Ausgabe #72: Kann Activision von der wachsenden Gaming-Branche profitieren?

(Tarcil Tarcil, Activision Blizzard, CC BY 2.0)


Die Gaming-Branche wächst rasant und öffnet sich auch immer mehr den „ganz normalen“ Menschen, die gelegentlich mal auf ihrem Smartphone spielen. Auch eSport Events genießen eine immer größere Beliebtheit. Kann der weltgrößte Videospielhersteller Activision Blizzard davon profitieren oder hängt das Unternehmen noch zu sehr an veralteten Geschäftsmodellen? Diesen Fragen gehe ich jetzt nach. Viel Spaß!


Activision Blizzard, Inc. – Kurzportrait 

Das amerikanische Unternehmen Activision Blizzard ist ein Computerspiele-Konzern mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien und hat ca. 9.900 Mitarbeitern weltweit und einen Umsatz von 7,5 Mrd. US-$ (2018). Das Unternehmen wurde 1979 durch vier ehemalige Atari-Entwickler gegründet. In 2007 fusionierten Vivendi (welches der Mutterkonzern von Blizzard war) und Activision zu Activision Blizzard.
Activision teilt sich dabei in drei Segmente nach den gleichnamigen Studios auf: Activision, Blizzard, King
Zu den bekanntesten Marken bzw. Spielen gehören:

  • Overwatch, Call of Duty (Activision)
  • World of Warcraft, Diablo, Hearthstone, StarCraft (Blizzard)
  • Candy Crush Saga, Farm Heroes (King)

(Spiele aus dem Activision Blizzard Universum, Vgl. Wccftech: https://wccftech.com/activision-blizzard-q1-better-expected/)

Activision am Scheideweg?

Activision verbuchte in Q1 2019 einen Umsatz von 1,83 Mrd. US-$ gegenüber 1,97 Mrd. US-$ in 2018. Die aktuelle EBIT-Marge beträgt 41%. Dabei war der Spiele-App Entwickler King der erfolgreichste Umsatztreiber mit 529 Mio. US-$ gefolgt von Blizzard (339 Mio. US-$) und Activision (317 Mio. US-$). Der Gewinn sank um ca. 11% von 500 Mio. US-$ (2018) auf 447 Mio. US-$. Der Konzern hatte im vergangenen Quartal laut eigenen Angaben monatlich 341 Mio. aktive Nutzer. Außerdem stieg die durchschnittliche Zeit, welche ein Gamer mit einem Spiel verbringt auf 50 Minuten. Ein wichtiger Baustein des Geschäftsmodell ist der Bereich „Player Investment“, in dem die In-Game Käufe der Gamer gebündelt werden. Diese beliefen sich im aktuellen Quartal auf 800 Mio. US-$. Hier gibt es verschiedenste Formen. Während beispielsweise Fortnite nur Skins (optische Verschönerungen) verkauft, die einen Spieler nicht besser machen, gibt es auch das Modell der Lootboxen (zufällige Ansammlung an Items, wie früher in den Pókemon oder Yu-Gi-Oh! Booster Packs) oder Spiele, die wirklich auf Pay-to-Win ausgelegt sind (je mehr Geld man reinbuttert, desto bessere Waffen etc. erhält man).
Was mir sehr gut gefällt ist, dass Activision Blizzard seit Jahren eine klare Strategie fährt und den Fokus auf ausgewählte Kernpunkte legt, die zukunftsträchtig sind.

(Schlüsselbereiche im Fokus, Vgl. Activision: Q1 2019 Slide Presentation)


Es soll nach wie vor das Augenmerk auf Spiele gelegt werden, die starken Content versprechen und das in regelmäßigeren Abständen. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt sind „Live Operations“ bei denen im stark wachsenden eSport und Event Bereich weitere Umsätze und Gewinne generiert werden sollen.
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Gewinne und Umsätze gehen zurück und andere Player laufen Activision immer mehr den Rang ab. Dennoch hat das Unternehmen das erkannt und versucht gezielt entgegenzusteuern, was man an der Fokussierung auf die Schlüsselbereiche gut sieht.


