Ausgabe #50: Inside Diageo – Sind Whisky und Bier eine gute Investition?

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Bild von Bru-nO (Quelle: Pixabay)


Das berühmte irische Bier Guinness dürfte wohl jedem ein Begriff sein. Die Brauerei wurde 1759 in Dublin gegründet und ist immer noch DAS Bier aus Irland. Wenn wir schon einmal auf den britischen Inseln sind gehört zweifelsohne auch Whisky (Unterscheidung zwischen Whisky und Whiskey: Der Schottische wird „Whisky“ geschrieben, irische und amerikanische Sorten werden als „Whiskey“ bezeichnet.) zur dortigen Trinkkultur dazu. Ob Singleton, Talisker, Lagavulin, Oban oder Johnnie Walker – das Angebot ist vielfältig. Kennt ihr Baileys und Captain Morgan (der Rum mit der eingängigen Piraten-Werbung)? Es gibt eine Sache, die alle diese Marken gemeinsam haben. Sie gehören unter das Dach eines einzigen Unternehmens, und zwar unter das des britischen Unternehmens Diageo. Also hoch die Gläser, denn wir schauen uns diesen Konzern jetzt ganz genau an!

Bart Simpson & Nelson (Quelle: Giphy)

Diageo plc

Diageo ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich „alkoholische Getränke“ aus Großbritannien. Dabei gehören dem Unternehmen über 200 Marken. Für den britischen Konzern arbeiten weltweit mehr als 30.000 Menschen.
Die Struktur von Diageo ist sehr logisch aufgebaut. Es wird unterteilt in Regionen, namentlich Nordamerika, Europa & Türkei, Afrika, Lateinamerika & Karibik sowie Asien & Pazifik.

Segmentübersicht_nach_Regionen_Diageo
(Regionsübersicht Diageo; Quelle: Diageo Strategic Report 2018)

Historie

1759

Arthur Guinness schließt einen 9000-jährigen Mietvertrag für eine ungenutzte Einrichtung in Dublin ab und fängt an Bier zu brauen.

1997

Das Unternehmen Diageo wird gegründet aus einem Zusammenschluss von Guinness und Grand Metropolitan. Aktien von Diageo sind das erste Mal an der Börse handelbar.

2000

Das Unternehmen verkauft seine Essenssparte bestehend aus Burger King und Pillsbury um sich auf Getränke zu fokussieren.

2001

Diageo kauft Anteile von Seagram Spirits, darunter die bekannte Marke Captain Morgan.

2011

Diageo kauft das große türkische Spirituosen-Unternehmen Mey Icki für 2,1 Mrd. $.

2012

Ein großes, 5-jähriges Investitionsprogramm im Umfang von 1,0 Mrd. Pfund wird beschlossen um die Scotch Whisky Produktion auszubauen.

2013

Diageo wird größter Anteilseigner der indischen United Spirits Limited.

2017

George Clooneys High End Tequila Marke Casamigos wird für bis zu 1 Mrd. $ gekauft.

(Quellen: Diageo: https://www.diageo.com/en/our-business/our-history/, Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Diageo)


Gegenwart

Vor kurzem (31.01.2019) veröffentliche Diageo die Halbjahresergebnisse, welche ziemlich erfreulich ausfielen. So konnte u. a. der Nettoumsatz um 5,8% auf 6,9 Mrd. £ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesteigert werden. (Vgl. Diageo: 2019 Interim Results Investor Presentation)

Außerdem verkaufte Diageo – noch im Jahr 2018 – 19 seiner Marken an den US-Konzern Sazerac (Southern Comfort). Hierbei handelte es sich um Marken im unteren Preissegment, wie Seagram’s VO Whiskey, Myers’s Rum, Romana Sambuca und Popov Vodka, welche Diageo für 550 Mio $ an Sazerac veräußerte. Mit diesem Schachzug möchte sich Diageo weiter auf seine Marken im Premiumsegment fokussieren. (Vgl. BBC: https://www.bbc.com/news/business-46177870)

Diageo CEO Ivan Menezes kommentierte diesen Deal wie folgt: “Diageo has a clear strategy to deliver consistent efficient growth and value creation for our shareholders. This includes a disciplined approach to allocating resources and capital to ensure we maximise returns over time. […] The disposal of these brands enables us to have even greater focus on the faster growing premium and above brands in the US spirits portfolio.” (Vgl. Diageo: https://www.diageo.com/en/news-and-media/press-releases/diageo-sells-portfolio-of-brands-to-sazerac/)

