Ausgabe #146: Inside Fever-Tree – Am Ende ergibt alles einen Gin

DSC04325 Fever Tree beverages” (CC BY-NC-ND 2.0) by godutchbaby


Wir hatten im Laufe der Zeit schon einige Spirituosenhersteller in unseren Inside-Analysen wie Diageo, Pernod Ricard und Brown-Forman. Heute geht’s um ein Unternehmen, welches zwar selbst keine Spirituosen herstellt, aber trotzdem sehr eng mit dieser Branche verbandelt ist. Einen guten Gin kann man auch pur genießen, aber in den meisten Fällen wird er doch gemischt getrunken. Der Klassiker ist hierbei natürlich der Gin Tonic. Und um die zweite Hälfte dieses Longdrinks geht es heute, denn wir werfen einen Blick auf die Tonic-Produzenten Fever-Tree.


Fevertree drinks plc

„If ¾ of your drink is the mixer, mix with the best.” Das ist der Slogan des 2004 in London von Charles Rolls und Tim Warrillow (CEO) gegründeten Getränkeherstellers. Man ist nach eigenen Angaben die weltweit führende Marke für Premium Mischgetränke (Premium Mixers). Um diese Position zu festigen legt Fever-Tree den Fokus vor allem auf die Qualität der verwendeten Zutaten: „We use only the highest quality ingredients in our products, sourced from around the world. In our efforts to source these ingredients we spend time with the growers to fully understand how local climates and growing techniques affect the ingredients and contribute to their flavour.“ (Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2020)
Auch die beiden Gründer waren selbst Teil des Teams, welches um die Welt gereist ist um die besten Zutaten zu finden. Durch diesen Qualitätsanspruch und die klare Positionierung im Premiumbereich setzt Fever-Tree auf den seit Jahren anhaltenden Trend der Premiumisierung (Premiumisation) bei alkoholischen Getränken. Wie auch Diageo und Pernod Ricard sieht Fever-Tree genau hier das Wachstum des Marktes für alkoholische Getränke – nur eben, dass Fever-Tree für den anderen Teil des Drinks verantwortlich ist. Und der eingangs erwähnte Slogan untermauert dies. Es wäre sehr schade, wenn man einen teuren Gin mit einem schlechten Tonic verunstaltet. Wer macht na a so an Schmarrn!? 😛

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How it all began (Quelle: YouTube)


Heute vertreibt Fever-Tree seine Produkte in über 75 Länder. 2020 wurden 370 Millionen Flaschen und 176 Millionen Dosen verkauft.

(Fever-Tree Überblick; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2020)


Zu den Produkten der Briten gehören:

  • Premium Indian Tonic: Das erste Tonic von Fever-Tree
  • Ginger Ales, Ginger Beers & Cola: Mischgetränke für dunkle Spirituosen wie Whisky, Bourbon und Rum sowie für Mule-Cocktails
  • Flavoured Tonics: Auswahl an unterschiedlichen Tonics um die wachsende Vielfalt an Gins besser abdecken zu können wie das Mediterranean Tonic Water
  • Lemonades: Zum Mischen mit Wodkas oder pur
  • Sodas: Für eine Vielzahl von Spirituosen von Wodkas und Gins bis hin zu Wermut und italienischen Likören
  • Refreshingly Light: Varianten von bestehenden Mischgetränken für gesundheitsbewusste Verbraucher

(Produkte von Fever-Tree; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/products)

Historie

2004

Fever-Tree wird von Charles Rolls und Tim Warrillow gegründet.

2005

Fever-Tree bringt sein erstes Produkt, das Indian Tonic Water, auf den Markt.

2007

Fever-Tree expandiert in die USA und Spanien.

2014

Der Börsengang von Fever-Tree erfolgt an der London Stock Exchange.

2020

Fever-Tree verkauft 370 Millionen Flaschen weltweit und übernimmt den deutschen Vertriebspartner Global Drinks Partnership (GDP).


Gegenwart

Im September hat Fever-Tree seinen Halbjahresbericht zum Geschäftsjahr 2021 veröffentlicht. Let’s have a look.

