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Ausgabe #45: Bavarian Value Letter 2018 by Andreas Kuhn

Bild von Bru-nO (Quelle: Pixabay)


Servus zusammen,

wie von Dani bereits präsentiert, möchte auch ich euch an meinen persönlichen Ansichten und Erfahrungen des Jahres 2018 teilhaben lassen.


Persönliches Review

2018 war ein beachtliches Jahr für mich und Bavarian Value. Unser wikifolio haben wir ja bereits Anfang 2017 aufgelegt und 2018 starteten wir frisch und fröhlich mit unserer Website. Wir haben einfach angefangen und der Weg war steinig aber sehr erfüllend. Natürlich waren wir erst einmal mit sehr vielen verschiedenen Fragestellungen überfordert. Wir hatten keine Ahnung von WordPress oder wie man eine Website aufbaut, geschweige denn wie man Google Analytics nutzt und so weiter und so fort. Aber wisst ihr was? Wenn man über ein Thema schreibt, dass man wirklich mag – bei uns logischerweise Value Investing und alles was für uns dazugehört – dann kommt der Rest von ganz alleine. Das war eine sehr wichtige Erkenntnis für mich im Jahre 2018. Eine weitere Frage, welche uns eigentlich nicht erst seit 2018 umtreibt ist die, wie wir bessere Investoren werden. Und das ist leichter gesagt als getan. Wir wissen, dass wir rational agieren sollen, ja sogar müssen. Aber wie trennt man, welche Entscheidungen rational sind und welche emotional? Ein entscheidender Vorteil, den ich erkannt habe ist, dass wir zu zweit agieren. Wir ergänzen uns recht gut und scheuen uns auch nicht davor uns gegenseitig auch mal zu kritisieren oder zu verbessern.

Was ich 2018 noch herausgefunden habe? Bloggen bildet! Es ist ja nicht so, dass wir uns alle Infos immer aus den Fingern saugen. Man muss schon viel recherchieren, um einen qualitativ guten Artikel anzufertigen. Und dabei lernt man sehr viel. Auch wenn man sich bei einem Thema vermeintlich schon sehr gut auskennt, ist es erstaunlich welche Erkenntnisse man zusätzlich erlangt, wenn man versucht das Ganze verständlich für andere niederzuschreiben. Zudem gibt es natürlich Themen, von denen ich noch nicht viel Ahnung hatte und mich erst „einlesen“ musste. Aber das ist ein Teil des Abenteuers.

Etwas, das ich noch erkannt habe ist, dass Value Investing nicht gleich Value Investing ist. Ich musste feststellen, dass es nach meinem Gefühl wirklich viele Sturköpfe gibt, die ankreiden, ob man nun Value Investing, Deep Value Investing, Qualitiy Investing, Growth Investing, Zigarettenstummel-Investing-Deluxe oder weiß der Kuckuck was macht. Aber ist das letzten Endes nicht egal? Es geht im Grunde doch immer darum den 1 € für 70 Cent oder weniger zu kaufen. That’s it. Da ist es mir auf gut bayrisch völlig wurscht, wie das Ding nun heißt, solange ich mich an gewisse Grundsätze halte. Ich finde es schön, dass es viele Unterarten von meinem geliebten Value Investing gibt. Wenn jeder dasselbe machen würde, wäre es doch nur halb so interessant und in Sachen Marktineffizienzen wahrscheinlich auch gar nicht mal so gut.

Ich möchte euch noch an meinen Bemühungen im Kampf gegen Denkfehler teilhaben lassen. Ich nenne das ganze „Tipps für fortgeschrittenes Unwohlsein“. Selbst wenn man weiß, dass man eventuell einem Denkfehler zum Opfer fällt, ist es meiner Erfahrung nach so, dass man sich wirklich IMMER WIEDER damit auseinandersetzen muss. Es ist leider nicht so, dass man weiß, dass es den „Fear of Missing Out Something“-Bias (Kurz: FOMOS) gibt und diesen dann einfach abschalten kann. Das Mittel zum Zweck sind hier Checklisten. Ich gehe bei jedem meiner Investments jedes Mal meine komplette Checkliste durch und prüfe auch meine Gedankengänge bezüglich Denkfehler, was sehr anstrengend und mühsam ist, aber lohnenswert. Mein persönlicher Favorit in Sachen Value Investing 2018 ist der „Disconfirming Evidence“. Man stelle sich vor man hat nach Monaten der Durststrecke endlich mal wieder ein Unternehmen gefunden, in das man investieren könnte, weil alles stimmt. Dann ist es umso schwieriger nach Infos zu googeln, welche die mühsam aufgestellte Analyse wieder zunichtemachen. Man hat viel Zeit reingesteckt und muss sich teilweise selbst widersprechen. Das ist nicht schön, aber absolut unabdingbar, um rationale Entscheidungen zu treffen. Ich liebe Checklisten.


