Ausgabe #43: I like: Lieblingsbranchen

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Bild von geralt (Quelle: Pixabay)

 

Nachdem ich in meinem letzten Artikel über den Circle of Competence geschrieben habe, ist es nun an der Zeit euch meine Auswahl an daraus abgeleiteten Lieblingsbranchen vorzustellen.

 

Nahrungsmittel- & Getränkeproduzenten

 

 
(Quelle: Giphy)

Diese Branche ist ein No-Brainer. Essen und Trinken gehören ja bekanntlich zu den Grundbedürfnissen der Menschheit. Da ich selbst auch gerne die ein oder andere Süßigkeit esse und auch Softdrinks nicht abgeneigt bin, haben Unternehmen in dieser Branche (meistens) ein Geschäftsmodell, welches ich gut verstehe, auch weil ich mich persönlich damit identifizieren kann. Das ist auch der Grund, wieso wir in unserem Value-Radar sehr viele Unternehmen aus dem Bereich Nahrungsmittel und Getränke aufgeführt haben. Ein weiterer Grund wieso ich diese Branche mag ist natürlich nicht nur meine Vorliebe für leckere Sachen, sondern auch das Grundbedürfnis der ganzen Menschheit nach Essen und Getränken. Die Weltbevölkerung wächst stetig und dementsprechend wächst natürlich auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Getränken.

Seit langem haben wir beispielsweise Bakkafrost im Portfolio. Das Unternehmen „produziert“ Lachs auf den Färöer-Inseln. Ich esse persönlich sehr gerne Lachs und achte auch darauf, dass dieser ökologisch gezüchtet wurde. Da seit Jahren die Nachfrage nach Lachs rapide zunimmt, war Bakkafrost für uns einen genaueren Blick wert. Auch Glanbia gehört zu diesem Bereich. Ein weiterer Trend geht seit langem dahin, dass man sich immer bewusster ernährt. Glanbia bietet mit seinen Nahrungsergänzungsmitteln Produkte für genau diese Nische an und ist auch noch in der Käseproduktion tätig.

 

Restaurants

 


(Quelle: Giphy)

Gastronomie ist ein weiter Begriff. Es kann sich um Kaffeehäuser á la Starbucks handeln, oder aber um Fast-Food-Ketten wie McDonald’s und Burger King. Was diese Restaurantketten gemeinsam haben, ist, dass ich sie schon des Öfteren aufgesucht habe, um zu essen und zu trinken (Ihr merkt es schon, hier gibt’s Synergie-Effekte mit Nahrungsmittel- & Getränkeproduzenten 😉 ). Die Beweisführung für Restaurants klingt ähnlich wie die für meine erste Lieblingsbranche. Allerdings gilt es hier eine Unterscheidung zu treffen. Während Nahrungsmittel- & Getränkeproduzenten ihre Produkte in Geschäften zum Kauf für zuhause anbieten, ist es bei Restaurants etwas anders. Hier geht es auch um das „Gefühl“ welches beispielsweise beim Besuch von Starbucks vermittelt wird. Man sitzt einfach gern da und schlürft seinen Kaffee. Das Produkt ist ähnlich, aber die Vermarktung unterscheidet sich doch merklich. Nichtsdestotrotz ist die Gastronomie ein weiterhin wachsendes Feld und hat auch noch sehr viel Potential in Schwellenländern.

 

Luxus

 

 
(Quelle: Giphy)

Ihr habt sicherlich mitbekommen, dass wir erst kürzlich unser wikifolio um Michael Kors erweitert. Dieses Unternehmen ist für mich ein typischer Vertreter der Luxus-Branche. Die Schönen und Reichen geben ja bekanntlich sehr gerne ihr Geld für Statussymbole und eben Luxusartikel aus. Seien es nun teure Sportwägen, Handtaschen oder Schmuck. Die Reichsten 1% werden bis 2030 laut einer Prognose des Guardian etwa zwei Drittel des weltweiten Vermögens besitzen. (Vgl. The Guardian: https://www.theguardian.com/business/2018/apr/07/global-inequality-tipping-point-2030)

Dabei geht es vielen bei Luxusartikeln oftmals eher um die Marke an sich und was diese darstellt und weniger darum wie viel diese kostet, das Geld spielt eine untergeordnete Rolle. Ich bin deswegen der Meinung, dass die Luxus-Branche in Zeiten der Rezession aber vor allem in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs sehr gut läuft. Auch gibt es in Schwellenländern wie China und Indien immer mehr Millionäre und sogar Milliardäre. Das bedeutet hier wächst ein potentieller riesiger Markt heran, der noch gar nicht richtig Fahrt aufgenommen hat.