Der Umsatz konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um starke 36% auf 141,8 Mio. £ gesteigert werden. Das EBIT entwickelte sich ebenfalls hervorragend mit einer Steigerung von über 18% auf 25,3 Mio. £. Das entspricht somit einer EBIT-Marge von knapp 18%. Diese Entwicklung liest sich hervorragend, aber wir sollten die Zahlen etwas in Relation setzen, da Unternehmen, die in irgendeiner Form mit der Gastronomie (bspw. Zulieferer von Mischgetränken für Bars und Restaurants) zu tun haben, 2020 – aus bekannten Gründen – kein leichtes Jahr hatten. Dadurch könnte die Ausgangsbasis etwas „verzerrt“ sein und die Entwicklung positiver erscheinen als sie tatsächlich ist. Also wie lief’s 2020 für die Briten.
Der Jahresumsatz 2020 ging leicht zurück um 8,4 Mio. £ bzw. 3%. Das EBIT brach mit einem Rückgang von 20,9 Mio. £ bzw. 29% stärker ein. Die Pandemie hatte vor allem Auswirkungen auf die Profitabilität des Unternehmens, da der Bereich On-Trade (Bars, Restaurants, Hotels, …) stark eingebrochen ist. Daher vergleichen wir an dieser Stelle nochmal Umsatz & EBIT des ersten Halbjahres 2021 mit den ersten Halbjahren 2020 und 2019:

Umsatz H1 2021: +36% ggü. H1 2020 / +21% ggü. H1 2019
EBIT H1 2021: +18% ggü. H1 2020 / -27% ggü. H1 2019

Umsatztechnisch steht man hervorragend da, aber man hat noch nicht das Profitabilitätsniveau von 2019 erreichen können. Dass die Profitabilität noch nicht wieder auf Vor-Pandemie-Niveau angelangt ist, liegt aktuell aber nicht direkt an Corona – indirekt aber dann doch wieder. Fever-Tree kämpft mit den durch diverse Lockdowns gestörten Lieferketten, die die Transportkosten in die Höhe schnellen ließen. Zudem wirkt sich die 2020 getätigte Übernahme des deutschen Vertriebspartners Global Drinks Partnership (GDP) negativ auf die Margen aus. Die Übernahme dient dazu, die Präsenz vor allem in Deutschland zu stärken. Jedoch sind die Margen von GDP deutlich niedriger, weshalb sie insgesamt die Profitabilität von Fever-Tree drücken. Trotzdem kann man festhalten, dass sich Fever-Tree mit einer EBIT-Marge von derzeit knapp 18% in diesen unruhigen Zeiten ziemlich wacker schlägt.

(Entwicklung Bruttomarge 2021; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2021)


Im ersten Halbjahr 2021 waren die Bereiche UK On-Trade (Bars, Restaurants, Hotels, etc. in Großbritannien) für 11% und UK Off-Trade (Einzelhandel in Großbritannien) für 26% des Umsatzes verantwortlich. Somit wurde im Heimatmarkt 37% des Umsatzes erzielt. Dahinter folgt Europa mit 27%, die USA mit 26% und ROW (Rest of the World) mit 10%.
Dabei konnte man im ersten Halbjahr in den verschiedenen Märkten einige Erfolge erzielen. So wurde Fever-Tree die Nummer 2 der Tonic-Marken im Einzelhandel in den USA, die Nummer 1 Tonic-Marke in Kanada mit einem Marktanteil von 30% und expandierte nach Südkorea. Im Heimatmarkt Großbritannien konnte man die Marktführerschaft gegenüber der Konkurrenz ebenfalls ausbauen.

Generell kann man das gute erste Halbjahr dadurch begründen, dass sich die On-Trade-Umsätze langsam durch diverse Lockerungen erholt haben und trotzdem die Off-Trade-Erlöse konstant hoch blieben. Und natürlich profitiert Fever-Tree von der Premiumisierung (Premiumisation) im Bereich der alkoholischen Getränke und damit einhergehend dem stärkeren Verlangen nach hochwertigen Mischgetränke, die zu den Spirituosen passen und diese eben nicht verhunzen (= bayrisch für … verunstalten – aber mit mehr Nachdruck).

