Ausgabe #38: Am besten mit Krokodilen – Quality Investing und Burggräben

Bild von Adam Jones (Quelle: Flickr)

 

It’s far better to buy a wonderful business at a fair price than a fair business at a wonderful price.” – Warren Buffett

 

Quality Investing ist – wie meiner Meinung nach auch Growth Investing – eine Unterform des Value Investings. Da es heutzutage nicht mehr so viele Deep-Value-Aktien wie zu Graham’s Zeiten gibt, mussten sich auch die Value Investoren weiterentwickeln. Und so wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Investoren wie Phil Fisher und Charlie Munger, welcher letztendlich auch den ursprünglich andersdenkenden Graham-Jünger und Schnäppchen-Jäger Warren Buffett überzeugte, begriffen schnell, dass der Preis nicht alles ist. Sie nahmen es in Kauf für herausragende Unternehmen auch etwas mehr zu bezahlen. Ihr Fokus lag, anders als bei Benjamin Graham und dem sogenannten Deep Value Investing, nicht auf dem Preis der Aktie, sondern auf der Qualität des Unternehmens. Und so entstand der Quality Investing Ansatz, sprich Value Investing 2.0. Anhand der Zitate von Buffett und vieler seiner letzten Investitionen (Apple) sieht man deutlich, dass auch das Orakel aus Omaha über die Jahre hinweg eine Entwicklung hin zum Quality Investing durchgemacht hat.

Aber trotzdem sollte man sich nicht an Begriffen aufhängen, da ich auch hier der Überzeugung bin, dass diese „Stilrichtungen“ immer noch zur Familie des Value Investings gehören.

 

Was zeichnet ein Qualitätsunternehmen aus? – Der Burggraben

 

Wenn man sich auf Qualitätsunternehmen fokussieren möchte, stellt sich eine essentielle Frage: Wie findet man solche Qualitätsunternehmen?

Die Antwort hierauf liefert einmal mehr Herr Buffett persönlich auf seine unnachahmliche Art und Weise:

„But all the time, if you’ve got a wonderful castle, there are people out there who are going to try and attack it, and take it away from you. And I want a castle that I can understand, but I want a castle with a moat around it.“

Man sucht einen ökonomischen Burggraben (Economic Moat). Als Burggräben werden nachhaltige Wettbewerbsvorteile bezeichnet, welche das Unternehmen langfristig vor den „Attacken“ der Mitwettbewerber schützen. Das Unternehmen ist somit die Burg und zum Schutz der Burg gibt es verschiedene Arten von Burggräben. Wie im Mittelalter gilt auch hier:

Je breiter und tiefer der Burggraben, desto unüberwindbarer ist er. Und ganz ehrlich: Ein paar Krokodile schaden sicherlich auch nicht!

 

Peter Pan (Quelle: Clevver)

 

Wie sehen Burggräben aus?

 

Ein Unternehmen kann auf unterschiedliche Art und Weise einen Burggraben besitzen. Nachfolgend stelle euch die Top 3 der „Bavarian Value Lieblingsburggräben“ vor:

 

Eine starke Marke

 

Von einer starken Marke (Brand) kann jedes Unternehmen profitieren: Starbucks, Disney, Apple, McDonald’s und Coca-Cola

All diese Unternehmen haben eins gemeinsam: Ihre Marken sind weltweit bekannt. Und durch die bekannten und beliebten Marken sind diese Unternehmen in der Lage höhere Preise zu verlangen, da die Kunden bereit sind für das Markenprodukt eben diesen Preis zu bezahlen. Auch wenn sich das Produkt womöglich kaum von den Produkten der Konkurrenz unterscheidet, sind diese Unternehmen viel profitabler, weil sie durch ihre bekannten Marken eine gewisse Preissetzungsmacht innehaben.

Somit sind diese Unternehmen für uns Investoren natürlich sehr interessant, da sie einen Burggraben mit ein paar gefährlichen Tierchen drinnen besitzen.

 

Laut Forbes sind dies die derzeit wertvollsten Marken der Welt:

 

(Quelle: Forbes: https://www.forbes.com/powerful-brands/list/)

 

Generell eignen sich Brand Finance und RankingTheBrands.com hierfür sehr gut zur Recherche.

 

Netzwerkeffekte

 

Netzwerkeffekte (Network Effects) sind ebenfalls eine sehr interessante Burggrabenart. Von Netzwerkeffekten spricht man, „wenn der Vorteil für bereits vorhandene Nutzer allein dadurch vermehrt wird, dass neue Nutzer dieses Produkt/Portal/Unternehmen ebenfalls nutzen.“ (Vgl. The Value Investor: http://thevalueinvestor.de/value-investing/moat/network-effect/)

Was das genau heißt zeige ich euch am besten an zwei Beispielen.

 

  1. Facebook

Erfolgreiche Social-Media-Unternehmen profitieren fast schon per Definition von Netzwerkeffekten. Die sozialen Medien leben vom Austausch von Informationen. Mehr Nutzer bedeuten auch mehr Informationen. Je mehr Nutzer die Plattform nutzen, desto bekannter wird sie und noch mehr Nutzer wollen die Plattform nutzen, sprich es entsteht eine sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale. Facebook allein (ohne Instagram, etc.) hat über 2 Mrd. aktive Nutzer. Es ist somit fast unmöglich eine ähnliche Social-Media-Plattform aus dem Boden zu stampfen. Warum sollte sich jemand bei einer Social-Media-Plattform anmelden, die kaum Nutzer hat, wenn man sich hingegen bei Facebook anmelden kann, wo fast ein Drittel der Weltbevölkerung aktiv ist?

