Ausgabe #104: Games Workshop Group – Value-Perle oder doch nur was für Nerds?

(Ardfern, Games Workshop, Castle Court, Belfast, January 2011, CC BY-SA 3.0)


Ende März durften wir in unserem wikifolio mal wieder einen Neuzugang präsentieren. Es handelt sich um Games Workshop Group und ich möchte euch in Form einer kurzen Analyse gerne erläutern, was das Unternehmen so besonders für mich macht.


Games Workshop Group – Kurzportrait 

Das Unternehmen wurde 1975 in London gegründet. Zu den Anfangszeiten hat Games Workshop Brettspiele aus den USA importiert und auf dem europäischen Markt verkauft. Sie waren auch die ersten, die das in den USA schon lange populäre Pen-&-Paper-Spiel Dungeons and Dragons bei uns überhaupt erst bekannt gemacht haben. Für alle Nicht-Nerds oder solche die es noch werden wollen: Dabei handelt es sich wie der Name schon vermuten lässt um ein Spiel, dass anfangs nur so konzipiert war, um es mit Stift und Papier zu spielen. Man erfindet fiktive Rollenspielcharaktere und begibt sich dann auf ein Abenteuer. Wie World of Warcraft in der analogen Welt. 😉
1978 kam dann das erste Ladengeschäft dazu. Das Besondere daran ist bis heute, dass das nicht „nur“ irgendwelche Läden sind, sondern ein Treffpunkt für Spieler, die sich über ihr Hobby austauschen können. Heute umfasst die Produktpalette neben den klassischen Rollenspielen vor allem sogenannte Tabletop-Spiele. Damit bezeichnet man ein Strategiespiel bei dem Miniaturfiguren, welche oftmals auch selbst bemalt werden, auf einer eigens mit Geländestücken verzierten Spielfläche gespielt werden.
Neben der bekannten Marke Warhammer, hat Games Workshop auch beispielsweise die Lizenz für „der Herr der Ringe“ und entwickelt und produziert für diese Marken Miniaturfiguren und Spiele.
Das Geschäftsmodell unterteilt sich in 3 Segmente:

  • Trade: Verkauf von allen Games-Workshop-Produkten und Lizenzen (z.B. für Videospiele) an andere Anbieter, wie Spieleläden oder Online-Shops
  • Retail: Das Herzstück mit den eigenen Läden vor Ort – hier wird der meiste Umsatz gemacht und die neuesten Miniaturfiguren und Zubehör verkauft.
  • Online: Online-Verkauf aller Figuren und Zubehör über das Web

Das Geschäftsmodell ist wirklich einzigartig, aber dazu später mehr.


Nur etwas für Nerds?

Von wegen, die Zahlen haben es wirklich in sich. Im ersten Halbjahr für das Geschäftsjahr 2019 konnte der Umsatz von 125 Mio. britische Pfund um 18% auf 148 Mio. £-Pfund gesteigert werden. Das EBIT stieg in dem Zeitraum von 41 Mio. £-Pfund auf 59 Mio. £-Pfund. Das entspricht einer sagenhaften EBIT-Marge von knapp 40%. Auch der Gewinn legte im betrachteten Zeitraum von knapp 32 Mio. £-Pfund auf 47 Mio. £-Pfund zu.

(Umsatzanteile nach Segmenten, Vgl. Games Workshop Group Half Year Report 2019)


Den größten Anteil mit über 50% Umsatzanteil nahm das Segment Trade ein. In der heutigen Zeit erstaunlich finde ich, dass mit knapp 45 Mio. £-Pfund Umsatz knapp ein Drittel in den eigenen Geschäften gemacht wird und damit doppelt so viel wie im Online-Shop. Das spricht für eine hohe Fanbase vor Ort und dafür, dass das Konzept des Treffpunkts wirklich auch aufgeht.
Damit einhergehend kann sich auch die EK-Quote mit rund 65% mehr als sehen lassen und lässt Games Workshop wohl auch in Krisenzeiten sicherer dastehen.