 

Eisenbahnen

 

 
(Quelle: Giphy)

Ich mag die Branche der Eisenbahnen nicht deshalb, weil ich mit Miniaturmodellen im Keller spiele, da bleibe ich lieber bei meinen Comics. Aber was viele Unternehmen aus dieser Branche gemeinsam haben ist, dass sie oftmals eine Quasi-Monopolstellung haben. Niemand käme wohl auf die Idee neben ein Eisenbahnnetz noch ein Zweites zu bauen. In diesen Markt einzudringen ist als neues Unternehmen denkbar schwierig. Das Unternehmen Canadian National Railway ist hier mein Paradebeispiel. Fast das gesamte Streckennetz in Kanada teilt sich zwischen diesem Unternehmen und Canadian Pacific Railway auf. Viel konstanter geht es wohl nicht, wenn man sich als Value Investor die Frage stellt, ob das Unternehmen auch noch in 10 Jahren relevant sein wird. Auch in Zeiten von automatisierten Fahrzeugen und Flugtaxis müssen immer noch Güter und Waren von A nach B befördert werden. Vor allem in weitläufigen Ländern wie eben Kanada und den USA ist somit die Eisenbahn hierbei das Maß der Dinge – und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

 

Hörgeräte

 


(Quelle: Giphy)

Hörgeräte sind ein ganz eigenes Thema. Wir alle werden älter und fast täglich hört, liest oder sieht man irgendwelche Studien zum Thema demografischer Wandel. Die Weltbevölkerung wächst und wird im Durchschnitt immer älter. Was an und für sich gut ist, führt natürlich auch zu Einschränkungen. Oftmals wird davon geredet, dass das Hören der Wichtigste unserer Sinne ist. Er ist für das soziale Wesen Mensch von enormer Bedeutung und kümmert sich nebenbei auch noch um unseren Gleichgewichtssinn. Deswegen sind Hörgeräte ein relativ sicherer Markt für die Zukunft. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir selbst einmal auf ein Hörgerät angewiesen sind. Dabei wird die Technik immer besser und die Hörgeräte immer kleiner, man sieht sie kaum noch.

Die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) des Robert Koch-Instituts zeigt, dass in der Altersgruppe der 65- bis 79-Jährigen 34,8 Prozent der Frauen und 45,6 Prozent der Männer mindestens einige Schwierigkeiten beim Hören haben – doch nur 8,6 Prozent dieser Frauen und 12,7 Prozent dieser Männer verwenden ein Hörgerät.
In Deutschland leben dem Deutschen Schwerhörigenbund e.V. (DSB) nach etwa 15 Millionen Hörbehinderte, davon tragen laut Bundesinnung der Hörgeräteakustiker BIHA nur rund 2,5 Millionen ein Hörgerät.“
(Vgl. mein-medizinportal.de: http://www.mein-medizinportal.de/themenwelten/augen-nase-und-ohren/millionen-braeuchten-ein-hoergeraet_17377125.htm)

Man sieht sehr schön anhand von Studien welch großer Markt hier schlummert. Noch sind Hörgeräte teilweise ein Tabu-Thema, aber die Notwendigkeit von Hilfsmitteln in diesem Bereich ist ersichtlich. Deswegen sind Hörgeräte für mich ein Zukunftsmarkt mit enormem Potential.

 

Ceterum censeo: Im Übrigen bin ich der Meinung…

 

Es gibt auch einige Branchen, von denen ich so weit es geht komplett die Finger lasse. Das hat in der Regel zwei einfache Gründe. Zum einen gibt es Branchen, die ich moralisch verwerflich finde und die nicht mit meinen Grundethiken übereinstimmen. Das wären beispielsweise die Ölindustrie, die Rüstungsindustrie und die Tabakindustrie. Man könnte jetzt lang und breit diskutieren wo dann die Grenze ist, aber für mich ist sie bei solchen Branchen überschritten. Letztlich muss jeder von euch selbst entscheiden wie er oder sie mit gutem Gewissen nachts schlafen kann. Ich für meinen Teil fühle mich mit Unternehmen aus diesen Branchen einfach nicht wohl.

Der andere Grund, wieso ich manche Branchen ausschließe ist, dass ich sie schlicht und ergreifend einfach nicht genau genug verstehe. Ich habe zu wenig Ahnung von der Pharmaindustrie. Ich weiß nichts über die Herstellung der Medikamente, wie und an was diese erprobt werden und wie lange etwaige Patente noch laufen. Kurzum, ich hab keinen blassen Schimmer wie diese Unternehmen genau Geld verdienen oder wie das in Zukunft aussieht.

 

Was sind eure Lieblingsbranchen? Wo ist eure rote Linie in Sachen potentieller Investments? Gibt es sowas wie Moral beim Investieren überhaupt? Schreibt mir, kommentiert und diskutiert, auch gerne über Facebook und Instagram!