Ende Januar haben die Briten noch die vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2021 geliefert.

(Vorläufige Umsatzzahlen Fever-Tree 2021; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2021)


Insgesamt konnte man ein Umsatzwachstum von über 23% gegenüber 2020 erzielen. Vor allem Europa und die USA waren hier die Treiber. Dementsprechend wird man generell unabhängiger von Großbritannien.

Umsatzverteilung:

  1. UK mit 38% (2020: 41%)
  2. Europa mit 28% (2020: 26%)
  3. USA mit 25% (2020: 23%)
  4. Rest oft he Word mit 9% (2020: 10%)

Somit konnte der Trend aus dem ersten Halbjahr fortgesetzt werden. Die Off-Trade-Umsätze blieben weiterhin über dem Vor-Pandemie-Niveau, während sich die On-Trade-Umsätze durch eine generell entspanntere Corona-Situation weiter erholen konnten. Zudem gab es aus Sicht des Managements von Fever-Tree noch ein Highlight zum Jahresende: „[…] we became the number one Ginger Beer brand at retail in the US, as well as finishing the year as the number one Tonic brand at retail in the US, overtaking Schweppes for the first time in the four weeks to 1st January 2022.“ (Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2021)

Auch für 2022 erwartet Fever-Tree ein zweistelliges Umsatzwachstum, aber die Margen werden aufgrund von steigenden Kosten (Inflation) weiterhin unter Druck bleiben, weshalb das Management keine Profitabilitätssteigerung erwartet.


Kennzahlenanalyse

(eigene Berechnungen)


Die Kennzahlen können sich durchaus sehen lassen. Die Eigenkapitalquote lag in 2020 bei starken 85% und auch die Jahre zuvor bewegte sie sich immer um die 80%.
Ins gleiche Horn stößt der dynamische Verschuldungsgrad. Werte unter 100% bedeuten, dass Fever-Tree seine Schulden mit Hilfe des operativen Cashflows innerhalb nur eines Jahres zurückzahlen könnte, was für uns einen überragenden Wert darstellt.
„Trotz“ der hohen EK-Quote kann man auch in Sachen Eigenkapitalrendite nicht meckern. Zwar stehen in 2020 nur um die 17%, allerdings grätschte hier auch die Pandemie ganz schön dazwischen. Und trotz Pandemie schaffte es Fever-Tree rentabel zu bleiben. Die EBIT-Marge betrug in 2020 rund 20%, die Jahre zuvor war diese noch etwas höher. Man kann alles in allem festhalten, dass Fever-Tree gut durch die Pandemie kommt und das trotz oftmals geschlossener Restaurants und Kneipen.


Qualitative ANalyse

Fever-Tree hat ein wirklich leicht zu verstehendes Geschäftsmodell. Sie verkaufen Premium Mischgetränke wie beispielsweise Tonic Water oder Ginger Beer primär zum Mischen mit Spirituosen, aber auch für den Verzehr pur. Die Idee zum Produkt kam den Gründern als sie sich fragten: „Wenn drei Viertel deines Drinks aus dem Mischgetränk bestehen, sollte man es dann nicht auch mit dem Besten mischen?“ Dies wurde zum Slogan des Unternehmens und aus diesem Grund machten sich die Gründer auf die Suche nach hochwertigen Zutaten auf der ganzen Welt.
Heute besteht die Produktpalette aus diversen Tonic Waters (Premium Indian Tonic Water, Premium Dry Tonic Water, Mediterranean Tonic Water, Elderflower Tonic Water), Ginger Ale, Ginger Beer, das Sicilian Bitter Lemon, Premium Wild Berry und sogar Cola (Distillers Cola, Madagascan Cola).
Ein spannender Punkt des Geschäftsmodells ist, dass Fever-Tree dieses größtenteils outgesourced hat. Sie produzieren die Getränke nicht selbst, sondern liefern lediglich die Zutaten an die Abfüller. Auch die Logistik wird von externen Dienstleistern übernommen. Das hat den Vorteil, dass Fever-Tree kein eigenes kapitalintensives Produktions- und Vertriebsnetzwerk aufbauen muss. Andererseits ist man natürlich sehr stark von seinen Partnern abhängig. Die Hauptaufgaben des Unternehmens selbst sind die sogfältige Auswahl der passenden Zutaten, die Kreation von neuen Mischgetränken und das Marketing.