Der Gaming-Markt wächst und wächst

Der Markt für Videospiele ist einer der am stärksten wachsenden Märkte überhaupt.

(Globaler Gaming-Markt, Vgl. VentureBeat: https://venturebeat.com/2018/04/30/newzoo-global-games-expected-to-hit-180-1-billion-in-revenues-2021/)


Von 2012 bis 2021 rechnet man mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 11%. Am stärksten wächst dabei die Mobile-Branche mit 26,8%. Diese soll bis 2021 59% des Gaming-Marktes ausmachen. Schon jetzt ist der Anteil mit 54% wirklich enorm. Es gibt immer mehr Gelegenheitsspieler, aber auch Hardcore-Gamer, die auf einem mobilen Gerät wie dem Smartphone spielen. Das Wachstum dieses Marktes hat auch mehrere makroökonomische Gründe. Zum einen haben immer mehr Menschen Zugang zu einem Smartphone und es sind nicht nur Konsolen-Besitzer, die zu „Gamern“ werden. Auch eSport Events werden immer beliebter und tragen ihren Teil dazu bei Gaming salonfähig zu machen. Bei den eSport Events kommt noch dazu, dass diese immer mehr Ansehen bei wirklich großen Sponsoren genießen. „Activision added Anheuser Busch Inbev to go along with Coca-Cola and State Farm as the three top sponsors of Overwatch League’s second season. The league enjoyed a 30% increase year over year in total hours viewed during the first quarter. This highlights an interesting dichotomy occurring between engagement in the game and interest in watching professionals play the game in the Overwatch League.” (Vgl. The Motley Fool: https://www.fool.com/investing/2019/05/11/activision-blizzard-is-unlocking-the-value-in-espo.aspx) Außerdem gibt es schon Pläne eine eigene Call-of-Duty-Liga auf den Weg zu bringen.
Activision hat auch die aktuellen Trends erkannt, was man am Wachstum des Segments „King“ sieht, das sich mit Candy Crush, Farm Heroes und Co. an genau jene Gelegenheitsspieler wendet.
Was Activision allerdings ein wenig verpasst hat, ist die Etablierung im Free-to-Play Markt á la Fortnite. Die Spiele an sich sind kostenlos, dafür gibt es In-Game-Käufe zu Hauf. Der große Vorteil an diesem Modell ist, dass natürlich viel mehr Spieler angesprochen werden, weil sie erst einmal keine Anfangsinvestition tätigen müssen. Durch diese Großzahl an potentiellen Kunden relativiert sich auch wieder der „Verlust“, das Spiel quasi herzuschenken. Es genügt schon ein Bruchteil von danach zahlenden Kunden um einen satten Gewinn abzuwerfen.


Mein Fazit zu Activision Blizzard

Activision befindet sich an einem kritischen Punkt. Es scheint so, als würde es das Ruder herumreißen wollen und leitet die richtigen Schritte ein. Das drückt sich noch nicht in den Zahlen aus und man muss abwarten, ob die strategische Ausrichtung in Zukunft auch Früchte trägt. Das Unternehmen ist etabliert und profitiert von einer starken User-Basis und diversen Makrotrends, welche den globalen Gaming-Markt wachsen lassen. Die Frage bleibt, ob Activision seinen Marktanteil schützen, wenn nicht gar ausbauen kann. Die Strategie stimmt. Das Unternehmen hat erkannt, dass es einen stärkeren Fokus auf die immer mehr beherrschende Sparte Mobile legen muss um auch durch die „Casual-Gamer“ Geld zu verdienen. Auch im Bereich eSport hat Activision die die Weichen gestellt und bietet dahingehend immer mehr Inhalt und auch Events an. Deswegen bleibt Activision auf meiner Watchlist, aber komplett überzeugt bin ich (noch) nicht.