 

  1. Microsoft

Durch immer mehr Nutzer wurde z.B. Microsoft Excel zum Standard für Tabellenkalkulationen. Egal, ob privat oder in der Arbeit, so ziemlich jeder benutzt Microsoft Office in der einen oder anderen Form. Das ist auch kein Problem, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass, wenn ich die Datei verschicke, der Empfänger die Datei bearbeiten kann, da er auch Microsoft Office besitzt. Diese Tatsache führt auch zu Winner-takes-it-all-Märkten, weil die Konkurrenzprodukte nach und nach verschwinden und jeder, wie in diesem Beispiel, zur Software von Microsoft wechselt.

 

Weitere Beispiele für Netzwerkeffekte wären Zahlungsdienstleister wie Mastercard oder Visa.

Netzwerkeffekte sind definitiv Burggräben, die durchaus Krokodile, Piranhas oder Haie (dann ist es eben ein Salzwasser-Burggraben) enthalten.

(Quelle: Gfycat)

 

Hohe Wechselkosten

 

Hohe Wechselkosten (High Switching Costs) runden unsere Top 3 der „Bavarian Value Lieblingsburggräben“ ab.

Wann spricht man von hohen Wechselkosten? „Nutzt ein Kunde ein Produkt, dessen Wechsel zu einem vergleichbaren Angebot mit hohen Kosten verbunden ist, wird er dem ursprünglichen Anbieter in der Regel treu bleiben.“ (Vgl. Börse Online: https://www.boerse-online.de/nachrichten/meinungen/burggraeben-zum-schutz-gegen-wettbewerber-1002053848)

Ein hervorragendes Beispiel für einen Burggraben durch hohe Wechselkosten bietet SAP: „Mit Einführung eines ERP-Systems […] von SAP […] werden alle wichtigen Prozesse und Abläufe eines Unternehmens genau auf dieses System ausgerichtet, was eine spätere Umstellung extrem kostspielig macht.“ (Vgl. DIY Investor: https://diyinvestor.de/wettbewerbsvorteil/#2_Hohe_Wechselkosten)

Hat ein Unternehmen erst einmal SAP implementiert, so kann sich SAP so gut wie sicher sein, einen Kunden fürs Leben gewonnen zu haben. Kaum ein Unternehmen wird den extrem hohen Aufwand in Kauf nehmen und SAP den Rücken kehren.

Diese hohen Wechselkosten schützen das Unternehmen somit davor, dass die eigenen Kunden zur Konkurrenz abwandern. Es gibt also einen Burggraben und je höher die Wechselkosten, desto breiter ist der Burggraben und desto gefährlicher ist die Fauna, die darin lebt.

Family Guy (Quelle: Giphy)

 

Und jetzt seid ihr wieder gefragt: Welche Arten von Burggräben sind eure Favoriten? Fallen euch noch weitere Burggräben ein? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram.

 

Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Daniel „D!“ Bleicher

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Comments (4)

So ganz überzeugt mich die Idee von wirksamen Burggräben nicht…denn die helfen in der Regel nicht gegen unerwartete Umwälzungen wie zB dem Wechsel vom Kleinbildfilm zur Digitalfotografie.

Aber wenn es etwas gibt, das Konkurrenten heute noch etwas auf Abstand hält, dann sehe ich das in einem physischen Kontakt / physischer Präsenz. Die ist in der Regel nur mit hohem Kostenaufwand zu „kopieren“.

Viele Grüße
Thorsten

Vielen Dank für deine Meinung Thorsten! 🙂

Andere Burggräben:

– Kostenführerschaft (z.B. Aldi)
– Qualitätsführerschaft (Tupperware)
– Technologieführerschaft (SAP bzw. einige deutsche Maschinenbauer)
– hohe Markteintrittsbarieren, führen dann zu:
-Monopolen (z.B. Mautstraßen-, oder Stromnetzbetreiber)
– Oligopolen (Airbus&Boing oder die amerik. Eisenbahnbetreiber)

Ich halte deine 3 Burggräben ebenfalls für gut, hohe Markteintrittsbarieren stehen dem jedoch in nichts nach.
Die Kosten-, Qualität- sowie Technologieführerschaft halte Ich für die schwächsten Bruggräben. Es ist mit Aufwand machbar,
diese einzuholen. Beispiele gibt es genug (Nokia lässt grüßen).

Das beste sehe Ich jedoch als Kombination aus mehreren Burggräben.

Gruß
Valueer

Servus Valueer,

bei Kosten-, Qualitäts- & Technologieführerschaft bin ich ganz deiner Meinung, dass dies nicht unbedingt die breitesten Burggräben sind. Hier stellt sich mir persönlich immer die Frage, wie lange diese Position überhaupt aufrecht erhalten werden kann.

Eine Kombination aus mehreren Burggräben ist mir natürlich auch am liebsten. Je mehr gefährliche Tierchen im Burggraben, desto besser! 🙂

Bayrische Grüße
Dani

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