Das Thema Wettbewerbsvorteil ist schwierig zu bewerten. Eindeutig ist allerdings der Erfolg der Marke. So übernahm Fever-Tree im Dezember 2021 die Marktführung von Konkurrent Schweppes in den USA, wenn auch nur knapp – 26% Fever-Tree vs. 25% Schweppes.
Fever-Tree war Pionier im Bereich Premium Mixer und hat sich so von Anfang an ein einzigartiges Image mit klarem Fokus geschaffen. Es ist die Mischung aus verschiedenen Aspekten, die Fever-Tree zu etwas besonderem machen. Das Unternehmen bezieht qualitativ hochwertige Zutaten und versteht es seinen nachhaltigen und auf Premium ausgelegten Fokus auch zu promoten – durch TV-Werbung, Events oder Pop-Up Bars. Ja, man könnte mit den richtigen Zutaten die Getränke nachmixen, aber unserer Meinung nach ist Fever-Tree dabei erfolgreich ein eigenes Image aufzubauen. Man kauft nicht nur das Getränk, sondern ähnlich wie bei Red Bull oder früher noch stärker bei Coca-Cola ein Lebensgefühl. Deswegen würden wir bei Fever-Tree zwar derzeit noch nicht von einem klassischen Burggraben sprechen, aber ein kleiner Wettbewerbsvorteil sollte vorhanden sein.
Vielleicht sollten wir auch erwähnen, dass wir selbst große Gin-Fans sind und uns dazu das Tonic von Fever-Tree mit Abstand am besten schmeckt. Und wenn zwei Bayern aus dem Land des Bieres das sagen, muss das auch was wert sein. 😉

Laut Fever-Tree sieht es so aus, dass Spirituosen dem Bier immer mehr Marktanteile abnehmen. Dabei betrug das jährliche Marktwachstum von Bier von 2014 bis 2019 -1% währenddessen der Bereich Spirituosen im gleichen Zeitraum um zumindest 1% zulegen konnte.
Interessant ist aber insbesondere der bereits erwähnte Anteil von Premium Spirituosen, welcher deutlich stärker wächst.

(Anteil von Premium Spirituosen; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2020)


Fever-Tree weiß auch, dass Deutschland ein wichtiger Markt ist und hat das gleich in die Grafik mit aufgenommen. 😉 Aber Spaß beiseite, man sieht, dass in den letzten 10 Jahren die Premiumisierung weiter vorangeschritten ist.
Die Spirituosensegmente Premium und Super Premium+, in denen Fever-Tree unterwegs ist, wiesen das stärkste Wachstum auf.

(Spirituosenwachstum nach Kategorien; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/investors)


Dabei legte der Bereich Super Premium + in 2020 um 10,8% und Premium um 7,6% zu mit klar ansteigender Tendenz.
Für Fever-Tree ist in erste Linie die Entwicklung bei Gin interessant. Während der Gesamtmarkt für Gin laut Statista in 2021 noch 13 Mrd. US-$ betrug geht man in 2025 schon von über 19 Mrd. US-$ aus, was einem jährlichen Zuwachs von ca. 8% entspricht. Damit ist Gin innerhalb der Spirituosen eines der am stärksten wachsenden Segmente.
Und wem das noch nicht genug ist, der schaue sich bitte noch das Wachstum der Mischgetränke an:

(Wachstum (Premium) Mischgetränke & Fever-Tree; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2020)


Premium Mischgetränke hatten ein überdurchschnittliches Wachstum und Fever-Tree wuchs noch stärker.