Value-Perle?

Games Workshop ist eines dieser Unternehmen, welches ich als absolute Perle bezeichnen würde. Und „Schuld“ daran ist mitunter das Geschäftsmodell. Das Unternehmen operiert in einer absoluten Nische, in der es aber wirklich Weltklasse ist.
„Games Workshop doesn’t just sell products. It sells experiences. It sells passion for a game, which its customers love. With many high street businesses going to the wall, Games Workshop has gone from strength to strength because its moat allowed the business to grow without any competition.” Vgl. (Fool.com https://www.fool.co.uk/investing/2020/02/11/if-you-bought-5000-of-games-workshop-in-2016-heres-what-you-would-have-today/)
Games Workshop verkauft nicht nur Produkte, sondern Erlebnisse. Die Produkte sind relativ günstig in der Herstellung, werden aber zu teils hohen Preisen verkauft. Das liegt auch an der Liebe zum Detail. Da viele Figuren auch noch selbst von den Kunden bemalt werden, entsteht eine noch engere Bindung an das Produkt als bei vielen anderen Sammel-Hobbies.

(Fans nach dem Bemalen und Basteln; Vgl. Warhammer Community: https://www.warhammer-community.com/2017/06/19/celebrating-release-day-in-style/)        


„This is why we are cost conscious. We don’t spend money on things we don’t need, like expensive offices or prime rent shopping locations or advertising that speaks to the mass market and not our small band of loyal followers. We only invest where it makes a positive improvement to our business model, such as in tooling to make better plastic miniatures, in opening more Games Workshop stores to improve our customer service and in fit-for-purpose systems to make our processes more efficient and reliable.
And when we make an investment, we measure its impact to ensure that it delivers an improved return on capital for our owners.” (Vgl. Games Workshop Group: https://investor.games-workshop.com/our-business-model/)

Die eigene Seite über das Geschäftsmodell strotzt nur so von Dingen, die ich in einem Investment sehen will. Sie geben nur Geld für Sachen aus, welche die Qualität verbessern. Sie denken an den Shareholder Value und haben in ihrer Nische keine vergleichbare Konkurrenz und einen tiefen Burggraben. Dazu stimmen auch noch die Fundamentaldaten und ich verstehe das Produkt. Außerdem geben sie an die Shareholder nur “truly surplus cash”, also Geld, welches wirklich übrigbleibt nach Abzug aller operativen Kosten. Erinnert mich ein wenig an Owner Earnings. Value-Herz was willst du mehr? Kleine Abstriche gibt es wie bei so vielen Unternehmen derzeit aufgrund der Corona-Krise, da auch die Geschäfte von Games Workshop geschlossen sind. Aber eine solch passionierte Community wird das Unternehmen nicht hängen lassen. Nerds sind eine sehr loyale Kundengruppe und da sprechen wir auch durch unsere Comic-Leidenschaft aus Erfahrung. 😉

Auf dem hauseigenen YouTube-Kanal Warhammer TV könnt ihr euch selbst überzeugen mit welcher Leidenschaft alle dabei sind. Von Mal-Tutorials, über Podcasts bis hin zu Neuankündigungen ist alles mit dabei.

(Quelle: YouTube)


Es freut mich als Value Investor einfach, dass bei einem Unternehmen sehr vieles passt. Games Workshop Group hat sich seinen Platz in unserem wikifolio redlich verdient und bringt sehr gute Voraussetzungen für ein langfristiges Investment mit.


Kanntet ihr Games Workshop vorher schon? Seht ihr den Burggraben auch so wie ich? Schreibt mir, kommentiert und diskutiert, auch gerne über Facebook und Instagram! Gerne könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren!


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Andi


Weitere Quellen

Games Workshop Group: https://investor.games-workshop.com/annual-reports-and-half-year-results/
Games Workshop: https://www.games-workshop.com/de-DE/Ziel
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Games_Workshop


Disclaimer


Hinweis nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

Verwandte Beiträge

Leave a comment