Ausgabe #73: Der Lachsfarmer Tassal diversifiziert sich mit Garnelen

Tasmania_Fishfarm
(CSIRO, CSIRO ScienceImage 11428 Fish FarmCC BY 3.0)


Wie ihr womöglich bereits wisst, sehen wir sehr viel Potential im Wirtschaftszweig Aquafarming. Da die weltweite Nachfrage nach Fisch steigt und wir eine Überfischung der Meere unterbinden sollten, liegt meiner Meinung nach die Lösung in diesem Konzept. Unseren Favoriten in dieser Branche dürftet ihr mittlerweile auch kennen, den auf den Färöer-Inseln beheimateten Lachsproduzenten Bakkafrost. Hierzu haben wir bereits im letzten Jahr eine ausführliche Unternehmensanalyse veröffentlicht. Auch haben wir von Bakkafrost eine beachtliche Position in unserem wikifolio und auch in unseren privaten Portfolios. Doch das ist natürlich nicht der einzige Spieler auf dem Feld. Marktführer ist nach wie vor Marine Harvest (mittlerweile Mowi). Aber das norwegische Unternehmen ist ebenfalls nicht Thema des heutigen Artikels. Heute nehmen wir uns einem der – Füße hoch, der kommt flach – kleineren Fische der Branche an, der Tassal Group aus Tasmanien (Australien).


Tassal – Kurzportrait

Die Tassal Group ist laut eigenen Angaben der führende Lachs- & Seafood-Produzent Australiens. Das 1986 gegründete Unternehmen vertreibt seine Produkte unter vier verschiedenen Marken: Tassal (frischer Lachs, geräucherter Lachs, Lachs in Dosen, gefrorener Lachs), Superior Gold (High End), Tasmanian Smokehouse (geräucherter Lachs, der nur bei ausgewählten Händlern zu finden ist) und De Costi Seafoods (Seafood)

Tassal Corporate Video (Quelle: YouTube)


Tassal hat sich auf den atlantischen Lachs, Salmo salar, spezialisiert. Dabei hat die Gesundheit und das Wohlergehen des Lachses die höchste Priorität für das Unternehmen. So setzt sich das verwendete Fischfutter aus Fischmehl, Fischöl, Hühnermehl, Blutmehl, Hühneröl und pflanzlichen Zutaten zusammen. Durch all seine Bemühungen wurde Tassal 2014 das erste Unternehmen der Branche weltweit, welches zu 100% ASC (Aquaculture Stewardship Council) zertifiziert wurde.

De Costi Seafoods hat weniger mit Lachs zu tun, da hierüber hauptsächlich gezüchtete Tiger Prawns (Riesengarnelen) laufen.


Der tasmanische Teufel hat ein gutes Jahr hinter sich

Kürzlich wurden die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2019 veröffentlicht. 2019 wurden 33.000 Tonnen Lachs geerntet. Das ist eine Steigerung von 7% zum Vorjahr. Zum Vergleich: Bakkafrost kam 2018 auf ein Erntevolumen von 44.600 Tonnen und der Marktführer Mowi erreichte über 375.000 Tonnen. Dabei lag das durchschnittliche Gewicht des geernteten Lachses aus Tasmanien bei 4,4 Kilogramm. Auf den Färöer-Inseln gezüchteter Lachs erreichte 2018 ein durchschnittliches Erntegewicht von ca. 6 Kilogramm.

Tassal konnte den Jahresumsatz um 15,7% von 484,5 Mio. AUD (australische Dollar) auf 560,8 Mio. AUD steigern. Die Australier verkaufen ca. 94,4% ihres Lachses auf dem heimischen Markt. Auch hier ein kurzer Vergleich um die Zahlen etwas besser einschätzen zu können: Umgerechnet erzielte Bakkafrost 2018 einen Umsatz von ca. 700 Mio. AUD und Mowi kam auf 6.200 Mio. AUD. Hier muss man aber auch bedenken, dass der Umsatz dieser Unternehmen extrem vom stark schwankenden Lachspreis abhängt und die Zeiträume der jeweiligen Geschäftsjahre nicht identisch sind.

Das EBIT der Tasmanier stieg ebenfalls zweitstellig auf 88,6 Mio AUD. Somit ergibt das für die Australier eine EBIT-Marge von 18,3%, welche aber unterhalb von Bakka und Mowi liegt.