CEO des Mischgetränke-Herstellers ist Tim Warrillow, der 2004 zusammen mit Charles Rolls das Unternehmen gründete. Die beiden waren damals unzufrieden mit der Art wie Mischgetränke eingesetzt wurden. Wenn das Mischgetränk sch&$% schmeckt, dann tut das auch der Longdrink. „“At that time, the world of mixology was coming to life,” Tim explains. “People were flocking to cocktail bars, and they were willing to spend money on new craft spirits. But when it came to mixers, the market was dominated by one large conglomerate and a handful of own-brand products. There was a focus on manufacturing efficiency, rather than on quality or flavour.”
Noch heute (Stand: 31.12.2020) halten sowohl Tim (4,70%) als auch Charles (5,12%) noch einen erheblichen Anteil der Aktien.

(Größte Anteilseigner; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2020)


Aber während Tim Warrillow noch CEO ist, hat sich Charles Rolls 2020 aus seiner Rolle als nicht geschäftsführendes Vorstandsmitglied zurückgezogen hat.


Konkurrenz- & Wettbewerbsanalyse

(eigene Berechnungen)


Allgemein kann man festhalten, dass Fever-Tree zwar in der Softdrink-Branche angesiedelt ist, aber seine Konkurrenten vor allem in der Nische der Mischgetränkemarke hat.
Pepsi ist das größte Unternehmen, welches wir hier betrachten, mit Marken wie eben der gleichnamigen Pepsi, Lipton, Sodastream oder 7Up.
Der nächste Gigant ist Coca-Cola mit Coca-Cola, Fanta, Schweppes (zumindest zu großen Teilen, dazu kommen wir noch), Sprite & Co.
Ebenfalls alteingesessen ist Keurig Dr. Pepper mit Marken wie Dr. Pepper, Schweppes (Geduld, wir kommen noch dazu), Snapple oder Evian.
Zu guter Letzt haben wir noch National Beverage mit LaCroix oder Everfresh.
Im Bereich Tonic Water tummeln sich einige Marken wovon viele privaten, nicht börsennotierten Firmen gehören. Dazu gehören unter anderem Fentimans und Thomas Henry. Der wohl größte Konkurrent ist jedoch Schweppes. Die Vertriebsrechte von Schweppes sind äußerst verzweigt. Einen Großteil der Vertriebsrechte besitzt Coca-Cola, dazu gehören Teile von Europa (z.B. Großbritannien, Slowenien & Kroatien). Frankreich, Spanien und Portugal werden von der japanischen Firma Suntory vertrieben. In Deutschland darf Krombacher ran und in den Vereinigten Staaten ist Keurig Dr. Pepper am Start. Die Liste geht noch ewig weiter, aber was wir eigentlich sagen wollen ist Folgendes:
Es ist kompliziert.

Charlie in “It’s always Sunny in Philadelphia” (Quelle: Giphy)


In seinem Heimatland bleibt Fever-Tree jedenfalls unangefochtener Spitzenreiter.

(Mischgetränke-Markt Großbritannien erstes Halbjahr 2021; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2021)


Im ersten Halbjahr 2021 konnte man 49% des Marktes für sich entscheiden, gefolgt von Schweppes (23%), Britvic (10%) und dem Rest (18%).

Für Europa haben die Briten auch eine interessante Grafik parat.

(Marktanteile im europäischen Einzelhandel; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/investors)


In Europa ohne Großbritannien kommt Fever-Tree auf einen Marktanteil von ca. 15% (links). Rechts sieht man, dass Fever-Tree allein für 29% des Marktwachstums von 2019 bis 2021 verantwortlich war.
Zudem gewinnt Fever-Tree in vielen europäischen Märkten signifikant Marktanteile hinzu.

(Marktanteilswachstum von Fever-Tree; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/investors)


Und in den USA hat Fever-Tree, wie schon erwähnt, zum ersten Mal Schweppes überholt.