Was haltet ihr von der Gaming-Branche? Glaubt ihr auch, dass sich Activision auf einem guten Weg befindet? Hat es die Zeichen der Zeit erkannt oder den Anschluss an Fortnite und Co. verloren? Schreibt mir, kommentiert und diskutiert, auch gerne über Facebook und Instagram! Gerne könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Andi


Weitere Quellen

Activision: https://www.activisionblizzard.com/
Activision: https://investor.activision.com/financial-information/quarterly-results


Disclaimer


Hinweis nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

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Comments (4)

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Christian Wimmer

Ist bei mir vor einigen Monaten aus dem Depot geflogen. Als Gamer liebe ich die Blizzard Titel. Leider hat sich bei diesem Teil der Firma 2018/2019 einiges zum negativen geändert. Gründer haben die Firma verlassen, CFOs sind wie bei Activision durchgwechselt worden, gute Mitarbeiter wurden entlassen nur damit sie jetzt wieder Leute suchen können. Dazu haben sie an einigen Stellen heftig mit ihrer Community gebrochen. Die Vorstellung von Diablo Immortal auf der Blizzcon war da nur das traurige Highlight. Da ist irgendwie die Seele der Firma verloren gegangen und daher stimmt mein Invest Case nicht mehr.

Andreas

Hallo Christian,
ich war auch lange Zeit begeisterter Anhänger vor allem von Diablo 2 und World of Warcraft. Ich verstehe dich voll und ganz wenn du sagst, dass dein Investment Case so nicht mehr stimmt. Wenn man sich an einem Unternehmen beteiligt, sollte man mit den meisten Entscheidungen des Unternehmens und wofür es steht zufrieden sein. Ist das aber nicht mehr der Fall, dann kann ich das gut nachvollziehen. Ich habe auch ein paar Investmentkandidaten, die ich eigentlich sehr spannend finde und mit denen ich mich identifizieren kann, aber bei denen die Story einfach leider nicht (mehr) passt.

Beste Grüße
Andi

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Hallo Andi,

als langjähriger WoW-Zocker weiß ich natürlich ebenfalls, zu was Activision (bzw. Blizzard) in der Vergangenheit zu leisten im Stande war.

Nach dem massiven Kursrutsch zum Ende des letzten Jahres habe ich daher kurzzeitig etwas intensiver über einen Einstieg nachgedacht.

Die bereits von Christian aufgeworfenen Punkte sind allerdings nicht von der Hand zu weisen und haben mich letztlich auch von einem Investment abgehalten.

Was müsste denn aus deiner Sicht konkret passieren, damit Activision für dich zum Kaufkandidaten wird?

– David

Andreas

Hallo David,
danke für deine Einblicke, es ist immer cool wenn man verschiedene Sichtweisen zu den Dingen erhält. 🙂

Zu deiner Frage:
Zuallererst müssen sich die Fundamentalwerte stabilisieren. Wir betrachten immer einen Zeitraum von drei Jahren, wenn es darum geht die Fundamentaldaten (EK-Quote, EBIT-Marge, etc.) auszuwerten. Hier war Activision in den letzten Jahren schlicht und ergreifend zu inkonstant um überhaupt über unsere erste Hürde zu kommen. Sollte es diese nehmen müssten wir noch einmal genauestens unsere Checkliste mit relevanten Fragen zu Geschäftsmodell, Markenstärke usw. durchgehen um danach in der Bewertung zu entscheiden, ob die Aktie auch tatsächlich unterbewertet ist.

Das Unternehmen selbst muss einfach konstanter abliefern und bspw. seine EBIT-Marge und EK-Rendite auf dem hohen Niveau bestätigen. Darüber hinaus muss Activision beweisen, dass es sich auch wirklich den neuen Marktgegebenheiten anpassen und auch im Bereich „Mobile“ konkurrieren kann. Sollten die Ankündigungen und die Umsetzung der „Schwerpunkte“ (Four Key Areas of Focus) gut gelingen, dann macht Activision sicherlich einen Schritt in Richtung Kaufkandidat.

Beste Grüße
Andi

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