Ausgabe #52: Ist der Schmuckhersteller Pandora ein dänisches Schnäppchen?

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(Jessica Cross, Project52 – Week Nine: Pandora, CC BY 2.0)


Die Aktie von Pandora hat innerhalb eines Jahres in der Spitze knapp zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt. Auch jetzt notiert sie immer noch um mehr als die Hälfte niedriger als zu ihren letztjährigen Höchstständen. Haben die Dänen wirklich derartig große Probleme, die so eine Entwicklung rechtfertigen?


Pandora – Kurzportrait

Pandora ist ein dänischer Schmuckhersteller und bezeichnet sich selbst als größte Schmuckmarke der Welt. Die Strategie des Unternehmens, welches 1982 vom Ehepaar Per und Winnie Enevoldsen in Kopenhagen gegründet wurde, ist es qualitativ hochwertigen Schmuck zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Hierbei sind „Charms & Bracelets“ (Laut Wikipedia: „Ein Bettelarmband (englisch charm bracelet) ist ein Armband mit Kettengliedern, das am Handgelenk getragen wird und dazu dient, kleine Anhänger, Jou-Jous oder Charms genannt, einzuhängen.“) die Flaggschiff-Produkte des Unternehmens. Alle Produkte, die in über 100 Länder vertrieben werden, werden in Thailand hergestellt. Dabei legen die Dänen großen Wert auf CRS (Corporate Social Responsibility) und haben diverse Richtlinien zu Themen wie Unternehmensintegrität, Gesundheit, Umwelt und Menschenrechte ins Unternehmen integriert. (Vgl. Pandora: https://pandoragroup.com/)

Pandora Commercial mit Shakira (Quelle: YouTube)

NOW

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(Quelle: Pandora Annual Report 2018: https://investor.pandoragroup.com/static-files/806f8a35-915f-4452-a147-94be22ddd4a8)


Vor kurzem wurden die Ergebnisse des letzten Geschäftsjahres veröffentlicht. Der Umsatz stieg von 22.781 Mio. DKK minimal auf 22.806 Mio. DKK. Die Sparten Charms (53%) und Bracelets (19%) machen 72% des Umsatzes aus (2017: 74%). Der Jahresüberschuss fiel hingegen um 12,5%. Man sollte jedoch nicht außer Acht lassen, dass die Umsatzrendite trotz des Gewinnrückgangs immer noch bei sehr starken 22% liegt. Auch wenn der Gewinn eingebrochen ist, bleibt Pandora eine regelrechte Cashflow-Maschine. Der Free Cash Flow stieg von 5.294 Mio. DKK auf 5.558 Mio. DKK. Das sind über 24% des Umsatzes. Obwohl ein Gewinnrückgang keine schöne Sache ist, sind die Zahlen, die Pandora präsentiert, nicht von der Sorte „Oh Gott, wir gehen pleite! Ratten, verlasst das sinkende Schiff!“.

Trotzdem hatten die Aktionäre von Pandora in den letzten 12 Monaten eine sehr harte Zeit. Dies hat auch das Management gesehen und begann den Brief an die Aktionäre mit dieser Überschrift: „Transforming Pandora to Deliver Long-Term Value“ (Vgl. Pandora Annual Report 2018: https://investor.pandoragroup.com/static-files/806f8a35-915f-4452-a147-94be22ddd4a8)
Pandora kämpft, wie eben alle Unternehmen die irgendwo im Einzelhandel tätig sind, mit den Herausforderungen einer digitalen Welt. Peder Tuborgh, Chairman of the Board of Directors, sprach offen von einem enttäuschenden Jahr und auch davon, dass das „Refreshing“ des Produktportfolios die Umsätze nicht steigern konnte. Tuborgh gestand ein, dass die Marke Pandora zwar sehr bekannt, aber den Kunden die Positionierung der Marke unklar ist. Daher wurde das zweijährige Unternehmensprogramm NOW beschlossen. (Vgl. Pandora Annual Report 2018: https://investor.pandoragroup.com/static-files/806f8a35-915f-4452-a147-94be22ddd4a8)


A long way to go?