 

Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Eurer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andi

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Comments (7)

Sehr guter Artikel,

meine Lieblingsbranchen sind zum einen die Konsumartikelhersteller (Unilever) und dem verarbeiteten Mittelstand.
Zum Thema Restaurants: Mich würde eine Einordnung der Vapiano Aktie/Firma interessieren.

Hallo Klaas,

Dankeschön!
Wie du auf unserem Value Radar sehen kannst sind wir Konsumartikelherstellern auch nicht abgeneigt. Das ist auch eine sehr interessante Branche. Vapiano ist an und für sich sicherlich auch ein interessantes Unternehmen. Mein „Problem“ ist nur, dass das IPO von Vapiano erst 2017 erfolgt ist, das heißt wir haben für unsere Fundamentalanalyse (in der Regel betrachten wir mindestens einen Zeitraum von fünf Jahren) zu wenig Daten. Außerdem macht Vapiano noch keinen Gewinn, was es wiederum schwierig macht das Unternehmen angemessen zu bewerten. Lange Rede kurzer Sinn: Vapiano kann sicherlich zukünftig interessant werden, aber Stand heute ist es noch zu frisch an der Börse.

Servus Klaas,

wir schauen natürlich mal, ob wir einen Inside-Artikel oder einen anderen Beitrag zu Vapiano machen können. Wie Andi bereits erwähnt hat, gerät hier unsere DCF-Methode zur Unternehmensbewertung an ihre Grenzen, aber wir gucken mal. 🙂

Bayrische Grüße
Dani

Moin Jungs, danke für die Infos und einen schönen Bericht. Bei dem Punkt Luxus möchte ich gerne auf den Kering Konzern hinweisen. Vielleicht interessant für Euch. Und welche Aktie empfehlt ihr bei den Hörgeräten? Beste Grüße, Michael

Servus Michael,

danke für deine lobenden Worte. Vielen Dank für deinen Tipp, Kering ist in der Tat ein interessantes Unternehmen, das wir mit auf unsere Liste nehmen müssen.
Ich möchte noch was Grundsätzliches zum Thema Aktienempfehlungen sagen: Da wir keine Anlageberater sind, dürfen wir zum einen gar keine Einzelaktien empfehlen. Zum anderen ist es so, dass es natürlich auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen ankommt. Pauschal zu sagen diese oder jene Aktie empfehlen wir zum Kauf ist nicht unser Ansatz. Nichtsdestotrotz kannst du dir die Aktien in unserem Value-Radar unter Akustik (Cochlear, Sonova und William Demant) guten Gewissens näher ansehen. Das sind für uns alles Unternehmen, die einen genaueren Blick Wert sind. Wir können im nächsten Jahr auch gerne etwas näher auf die Hörgeräte-Branche eingehen bzw. einen Inside-Artikel über einen der Kandidaten veröffentlichen, wenn dir das weiterhilft. 🙂

Viele Grüße
Andi

Interessanter Beitrag!
Was deine Lieblingsbranche ist kommt doch darauf mit was man sich auskennt und was dein Ziel beim Investieren ist und was du emotional aushalten kannst. Willst du unbedingt ein stabiles, wenig konjunkturanfälliges Portfolio oder ein Portfolio, welches schnelle Kurszuwächse generiert?

Mit meinen 30 Jahren bin Ich vor allem auf schnell wachsende Branchen und Unternehmen aus: Also steht Technologie + e-Commerce im Vordergrund.

Was ist denn euer Ziel (abgesehen von billig kaufen -> teuer verkaufen)?

Gruß vom Bodensee
Valueer

Servus Valueer,

Dankeschön!
Genau, Lieblingsbranchen sollten in der Regel etwas sein mit dem man sich auskennt oder identifizieren kann. Es geht ja auch immer darum ein Unternehmen zu analysieren und zu bewerten. Dazu muss man Prognosen treffen. Ich finde, dass es einfacher ist, Zahlen und Entwicklung einer Branche, die man kennt, zu prognostizieren als von einer von der man keine Ahnung hat.

Unser Ziel ist es eigentlich immer qualitativ gute bis sehr gute Aktien von Unternehmen zu einem möglichst günstigen Preis zu kaufen und diese dann so lange wie möglich zu halten. Die Qualität gibt uns Sicherheit bezüglich der fundamentalen Zukunftsaussichten. Der günstige Preis beschert uns eine gute Sicherheitsmarge. Und der lange Zeitraum hat den Vorteil von Zinseszinseffekten und verminderten Transaktionskosten. Alles in allem ist unser Ziel der langfristige Vermögensaufbau. 🙂

Viele Grüße
Andi

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