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Ausgabe #76: Die Boston Beer Company – Wachstum mit Craft Beer

Boston_Beer_Company_Titelbild
(Aneil Lutchman, Samuel Adams SummerCC BY-SA 2.0)


Als echte Bayern haben wir ein naturgegebenes Faible für Bier. Und als Value Investoren sind wir immer auf der Suche nach interessanten Unternehmen, die in unserem Kompetenzkreis liegen. Daher wird es höchste Zeit, dass wir uns ein Unternehmen aus dieser Branche vornehmen. Meine Wahl fiel auf ein – vor allem in Deutschland – unbekannteres Unternehmen, die Boston Beer Company aus – wer hätte es gedacht – Boston.

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Homer Simpson (Quelle: Tenor)

Boston Beer Company – Kurzportrait

Die Brauerei wurde 1984 von Jim Koch zusammen mit Rhonda Kallman in Boston gegründet. Das erste Bier, welches nach dem Rezept von Jim Kochs Ururgroßvater gebraut wurde, trug den Namen Samuel Adams Boston Lager, in Anlehnung an den US-amerikanischen Patrioten. Das Bier hatte seinen ersten öffentlichen „Auftritt“ auf dem Patriot’s Day 1985 in Boston und wurde 6 Wochen später als „The Best Beer in America“ in der The Great American Beer Festival’s Consumer Preference Poll ausgezeichnet.

Das erklärte Ziel der Boston Beer Company ist „to seek long-term profitable growth by offering the highest quality product to the U.S. beer drinker.“ (The Boston Beer Company: http://www.bostonbeer.com/)
Für einen bayrischen Value Investor klingt das schon einmal sehr vielversprechend.

Zur Boston Beer Company gehören neben dem Flaggschiff Samuel Adams, die Twisted Tea Brewing Company und die Angry Orchard Cider Company.

Heute braut das Unternehmen 60 verschiedene Sorten von Samuel Adams. Die Brauerei aus Boston bezeichnet die Einführung von Samuel Adams als eines der auslösenden Ereignisse für den Craft Beer Boom in den USA. Obwohl Samuel Adams eines der meistverkauften Craft Biere der USA ist, macht es nur ca. 1% des amerikanischen Biermarktes aus.

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Inside The Sam Adams Brewery With Founder Jim Koch (Quelle: YouTube)


Laut der Brewers Association (BA) ist die Boston Beer Company die Nummer 2 der US-amerikanischen Craft Bier Brauereien 2018.

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(2018 Top 50 Brewing Companies nach Umsatz; Vgl. Brewers Association: https://www.brewersassociation.org/press-releases/brewers-association-releases-2018-top-50-brewing-companies-by-sales-volume/)

Was ist Craft Beer?

Jetzt kommt ein kleiner Exkurs in Sachen Craft Beer. Seit einigen Jahren gibt es auch in Deutschland einen gewissen Hype, der vielleicht schon wieder etwas abgeflacht ist. Nichtsdestotrotz denke ich, dass wir für einen Artikel über die Boston Beer Company eine kurze Definition davon brauchen:

„Ausgangspunkt war die US-amerikanische Brauszene. Bis in die 80er-Jahre wurde der dortige Biermarkt nur noch von einer Handvoll Braugiganten mit ebenso großen Industrieanlagen geprägt. Das Ergebnis waren monotone, einheitliche, ausdrucklose Biere, die sich eigentlich nur durch das Etikett auf der Verpackung unterschieden. Anfang der 90er-Jahre begannen dort neu gegründete Kleinbrauereien (Microbreweries) sich gegen diese Eintönigkeit zu stemmen und Biere mit eigenem Geschmacksprofil zu brauen. Sie bezeichneten sich als Handwerksbrauer (im Gegensatz zu den Konzern-Industrieanlagen) und ihr Bier dementsprechend als handwerklich gebrautes Bier, auf Englisch Craft Beer. Diese Craft Beer-Bewegung boomt seitdem in den USA, heute gibt es dort mehr als 4.000 Microbreweries […]“ (Vgl. Private Brauereien Bayern e. V.: https://www.private-brauereien.de/de/reinheitsgebot/craft-beer/index.php)

Somit ist Craft Beer eigentlich nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier aus kleineren und mittelgroßen Brauereien. Also so wie bspw. in Bayern hauptsächlich gebraut wird. In Deutschland hat sich die Craft Beer Welle vor allem dadurch gekennzeichnet, dass bei uns „neue“ Sorten wie India Pale Ale (IPA) auf den Markt gekommen sind.


