Ausgabe #13: Warum Value Investing funktioniert – Die Rückkehr zum Mittelwert

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Bild von annca (Quelle: www.pixabay.com)

 

Ihr habt mittlerweile sicherlich mitbekommen, dass Daniel und ich Anhänger des Value Investing Ansatzes sind. Wir sind davon überzeugt, dass Value Investing langfristig für uns die beste Anlage-Philosophie darstellt. Ein wichtiger Grund wieso ich glaube, dass mit Value Investing auf lange Sicht Überrenditen möglich sind ist das sogenannte Konzept der „Rückkehr zum Mittelwert“ bzw. „Regression to the Mean“. Was sich jetzt erst einmal etwas abgehoben anhört ist bei genauerer Betrachtung allerdings essentiell für jeden Value Investor, der was auf sich hält. 🙂

 

Ursprung

 

Dieser Effekt ist allerdings auf den ersten Blick – wie so oft – von uns Menschen nicht intuitiv zu begreifen. Er geht zurück auf Sir Francis Galton. Dieser nette Herr ist noch ganz nebenbei der Cousin von keinem geringeren als Charles Darwin, der überraschenderweise auch etwas mit Value Investing zu tun hat. (https://bavarian-value.de/2018/02/01/ausgabe-8-tim-charlie-psychologie-an-der-boerse/)

Die rein technische Definition lautet folgendermaßen:

„(…) whenever the correlation between two scores is imperfect, there will be regression to the mean.” (Vgl. Daniel Kahneman: Thinking, Fast and Slow)

Bitte was?

Sir Francis Galton untersuchte eigentlich nur wie sich das Verhalten von Samen im Laufe von Generationen änderte. Er stoß dabei auf einen interessanten Zusammenhang. Um das Ganze intuitiver zu gestalten verwende ich einfachheitshalber „Eltern“ und „Kinder“, da dieses Phänomen in dieser Art und Weise überall in der Natur auftritt. Waren die Eltern extrem groß könnte man meinen, dass die Kinder auch entsprechend größer waren als der Rest. Nun war es aber so, dass die Kinder im Durchschnitt immer „mittelmäßiger“ als ihre Eltern waren. Waren die Eltern extrem groß, so waren die Kinder in der Regel kleiner als sie. Waren die Eltern extrem klein, dann waren die Kinder sehr oft größer. Dieses Phänomen ist eigentlich überall zu beobachten, aber wird wie viele andere Effekte von Menschen einfach nicht als solches wahrgenommen. Kahneman beschreibt in seinem Buch „Thinking, Fast and Slow“ eine auf den ersten Blick provokante These, die das verdeutlicht:

 

„Highly intelligent women tend to marry men who are less intelligent than they are.”

(zu Deutsch: Hochintelligente Frauen tendieren dazu Männer zu heiraten, die weniger intelligent als sie sind.)

 

Bevor hier jetzt eine Gender-Diskussion entflammt, lasst mich das kurz aufklären. Die meisten werden auf den ersten Blick interpretieren, dass dies irgendwelche sozialen Gründe hat (komplett auszuschließen ist das natürlich nicht immer) wobei die wirkliche Antwort ganz einfach ist. Da hochintelligente Menschen einfach statistisch gesehen weniger oft vorkommen (sonst wären sie ja nicht hochintelligent, es hängt immer von der Referenzgruppe ab) ist es auch einfach so, dass hochintelligente Frauen weniger intelligente Männer heiraten. Es gibt einfach mehr durchschnittlich intelligente Männer als hochintelligente. Nicht mehr und nicht weniger. (Umgekehrt ist es selbstverständlich genauso!)

 

Ein weiteres Beispiel:

Es gibt den sogenannten „Sports Illustrated Jinx“, der besagt, dass Sportler, die aufgrund ihrer herausragenden Leistung auf dem Cover einer bekannten Sportzeitschrift abgedruckt werden, dazu verurteilt sind in der nächsten Saison schlechter zu performen. Auch hier wird gleich wieder auf Argumente wie den zu hohen Erwartungsdruck oder Größenwahn verwiesen. Aber es ist einfach statistisch so, dass nach einer herausragenden Saison in den meisten Fällen eine durchschnittliche Saison folgt. Auch hier ist es nicht mehr und nicht weniger.

 

Was hat das mit Value Investing zu tun?

 

“From financial history and from my own experience, I long ago concluded that regression to the mean is the most powerful law in financial physics: Periods of above-average performance are inevitably followed by below-average returns, and bad times inevitably set the stage for surprisingly good performance.” – Jason Zweig

Ich bin der Meinung, dass dieses statistische Phänomen einer der Grundpfeiler ist, wieso Value Investing überhaupt funktioniert. Bei Aktien verhält es sich nämlich genauso. Manchmal sind sie weit über ihrem inneren Wert und manchmal weit darunter. Aber auf lange Frist werden sie durch die Rückkehr zum Mittelwert ihren inneren Wert erreichen. Genau deswegen suchen Value Investoren nach unterbewerteten Aktien, da sie glauben, dass diese irgendwann ihren höheren inneren Wert erreichen.

Graham zitierte dazu oft den Poeten Horaz:

„Many shall be restored that now have fallen, and many shall fall that now are in honor.”

Das fast es eigentlich ganz gut zusammen.

Wenn es keine Rückkehr zum Mittelwert gäbe, dann wären die Kinder von Basketballspielern immer größer als ihre Eltern und bald würden nur noch Menschen mit über 2 Metern Körpergröße herumlaufen. Genauso verhält es sich mit Aktien. Irgendwann erkennt der Markt, dass eine Aktie überbewertet ist und sie geht zu Boden und umgekehrt ist es ebenso. Das Gute daran ist, dass Value Investoren einen inneren Wert berechnet haben und demnach wissen, ob die Aktie sich am Boden oder über den Wolken befindet. Sollte man eine Aktie eines guten Unternehmens günstig kaufen können, kann man sich entspannt zurücklehnen und warten bis das Phänomen „regression to the mean“ sein Übriges tut. Überpreiste Aktien werden irgendwann auf ihren inneren Wert zurückfallen genauso wie günstige Aktien auf ihren inneren Wert steigen werden. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns nur auf günstige Aktien stürzen, denn eine fundamentale Analyse des gesamten Unternehmens ist für uns zusätzlich unabdingbar um das Unternehmen ganzheitlich nach allen Gesichtspunkten abzuleuchten. Aber alles in allem ist es doch gut zu wissen, dass man ein gutes Argument für langfristige Investments in der Hinterhand hat, oder nicht? 😉

Was haltet ihr von diesem Phänomen? Glaubt ihr, dass es auf den heutigen Märkten überholt ist oder noch immer seine Gültigkeit besitzt? Diskutiert mit und lasst uns einen Kommentar hier oder teilt uns eure Meinung auf Facebook oder Instagram mit!

 

Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Eurer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andreas

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