Aber auch Diageo hat mit den weltpolitischen Unsicherheiten der heutigen Zeit zu kämpfen. Wie bei jedem britischen Unternehmen hängt auch hier das omnipräsente Damoklesschwert des Brexits über dem Unternehmenserfolg.
Ob nun ein Deal erzielt wird oder nicht, kann derzeit keiner mit Gewissheit sagen. Jedoch gehen CEO Ivan Menezes und auch sein Kollege David Cutter (President of Global Supply and Procurement) davon aus, dass Diageo bei keinem der möglichen Szenarien einen größeren Schaden davonträgt. (Vgl. Whiskyexperts: https://whiskyexperts.net/diageo-brexit-wird-fuer-uns-keine-wesentlichen-auswirkungen-haben/)

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Bill Murray in „Lost in Translation“ (Quelle: Giphy)

Kennzahlenanalyse

Diageo_Kennzahlenanalyse_2019


Fangen wir mit dem Positivsten an. Die EK-Rendite von Diageo ist mit durchschnittlich über 23% in den letzten drei Jahren wirklich sehr gut, auch in Anbetracht einer soliden EK-Quote von ca. 40%. Die EBIT-Marge steigt seit einiger Zeit an, was darauf schließen lässt, dass Diageo bemüht ist profitabler zu arbeiten. Die operative Cashflow-Marge befindet sich seit Jahren auf einem guten Niveau. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Diageo gute fundamentale Zahlen aufweist und gut wirtschaftet.


Qualitative Analyse

Diageo ist einer der weltweit führenden Produzenten alkoholischer Getränke. Die Briten haben sich hierbei vor allem auf hochprozentige Spirituosen und Bier spezialisiert. Über 200 verschiedene Marken werden an 150 Standorten hergestellt und in 180 Länder vertrieben.

Auf dem weltweiten Spirituosenmarkt fokussiert sich das britische Unternehmen auf das Premiumsegment in Industrie- und Schwellenländern. Neben Spirituosen ist Bier ein weiterer wichtiger Eckpfeiler des Alkohol-Giganten. Bier ist nach Scotch Whisky sogar das zweitgrößte Unternehmenssegment. Und wer kann schon zu einem frischen Guinness oder einem Gläschen Oban (Scotch Whisky) nein sagen?  (Vgl. Diageo: https://www.diageo.com/en/our-business/)

Der globale Spirituosenmarkt weist laut Diageo ein nachhaltiges und langfristiges Wachstum auf. Dieses Wachstum geht vor allem auf die wachsende Weltbevölkerung und die steigenden Einkommen zurück. Dies wird vom Marktforschungsinstitut Inkwood Research bestätigt. Inkwood rechnet mit einem jährlichen Marktwachstum von 3,36% bis zum Jahr 2026. Treibende Faktoren für diese Entwicklung sind u. a. die zunehmende Urbanisierung, der Anstieg des verfügbaren Einkommens, der Anstieg des Onlinehandels und die steigende Nachfrage nach Premium Wodka und Whisky.

Mit über 200 Marken hat Diageo ein wirklich breites Produktportfolio. Dieses teilt das Unternehmen in drei Kategorien ein: Global Giants, Local Stars und Reserve.
Die Global Giants sind, wie es der Name schon andeutet, die weltweit bekannten Marken. In diese Kategorie fallen 6 Marken, welche 2018 für 41% des Nettoumsatzes verantwortlichen waren: Johnnie Walker, Smirnoff, Captain Morgan, Tanqueray, Baileys und Guinness.
Local Stars sind kleine lokale Marken. Das starkwachsende Reserve-Segment umfasst die Highend-Produkte von Diageo.

Laut Brand Finance gehören mit Johnnie Walker (Platz 4), Smirnoff (Platz 8), Captain Morgan (Platz 20), Baileys (Platz 28) und Tanqueray (Platz 37) alle Spirituosen der Global Giants zu den 50 wertvollsten Spirituosenmarken 2018. Guinness belegt Platz 10 der weltweit wertvollsten Biermarken 2018. Diese Markenstärke ist sehr gut für das Unternehmen, jedoch hat Diageo auch alle Hände damit zu tun seine Marktposition in diesem umkämpften Markt zu behaupten.

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Will Ferrell als Ron Burgundy in „Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy“ (Quelle: Giphy)


CEO Ivan Menezes, welcher auch im Vorstand des amerikanischen Luxusunternehmens Tapestry, Inc. sitzt, besitzt über 1 Million Diageo-Aktien, welche derzeit einen Gesamtwert von ca. 37,4 Mio. US-$ haben. (Vgl. MarketScreener: https://www.marketscreener.com/business-leaders/Ivan-Menezes-3725/biography/) Somit sollte Herr Menezes durchaus Interesse an einer aktionärsfreundlichen Unternehmenspolitik haben. Die Dividendenpolitik sowie das aktuelle Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 2 Mrd. £ bestätigen diese Einschätzung. 2018 zahlte das Unternehmen eine Dividende von 65,30 Pence (gesplittet auf zwei Ausschüttungen), was zum Jahresendkurs von 2018 eine Dividendenrendite von knapp über 2% ergibt. Somit schüttet Diageo seit 1998 beständig eine Dividende aus, welche auch kontinuierlich gesteigert wurde.