Das Ziel von NOW ist langfristiges und nachhaltiges Wachstum bei gleichbleibender Profitabilität. Einer der ersten Schritte hierbei war z.B. die Reduzierung der Filialeröffnungen. Zu den Kernpunkten des Programms gehört die „Leidenschaft“ für Pandora zu entfachen, sprich die Marke soll nachhaltig gestärkt werden. Auch werden die KPIs (Key Performance Indicators) angepasst um die langfristige Wertschöpfung besser im Blick behalten zu können. Beispielsweise wird zur Messung der Profitabilität von EBITDA-Marge auf EBIT-Marge gewechselt. (Vgl. Pandora Annual Report 2018: https://investor.pandoragroup.com/static-files/806f8a35-915f-4452-a147-94be22ddd4a8)
Peder Tuborgh hat die Aktionäre bereits vorgewarnt: Viele Änderungen wird man erst Ende 2019 oder gar 2020 erkennen können. Und auch die Unternehmensergebnisse werden davon zunächst einmal negativ beeinflusst werden, bevor es wieder bergauf geht. (Klingt etwas sehr nach Harvey Dent in The Dark Knight.)


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Harvey Dent in The Dark Knight (Quelle: Fantasy Sports Addicts Anonymous)


Das Management um die neue, im August letzten Jahres installierte Doppelspitze von Pandora, CFO Andres Boyer und COO Jeremy Schwartz, steht vor einem sehr herausfordernden Jahr und wird alle Hände damit zu tun haben um das Ziel von NOW zu erfüllen: Langfristige & nachhaltige Wertschöpfung

Aufgrund der Umstrukturierung erwartet Pandora für das Jahr 2019 einen Umsatzrückgang von 3% – 7%. Dabei sollen 75 neue Stores eröffnet werden. Die Dänen gehen davon aus, dass Investitionen im Zusammenhang mit NOW dieses Jahr ca. 200 Mio. DKK ausmachen werden. (Vgl. Pandora: https://investor.pandoragroup.com/outlook)
Trotz dieser Aufgaben zeigt das Management, dass es das Unternehmen im Auftrag der Aktionäre führt, da 4 Mrd. DKK an die Aktionäre in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen ausgeschüttet werden sollen. (Vgl. Pandora: https://investor.pandoragroup.com/dividend-policy)


Bleibt schlussendlich noch zu erwähnen, dass wir Pandora letztes Jahr im November – leider nicht ganz zum absoluten Tiefstpreis – in unser wikifolio mit aufgenommen haben.


Und jetzt seid ihr wieder gefragt: Wie ist eure Meinung zu Pandora? Ist das Unternehmen ein Schnäppchen oder haben die Dänen ernsthafte Probleme? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram. Für interessante Diskussionen könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Circle anschließen.


Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Daniel „D!“ Bleicher


Disclaimer


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Comments (3)

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Hallo Leute, ein schöner Beitrag auf den ich schon gewartet hatte. Denn ich habe mich auch gefragt, warum es bei dieser Firma die letzt Zeit immer nur bergab ging mit dem Aktienkurs…. Eine solide Sache, aber die Aktionäre wollen nur stetige Gewinn Sprünge? Das ist doch kein klassisches Wachstums Unternehmen, oder? Beste Grüße, Michael

Daniel
Daniel "D!" Bleicher

Hallo Michael,

es ist schon faszinierend wie sich der Markt oft verhält, nicht wahr? Ich denke Pandora ist ein grundsolides Unternehmen und um einiges mehr wert als das, was Mr. Market aktuell denkt. Andi und ich haben bereits Ende letzten Jahres eine Position in unserem wikifolio aufgebaut und ich habe privat auch vor ein paar Wochen Aktien gekauft. Wie du siehst, sind wir ziemlich davon überzeugt, dass sich Mr. Market hier irrt. 🙂

Bayrische Grüße
Dani

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Thomas

Hallo Michael,
anlässlich einer Value Konferenz in Berlin im letzten Herbst hat sich eine kleine Arbeitsgruppe von Value Investoren gebildet, die an Pandora Interesse hatten. Ich gehöre dieser Gruppe an und habe auch etwas zu Aktienrückkäufen und Markenentwicklung geschrieben (nach zu lesen im Slack).
Kennst du das schon?

Vg
Thomas
Value Gruppe Frankfurt (von Tilman Versch)

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