was sieht man nun bei diesen zwei Szenarien (Zoll und ohne Zoll)?

Natürlich sinkt der Import von Schokolade aus Land B (Strecke zwischen S1 und D1 bzw. zwischen S2 und D2). Somit ist der erste Punkt für die Regierung von Land A schon mal eingetreten. Die einheimischen Produzenten werden geschützt.

 

 

Das „blaue Viereck“ zeigt die Zolleinnahmen von Land A. Diese gab es vor Erhebung der Importzölle natürlich auch nicht. Dieser positive Punkt für die Regierung von Land A ist somit auch eingetreten.

Aber jetzt wird deutlich, dass der Plan mit den Importzöllen vielleicht doch ein Fehler war, denn bei einem Preis von 1,10 Euro sinkt die Nachfrage nach Schokolade deutlich im Vergleich zur Situation ohne Zölle (Die Bürger von Land A konnten eine Tafel Schokolade für 1 € kaufen). Und dieser Effekt ist weitaus stärker als die anderen beiden Effekte (Stärkung der heimischen Schoko-Produzenten & zusätzliche Zolleinnahmen). Das heißt auch, dass die „Wohlfahrt“ des Landes insgesamt sinkt.

Jetzt kommt natürlich noch dazu, dass Land B darüber nicht erfreut ist. Deswegen verhängt Land B Zölle auf Brezen aus Land A. Natürlich schadet das auch Land B selbst (sinkende Wohlfahrt wie bei Land A), aber man will ja die Zölle aus Land A nicht unbeantwortet lassen. Somit haben dann nicht nur die Schoko-Produzenten aus Land B mit Zöllen zu kämpfen, sondern auch die Brezen-Bäcker aus Land A. Und das Spielchen könnte man noch ein bisschen weiterspielen: Zölle hier, Zölle da und so weiter und sofort …
Irgendwann ist es dann eine klassische Abwärtsspirale, die wirtschaftlich keinem so wirklich genutzt hat.

Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund warum eigentlich alle, die sich mit diesem Thema befassen, gegen Zölle und für Freihandel sind.

 

Aber jetzt könnte man fragen: „Was hat das für Auswirkungen für mich als Konsumenten?“

Es geht hier nicht nur darum, dass Freihandel für gute Unternehmen oder auch für Investoren besser ist. Es geht auch darum, dass durch Freihandel auch die Konsumenten profitieren. Herrscht Freihandel, gibt es mehr Konkurrenz. Dadurch setzen sich i.d.R. irgendwann die Unternehmen durch, die entweder das beste Produkt haben bzw. den günstigsten Preis anbieten können. Und das kommt den Konsumenten zu Gute.
Aber ich möchte trotzdem kurz anmerken, dass dies eine sehr allgemeine Aussage ist. Es kann natürlich Ausnahmen geben.

(Quelle: Giphy)

 

 

Das war jetzt ein ziemlich theoretischer Artikel, das ist mir klar. Aber ich hab VWL an der Uni studiert, was wollt ihr denn erwarten. Praktischer wird’s da eben nicht.

 

Und auch, wenn hier vieles reine Theorie ist und die Praxis oft ganz anders aussieht, bin ich trotzdem der Meinung, dass sich diesmal Theorie und Praxis nicht groß unterscheiden. Ich persönlich glaube, dass Strafzölle auch in der Realität Nachteile für so ziemlich alle Beteiligten mit sich bringen.

 

Nun seid ihr mal wieder gefragt: Wie steht ihr zu den Themen „Zölle“ und „Freihandel“? Wie wird es mit China und den USA weitergehen? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram.

 

Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Daniel „D!“ Bleicher

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Comments (2)

Hallo Daniel, erst einmal: Danke für diesen tollen Blog! Ihr macht das wirklich super hier. Nun zum Zoll… Globalisierung und Freihandel hören sich erst einmal immer toll für den Konsumenten an, aber wenn man sich dann mal mit den langfristigen Auswirkungen beschäftigt, dann sieht es nicht mehr so gut aus. Ich empfehle hier eine Reportage über Walmart oder Amazon. Billige Produkte sind immer toll, haben aber meist eine negative Auswirkung auf die lokale Wirtschaft. Denn die billigen Produkte kommen ja meist aus dem Ausland und werden dort unter ganz anderen Rahmenbedingungen produziert! Stichwort Arbeitsbedingungen und Lohn. Insofern müssten eigentlich für alle Produzenten die gleichen Voraussetzungen vorliegen um von einem gerechten Markt zu sprechen. Wie man das erreichen kann????? Beste Grüße, Michael

Hallo Michael,

zunächst einmal vielen Dank für die netten Worte und vor allem für deinen ausführlichen Kommentar!

Natürlich kann man dieses Thema nicht einfach in schwarz und weiß unterteilen. Es gibt viele Aspekte, die man berücksichtigen sollte und eine Lösung , die wirklich für jede einzelne Person einen Gewinn darstellt, wird es womöglich nie geben.
Du hast vollkommen Recht damit, dass es für einheimische Produzenten teilweise sehr schwierig (manchmal vielleicht auch unmöglich) ist auf dem Weltmarkt mit ihrem Produkten konkurrieren zu können (bzgl. Preis und/oder Qualität). Demgegenüber steht aber beispielsweise die Tatsache, dass sich (auch aufgrund von Globalisierung und Freihandel) der Anteil der Menschen, die von extremer Armut betroffen sind, von 44 % der Weltbevölkerung (knapp 2 Mrd. Menschen in 1981) auf ca. 10 % (ca. 700 Mio. in 2015) reduzierte. (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung – Globalisierung & Armut: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52680/armut)

Es ist und bleibt ein sehr schwieriges Thema. Wenn ich mir die möglichen Alternativen ansehe und mir zudem meine Gedanken darüber mache, was für die meisten Menschen einen Nutzen bringt, bin ich der Meinung, dass Freihandel und Globalisierung die bestmöglichen Lösungen sind, die uns in diesem Kontext zur Verfügung stehen. Dies ist jetzt aber auch nur meine persönliche Meinung.

Beste Grüße
Dani

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