Konkurrenz- & Wettbewerbsanalyse

Diageo_Konkurrenzanalyse_2019


Auf den Spirituosenmarkt bezogen ist Diageo das größte Unternehmen gemessen am Umsatz. Eine besondere Stellung hier nimmt AB InBev ein, dass sich hauptsächlich auf Bier konzentriert. Da dieses Segment auch ein wichtiger Eckpfeiler von Diageo ist, darf der größte Brauereibetreiber natürlich nicht fehlen.
Die Eigenkapitalquote von Diageo ist im Vergleich durchschnittlich, die kleineren Unternehmen wie Pernod Ricard und Co. haben allesamt eine höhere EK-Quote. Die EK-Rendite ist wirklich sehr gut, nur Brown-Forman bietet hier eine höhere Rendite.


Rein nach Marken sieht man sehr schön, dass Diageo einen großen Posten einnimmt vor allen anderen. Diageo besitzt allein auf dem Whisky-Markt einen Anteil von satten 36,3%. (Vgl. WhiskyInvestDirect: https://www.whiskyinvestdirect.com/about-whisky/top-15-scotch-whisky-companies)

Damit hat Diageo weltweit eine sehr gute Stellung und baut diese mit Investitionen immer weiter aus. Es darf an dieser Stelle natürlich nicht verschwiegen werden, dass die Konkurrenz enorm ist und der Preisdruck dementsprechend auch.

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(Wertvollsten Spirituosenmarken weltweit 2018; Quelle: Brand Finance: http://brandirectory.com/league_tables/table/spirits-50-2018)

Bewertung

Wir gehen von einer langfristigen Wachstumsrate der Owner Earnings von 2,5% aus. Diese setzt sich aus einer Inflationsrate von 1% und einem angenommen organischen Wachstum von 1,5% zusammen.

Bei aktuellen Owner Earnings von 2.714 Mio. £ (2018) ergeben sich folgende Werte:

Fairer Wert:                                                      28 €

10% Sicherheitsmarge:                              25 €

20% Sicherheitsmarge:                              22 €

30% Sicherheitsmarge:                              20 €

40% Sicherheitsmarge:                              17 €

Buchwert:                                                         5 €

Derzeitiger Aktienkurs (12.02.2019):     34 €

Die Erklärung unserer Unternehmensbewertung findet ihr in Ausgabe #11.


Fazit

Diageo_SWOT_2019


In den unruhigen Zeiten des Brexits stehen viele Anleger britischen Unternehmen mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Keiner weiß so genau wie es wirtschaftlich weitergehen wird mit unseren teetrinkenden Nachbarn.
Und trotzdem ist Diageo ein Unternehmen mit tollen (und teilweise auch sehr leckeren) Marken, das von einem Management geführt wird, welches einen großen Wert auf den „Shareholdervalue“ legt. Auch wenn es in kurz- oder sogar mittelfristig bei den Briten turbulent werden könnte, sollte Diageo ein Unternehmen sein, dass seine Investoren langfristig nicht nur mit hochprozentigem Alkohol erfreut.

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Leonardo DiCaprio in „The Great Gatsby“ (Quelle: Giphy)


Jetzt seid ihr wieder gefragt: Was haltet ihr von Diageo? Schreibt uns eure Meinung! Gerne könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Circle anschließen.


Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 


Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft


Andreas & Daniel


Disclaimer


Hinweis nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

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Comments (5)

Hallo Leute, das ist ein super Bericht! Vielen Dank dafür und weiter so! Beste Grüße, Michael

PS. Zum Dank direkt 10x adsense geklickt 🙂

Wir geben unser Bestes! 🙂
Und vielen Dank für die Unterstützung – auch monetär! 😉

Dankeschön, das hört man gern! 🙂

Excellenter Artikel, ich wünschte davon würde es mehr in der deutschen Finanzbloggerszene geben! Bravo!
Ich selber besitze Diageo-Aktien, ich würde gerne nachkaufen, aber sie sind nicht ganz billig im Moment, vielleicht kommt es im Rahmen eines ungeregelten Brexit’s noch zu etwas tieferen Kursen.

Dankeschön! 🙂
Wir haben Diageo leider nicht im Portfolio und warten deswegen schon seit längerer Zeit auf günstige Einstiegspreise. Schauen wir mal was die Kurse in den nächsten Monaten so machen. Der Brexit könnte hier sicherlich noch einiges durcheinanderwirbeln.

Bayrische Grüße
Dani

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