2019: Profite mit Promille?

Die Bostoner können sich über das bisherige Jahr nicht beschweren. Im aktuellen Quartal (Q2 2019) erzielte die Brauerei einen Nettoumsatz von ca. 318 Mio. US-$ und somit eine Steigerung von ca. 45 Mio. US-$ bzw. knapp 17%. Betrachtet man das komplette erste Halbjahr wurde der Nettoumsatz um ca. 107 Mio. US-$ (23%) gesteigert. Dabei wurden 462.000 Fässer (23%) mehr verkauft als in den ersten 6 Monaten 2018. Im laufenden Geschäftsjahr kommt die Boston Beer Company auf eine EBIT-Marge von 12%. Der Gewinn konnte um sagenhafte 57% zum Vorjahreszeitraum gesteigert werden.
Dave Burwick, President und CEO der Boston Beer Company, führt das Wachstum vor allem auf die Marken Truly Hard Seltzer und Twisted Tea zurück, die die enttäuschenden Ergebnisse von Samuel Adams und Angry Orchard ausglichen.

Zudem wurde am 09.05.2019 der Zusammenschluss der Boston Beer Company mit Dogfish Head Brewery bekannt gegeben. Gründer und Chairman Jim Koch äußerte sich dazu wie folgt: „We believe we are creating the most dynamic and diverse American-owned platform for craft beer and beyond.” (Vgl. Boston Beer Company: http://www.bostonbeer.com/news-releases/news-release-details/boston-beer-company-and-dogfish-head-brewery-merge-creating-most)


Craft Beer ist in den USA weiterhin auf dem Vormarsch

Auch wenn hier in Deutschland der mediale Hype um Craft Beer – zumindest meiner Meinung nach – zurückgegangen ist, wird weiterhin von einem weltweiten jährlichen Wachstum des Nischenmarktes von 14,1% (2018 – 2023) ausgegangen. Aktuell wird der Markt auf ca. 38 Mrd. US-$ geschätzt.
2018 stiegen die Umsätze von Craft Beer in den USA um 7% auf knapp 28 Mrd. US-$. Damit haben die Craft Beer Produzenten mittlerweile einen Marktanteil von gut 24% des dortigen über 114 Mrd. US-$ schweren Biermarktes erobert.


Generell ist der Biermarkt heiß umkämpft und auch nicht wirklich als Wachstumsmarkt bekannt. Die Ausnahme bildet hier der Nischenmarkt Craft Beer, also der Markt, in dem die Boston Beer Company tätig ist. Da die Branche in unserem Kompetenzkreis liegt und die Bostoner auch fundamental einen positiven ersten Eindruck machen, hat es das Unternehmen vor kurzem auf unsere Watchlist geschafft. Aber vor einer finalen Investmententscheidung müssten Andi und ich wahrscheinlich erst einmal ein Samuel Adams probieren. Ja, auch das gehört zur Analyse. Man sollte das Produkt des Unternehmens kennen bzw. testen bevor man investiert. Und natürlich machen manche Produkttests mehr Spaß als andere. Bis dahin werden wir die bostoner Brauerei aber weiterhin im Auge behalten.

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Homer Simpson (Quelle: Giphy)


Und jetzt seid ihr wieder gefragt: Kennt ihr die Boston Beer Company? Wie steht ihr zum Craft Beer Markt? Habt ihr schon einmal ein Samuel Adams getrunken? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram. Für interessante Diskussionen könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! ?


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Daniel „D!“ Bleicher


Weitere Quellen

The Boston Beer Company: http://www.bostonbeer.com/
The Boston Beer Company: http://www.bostonbeer.com/about-us
The Boston Beer Company: http://www.bostonbeer.com/index.php/our-company/brands
The Boston Beer Company: http://www.bostonbeer.com/news-releases/news-release-details/boston-beer-reports-second-quarter-2019-results
Reuter: https://www.reuters.com/brandfeatures/venture-capital/article?id=60303
USA Today: https://eu.usatoday.com/story/money/business/2019/04/02/beer-sales-stay-flat-craft-beer-grows-share-114-b-us-market/3341312002/


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Comments (2)

Sehr schöne Analyse und ein super Video zum CEO, das ihr da gefunden habt!

LG,
Michael von https://www.alleaktien.de

Vielen Dank Michael! Ja, Jim Koch macht einen sehr sympathischen Eindruck. 😉

Beste Grüße
Dani

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