Ausgabe #60: Investmentfehler – Unsere bisherigen Top 3 (#ausinvestmentfehlernlernen)

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(Tumisu, PixabayPixabay Lizenz)


Als uns die Mail von valueDACH erreicht hat, ob wir bei der Aktion „Meine besten Fehler & meine besten Learnings“ mitmachen wollen, war für uns schnell klar, da können wir so einiges erzählen.

Wir alle machen Fehler. Und Fehler machen ist richtig und wichtig. Aber mehrmals denselben Fehler zu machen ist teuer. Deswegen helfen Fehler jedem, solange man sich ehrlich damit auseinandersetzt und knallhart analysiert, was man da verbockt hat. Genau deswegen präsentieren wir euch nachfolgend stolz unsere 3 (bisher) größten Fehler und was wir daraus gelernt haben.


Airports of Thailand – Die thailändische Informationslücke

Situation

Als wir Anfang 2017 unser wikifolio gestartet haben, haben wir uns auch das erste Mal mit asiatischen Unternehmen beschäftigt. Der Markt war groß, die Chancen auch, was sollte hier schon schiefgehen? So haben wir haben das thailändische Unternehmen Airports of Thailand (AOT) entdeckt. Das Unternehmen besitzt die größten thailändischen Flughäfen und zudem tolle Fundamentaldaten.

Fehler

Der Fauxpas passierte uns bei der Bewertung. Wir können wahrscheinlich bei europäischen und amerikanischen Geschäftsberichten im Schlaf unsere benötigten Informationen finden. Für die Unternehmensbewertung nehmen wir hieraus auch die Anzahl der ausstehenden Aktien. Jedoch ist es bei asiatischen Unternehmen oftmals nicht so leicht, die aktuellsten Informationen zu bekommen. Wir gingen von 1.428,57 Mio. ausstehenden Aktien aus und kamen zu dem Ergebnis, dass das Unternehmen 10x mehr wert ist als der derzeitige Aktienkurs. Leider vollzog AOT gerade in der Zeit in der wir es analysierten (Murphy’s Law) einen Aktiensplit 10:1, der komplett an uns vorbeigegangen ist. Somit haben wir uns um den Faktor 10 verrechnet und das Unternehmen war lediglich fair bewertet.

Lessons Learned

Wir hatten unser Wissen überschätzt und uns auf falsche Annahmen verlassen. Um das zu vermeiden, muss detailliert analysiert werden. Wenn die Informationen etwas schwieriger zu bekommen sind, muss eben auch mehr Zeit für die Analyse eingeplant werden. Es hilft auch sich mit den Ländern, deren Art des Reportings und generell den Informationsquellen zu beschäftigen um die Unternehmen aus – für den deutschen Investor – weniger gängigen Ländern kennenzulernen … und das alles bevor man überhaupt an den ersten Aktienkauf denkt.

Schlussendlich war AOT aber auch einer der Fehler bei dessen Entstehung ein großer Bock geschossen wurde, aber mit mehr Glück als Verstand gut ausging. AOT ist ein fabelhaftes Unternehmen, nur war es bei unserem Einstieg leider nicht unterbewertet. Da die Alternative Cash war und wir die Anteile schon zu einem fairen Preis im wikifolio hatten, blieben wir investiert und konnten AOT mit gutem Gewinn verkaufen.

Trotzdem fällt AOT in die Kategorie „Noch mal Glück gehabt“ und es bleibt festzuhalten, dass wir bei unserer Informationsbeschaffung geschlampt haben und das durch detailliertere und auch zeitlich aufwändigere Analysen abgestellt werden kann – vor allem, wenn es sich um Länder handelt mit denen man als Investor noch wenig Berührungspunkte hatte.


Investition in ein Bier-Startup – Bier ist nicht immer ein gutes Investment

Situation

Man konnte es sich an manchen Stellen sicherlich schon denken, aber wir haben es noch nie wirklich gesagt. Von Zeit zu Zeit sammeln wir privat mit kleineren Beträgen unsere Erfahrungen bei Startup-Investments über die Crowdinvesting-Plattform Companisto. Da wir Bayern – wahrscheinlich genetisch veranlagt – unser Bier lieben, haben wir uns auf Companisto an einem Startup beteiligt, welches in dieser Branche aktiv ist. 

Fehler

Das einzig wirklich „überzeugende“ Argument für unsere Investition war „Bier“. Aus rationaler Investorensicht sprach sonst eher wenig dafür, aber wir haben es uns so hingedreht, dass wir jeweils mit (sehr) kleinen Beträgen investiert haben.

Lessons Learned

Die Entwicklung des Startups ist hier auch weniger interessant, wobei es ehrlicherweise besser laufen könnte. Aber der eigentliche Punkt ist Folgender: Emotionen haben bei Investitionsentscheidungen nichts – moralische Bedenken ausgenommen – zu suchen.

Diese Erkenntnis ist wirklich so einfach und banal wie sie klingt, aber eben auch extrem wichtig.

An dieser Stelle möchten wir auch noch eine Lanze für Crowdinvesting brechen. Die Schuld liegt weder bei dem Startup noch bei der Crowdinvesting-Plattform. Die Einzigen die für die Entscheidung, dass wir investieren, verantwortlich sind, sind wir selbst. Crowdinvesting-Plattformen machen es jedoch jedem – wie uns auch – möglich mit kleinem Geld seine Erfahrungen und Fehler zu machen und daraus zu lernen ohne sich selbst in den finanziellen Ruin zu treiben.


Commerzbank – Dani’s erste große Lehrstunde oder das Commerzbankdebakel

Situation

Daniel „D!“ Bleicher: Während der letzten Jahre des Abis habe ich meine ersten Aktien gekauft. Es war relativ kurz nach der weltweiten Finanzkrise. Aus meiner engeren Verwandtschaft wurde mir die zweitgrößte deutsche Bank empfohlen – die Commerzbank, deren Aktien ich auch gekauft habe. Dann spulen wir etwas vor ins Jahr 2015. In diesem Jahr habe begonnen mich mit Value Investing zu beschäftigen. Aber nicht nur das. Ich hatte auch noch meine Commerzbankaktien. In all den Jahren und leider auch noch inklusive einiger Nachkäufe (Stichwort: „Weiter können sie nicht fallen“) hatte ich einen Verlust von über 60% „erwirtschaftet“.  

Fehler

Daniel „D!“ Bleicher: Es ist ein klassischer Investmentfehler, der in vielen Büchern, die ich bis dahin leider noch nicht gelesen hatte, beschreiben wird. Ich habe mich blind auf eine Empfehlung verlassen. Keine eigene Analyse, keine Nachforschungen. Ich wusste damals nicht mal wo ich den Geschäftsbericht hätte finden sollen, geschweige denn interpretieren.

Lessons Learned

Daniel „D!“ Bleicher: Die Lektion ist eigentlich auch wieder ziemlich banal, aber ich habe sie erst teuer lernen müssen. Vertraue nie blind auf Empfehlungen. Sieh dir das potentielle Investment immer selbst genau an und mache dir deinen eigenen Gedanken dazu.


Schlussworte

Fehler machen ist richtig, aber denselben Fehler mehrmals machen wird schnell sehr teuer.

Und noch ein Tipp von unserem allseits beliebten Warren Buffett: „It’s good to learn from your mistakes. It’s better to learn from other people’s mistakes.“


Jetzt seid ihr wieder gefragt: Was waren eure größten Investmentfehler? Schreibt uns eure Meinung! Gerne könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 


Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft


Andreas & Daniel

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