Risiken

Fever-Tree hat erst einmal die gleichen Risiken wie die Hersteller von alkoholischen Getränken wie Diageo und Pernod Ricard. Das dürfte auch nicht sonderlich überraschen, da der Erfolg der Briten sehr stark vom Trend der Premiumisierung (Premiumisation) bei alkoholischen Getränken abhängt – kein Gin, kein Tonic. Man kann Tonic auch pur trinken haben wir gehört, aber warum sollte man? 😉 Aber zurück zum Wesentlichen:

  • Risiko Nr. 1: Die weitere Entwicklung der Pandemie kann negative Auswirkungen auf das On-Trade-Geschäft (Bars, Restaurants, …) haben.
  • Risiko Nr. 2: Es herrscht im Lebensmitteleinzelhandel ein harter Konkurrenzkampf um die Platzierung im Regal. Wenn die Marke Fever-Tree an Bedeutung bzw. Beliebtheit verliert oder neue Konkurrenten auftreten – bei einem wachsenden Markt nicht unüblich, dass mehr mitmischen wollen – verschärft sich dieser Konkurrenzkampf zusätzlich und kann die Margen drücken.

Ein zusätzliches Risiko ist das aktuelle Lieblingsthema der Finanzpresse: Inflation
Diese kann sich ebenfalls negativ auf die Margen der Briten auswirken, wenn das Unternehmen die Preissteigerungen nicht oder nur teilweise an die Kunden weitergeben kann. Fever-Tree hat in der Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse des Geschäftsjahres 2021 bereits angekündet, dass es aufgrund der steigenden Preise zumindest keine Margensteigerung erwartet. Eventuell führt es aber sogar dazu, dass die Profitabilität sinkt. Man sollte die Entwicklung zumindest mit einem Auge beobachten.

Außerdem haben wir gerne eine gewisse Diversifikation bei den Umsätzen eines Unternehmens. Hier ist Fever-Tree eher mäßig aufgestellt. Zum einen ist man mit einem Umsatzanteil des Heimatmarktes von knapp 40% geographisch noch ziemlich stark auf Großbritannien fokussiert – aber durch das starke Wachstum in den USA und Europa ist man hier auf einem guten Weg. Zum anderen sind die drei größten Kunden von Fever-Tree für ca. 23% des Umsatzes verantwortlich.

(Umsatzanteil der größten Kunden von Fever-Tree; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2020)


Das ist zwar noch nicht so extrem wie bspw. bei Brown-Forman (die beiden größten Kunden sind für 32% des Nettoumsatzes verantwortlich), hier hat Fever-Tree aber zumindest noch Luft nach oben. Eine große Abhängigkeit von einem/wenigen Kunden bedeutet entsprechend weniger Verhandlungsspielraum, was sich wiederum negativ auf die Profitabilität auswirken kann.

Und zu guter Letzt noch ein eigentlich ganz offensichtliches Risiko. Sollte der Trend der Premiumisierung (Premiumisation) bei alkoholischen Getränken abreißen, dann hat Fever-Tree ein großes Problem. Derzeit deutet darauf zwar nichts hin, aber man sollte es im Hinterkopf behalten.


Bewertung

Wir gehen von einer langfristigen Wachstumsrate der Owner Earnings von 4,0% aus. Diese setzt sich aus einer Inflationsrate von 2,0% und einem angenommen organischen Wachstum von 2,0% zusammen.

Bei aktuellen Owner Earnings von -34 Mio. € (2020) ergeben sich folgende Werte:

Fairer Wert: 11 €

10% Sicherheitsmarge: 10 €

20% Sicherheitsmarge: 9 €

30% Sicherheitsmarge: 8 €

40% Sicherheitsmarge: 7 €

Buchwert: 2 €

Derzeitiger Aktienkurs (31.01.2022): 25 €

Die Erklärung unserer Unternehmensbewertung findet ihr in Ausgabe #11.