Tassal_Umsatzentwicklung_2019
(Umsatz Tassal Group, Vgl. Tassal Group: http://tassalgroup.com.au/investors/announcements/announcements/)


Tassal’s CEO Mark Ryan führt die positiven Resultate auf die umgesetzten Lachs- & Garnelenwachstumsstrategien (klingt im Original echt besser) zurück. Hierbei legten die Tasmanier den Fokus auf nachhaltiges Wachstum im Lachssegment und strategische Investitionen in De Costi zur Stärkung des profitablen Garnelensegments. Das langfristige Produktionsziel im Bereich Garnelen liegt bei 20.000 Tonnen pro Jahr.

Tassal_Lachsentwicklung_2019
(Geernteter Lachs Tassal Group, Vgl. Tassal Group: http://tassalgroup.com.au/investors/announcements/announcements/)


Der Grundstein der „Garnelenstrategie“ stellt das erfolgreiche Lachsbusiness dar. Darauf aufbauend möchte Tassel Synergien freisetzen und mit strategischen Investitionen ein nachhaltiges Wachstum im Seafood-Segment unterstützen.
Zusammen machen Lachs und Garnelen 70% des kompletten australischen Seafood-Umsatzes im Einzelhandel aus. Dabei verzehren die sympathischen Menschen aus Down Under ca. 60.000 Tonnen Garnelen pro Jahr. Davon möchte Tassal natürlich eine gehörige Scheibe abhaben. Daher wurde die „Acceleration of Prawn Growth Strategy“, was nichts anderes bedeutet als die „Beschleunigung der Garnelenwachstumsstrategie“ (ich bleib dabei, es klingt in Englisch echt besser), bekannt gegeben.
2019 wurde mit Garnelen ein Umsatz von 28,4 Mio. AUD erzielt. Für 2020 wurde eine Produktionsmenge von 2.400 Tonnen Garnelen ausgegeben. Also hat der tasmanische Lachsteufel im Bereich Garnelen noch Luft nach oben.


Mit Garnelen aus der Abhängigkeit vom Lachspreis

Aquafarming ist eine sehr interessante Branche. Wie schon erwähnt, steigt die Nachfrage nach Fisch stetig an. Um diese Nachfrage befriedigen zu können, muss Aquafarming ins Spiel kommen. Somit haben Unternehmen aus dieser Branche eigentlich eine rosige Zukunft vor sich. Langfristig bin ich davon auch überzeugt, aber ein großes Risiko muss erwähnt werden. Lachsproduzenten sind extrem abhängig vom aktuellen Lachspreis. Der Preis für den beliebten Speisefisch setzt sich an den Märkten aus Angebot und Nachfrage zusammen. Steigt nun das Angebot – bei einer gleichbleibenden Nachfrage – nimmt der Preis ab. Dies ist auch in den letzten Jahren schon passiert und hat so manche Bilanz verhagelt.

Lachspreise_2016-2018
(Entwicklung des Lachspreises von 2016 – 2018 in norwegische Kronen je Kilogramm, Vgl. SalmonBusiness: https://salmonbusiness.com/the-status-of-salmon-demand-is-outpacing-supply/)



Meiner Meinung nach sind das eher kurz- bis mittelfristige Turbulenzen, aber man sollte sich darauf einstellen. Langfristig bin ich persönlich dieser Branche gegenüber sehr positiv gestimmt, aber man muss auch ganz klar die richtigen Nerven dafür haben.
Daher finde ich die Garnelenwachstumsstrategie (bitte 3-mal laut hintereinander sagen) von Tassal ziemlich elegant. Um die Abhängigkeit vom Lachspreis zu verringern, diversifizieren sich die Tasmanier mit Garnelen. Diese sind natürlich auch wieder vom Preis an den Weltmärkten abhängig, aber da es sich um ein anderes Produkt und somit auch um einen anderen Markt handelt, ist das eine durchaus intelligente Risikostreuung.


Und jetzt seid ihr wieder gefragt: Kennt ihr die Tassal Group? Wie steht ihr zu Aquafarming-Unternehmen? Seht ihr die Zukunft dieses Wirtschaftszweiges ähnlich positiv wie ich oder seid ihr anderer Meinung? Was ist euer Favorit in dieser Branche? Und kennt ihr ein besseres Wort für Garnelenwachstumsstrategie? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram. Für interessante Diskussionen könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Daniel „D!“ Bleicher


Weitere Quellen

Tassal Group: http://tassalgroup.com.au/
Tassal Group: http://tassalgroup.com.au/about-us/
Tassal Group: http://tassalgroup.com.au/investors/reports/annual-reports/
Tassal Group: http://tassalgroup.com.au/investors/announcements/announcements/
Mowi: https://mowi.com/investors/reports/
Bakkafrost: https://www.bakkafrost.com/en/investor-relations/reports-and-presentations/



Disclaimer


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