Fazit


Schon Peter Lynch war ein großer Verfechter des „Invest-in-what-you-know“-Ansatzes. Wir haben ein Faible für hochwertige Spirituosen, vor allem Scotch und eben Gin. Nicht umsonst haben wir schon so viele Spirituosenhersteller auf dem Bavarian Value Blog analysiert – Circle of Competence und so. 😉 Und für einen gepflegten Gin Tonic greifen wir am liebsten auf das Tonic von Fever-Tree zurück. Wir können relativ gut einschätzen, dass die Briten ein wirklich gutes Produkt haben. Das sehen wohl auch andere, denn die Marktanteile der Briten steigen kontinuierlich. Und der anhaltende Trend zur Premiumisierung im Bereich der alkoholischen Getränke lässt uns zu der Einschätzung kommen, dass das Wachstum auch noch längere Zeit anhalten wird. Fever-Tree zeigt, dass es auch neben den viel diskutierten Tech-Werten Unternehmen mit sehr positiven Wachstumsaussichten gibt. Dass die beiden Gründer ebenfalls noch einen signifikanten Aktienanteil haben und einer von beiden sogar noch CEO ist, ist ein weiterer Pluspunkt. Natürlich hat auch Fever-Tree branchen- & unternehmensspezifische Risiken wie bspw. die weitere Entwicklung der Pandemie (branchenspezifisch) oder auch die Tatsache, dass drei Kunden für ca. 23% des Umsatzes verantwortlich sind (unternehmensspezifisch). Trotzdem gefällt uns das Chancen-Risiko-Profil des Unternehmens sehr gut, weshalb die Briten sehr weit oben auf unserer Watchlist sind. Wenn dann noch der Preis mitspielen würde, dann wäre … aber wie sagte schon der bekannte Philosoph Lothar Matthäus: „Wäre, wäre, Fahrradkette.“


Jetzt seid ihr wieder gefragt: Kennt ihr Fever-Tree? Wusstet ihr, dass das Unternehmen börsennotiert ist? Mit was trinkt ihr euren Gin Tonic? Schreibt uns eure Meinung! Gerne könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren!


Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft


Andreas & Daniel


Weitere Quellen

Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/about-us
Fever-Tree: https://fever-tree.com/index.php/en_US/our-history
Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2021
Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/results-and-reports-2020
Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/investors-year-in-review-2018
This is Money: https://www.thisismoney.co.uk/money/markets/article-10408409/Fever-Tree-overtakes-Schweppes-Americas-leading-tonic-water-brand.html
Essential Surrey & SW London: https://www.essentialsurrey.co.uk/food-drink/fever-tree-co-founder-tim-warrillow-shares-his-journey/
Businesswire: https://www.businesswire.com/news/home/20191105005696/en/Tonic-Water-Market-2019-2023-Evolving-Opportunities-with-FENTIMANS-and-Fever-Tree-Technavio
Statista: https://www.statista.com/forecasts/1137334/global-gin-market-size


Disclaimer


Hinweis nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

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Comments (3)

Hallo ihr zwei vielen dank für die Infos es ist mega was ihr macht 🙂

Was denkt ihr zurzeit zu diese Aktie die Bewertung müsste ja auf jeden fall anders ausfallen bei dieser Inflation.

LG Jakob aus Regensburg 😉

Hallo Jakob,

Dankeschön, das freut uns immer zu hören. 🙂
Wir finden die Aktie nach wie vor sehr interessant und haben sie auch immer noch genau im Auge auf unserer Watchlist. Mit der Anpassung von Annahmen sind wir immer etwas vorsichtig und aktualisieren bei Bedarf von Zeit zu Zeit, aber an der Bewertung von damals hat sich bei uns erstmal nix geändert. Da wir langfristig denken schaun mer mal was sich beim nächsten Annual Report tut bzw. dann getan hat. 😉

Beste Grüße
Andi

Wie es der Zufall so will: “Tonic maker Fevertree cuts profit forecast, shares plunge 30%” (https://www.reuters.com/business/tonic-maker-fevertree-cuts-profit-forecast-cost-pressures-increase-2022-07-15/)

Solche Infos fließen dann auch mal kurzfristig in unsere Bewertungen ein, sprich wir korrigieren hier auch unsere Gewinnschätzung für das aktuelle Geschäftsjahr nach unten.

Beste Grüße
Dani

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