Und jährlich grüßt das Murmeltier – was sich nicht ändert

Dieses Jahr war es mal wieder soweit. Value Investing ist – mal wieder – gestorben. Ich traue mich zu behaupten das Value Investing öfter auferstanden ist als manche Comic-Charaktere (Wer sich ein bisschen mit Comics auskennt: wahlweise Jean Grey / Gwen Stacy googeln ? ). Der alljährliche Abgesang amüsiert mich immer wieder aufs Neue und ich muss jedes Mal an folgendes Zitat denken: „Totgesagte leben länger.“ Und das wird sich auch zukünftig nicht ändern. In Phasen eines langen Bullenmarktes wird Value Investing immer wieder vermeintlich hinterherhinken. Das macht aber nichts, denn langfristiges und wertorientiertes Investieren wird immer wieder auferstehen.

2018 hat mir wieder einmal vor Augen geführt, dass der auf dem Papier gut gemeinte Homo Oeconomicus nichts mit der Realität gemein hat. Damit einhergehend war es aus der Ferne gut zu beobachten, welche Denkfehler dieses Jahr gemacht wurden. Wir befinden uns im längsten Bullenmarkt der Geschichte. Es mehren sich die Berichte von Crash-Propheten, der Fear-and-Greed Index zeigt auf Rot. Bei kleinen Kursrutschen der letzten Tage wird sofort wieder von einem Bärenmarkt gesprochen. Der Herdentrieb zwingt die Leute dazu einander blind zu folgen. Sie suchen nicht nach dem Disconfirming Evidence, sondern bestätigen sich lieber in ihren eigenen Ansichten. Anfang dieses Jahres war die Euphorie über den Bullenmarkt noch riesig, langsam trübt sich das Bild wieder, ein klarer Fall des Overconfidence Bias.

Aber wisst ihr was? Als Value Investor kann mir das alles egal sein. Das ist das Schöne daran. Bullenmarkt oder Bärenmarkt? Ich kann nix dagegen machen, mir egal. Das sind Dinge, die sich wahrscheinlich niemals ändern werden.

Und wisst ihr was sich auch nicht ändern wird? Die Grundtugenden des Value Investings. Feste, stabile und langfristige Werte, beständige Grundprinzipien, Ruhe, wenn andere in Panik verfallen. Die Aktien, die man hat sind ähnlich wie Freunde oder Familie nicht irgendein Anhängsel, welches man schnell wieder loswird. Wenn man sich dafür entschieden hat, sollte man in guten wie in schlechten Zeiten dazu stehen. Es muss sich schon „fundamental“ an der Beziehung etwas ändern, damit der Kontakt abbricht. Auch die besinnliche Vorweihnachtszeit ist deswegen für mich ein Synonym für die Ruhe, die ein Value Investor im Auge des Sturms und bei sich umgreifender Panik haben sollte.

Ich komme auch deswegen auf das Zitat zurück, welches auf unserer Startseite steht. Das ist nicht einfach lieblos ausgewählt, sondern hat eine besondere Bedeutung für mich:

“Someone’s sitting in the shade today because someone planted a tree a long time ago.” – Warren Buffett

Dani und ich versuchen gerade den Baum für eine erfolgreiche Zukunft zu pflanzen. Das Gute daran ist, das wir ständig lernen und uns verbessern. Wir wertschätzen die Grundsätze, welche Value Investing uns mit auf den Weg gibt.

Auf diesem Weg wünsche ich euch besinnliche und frohe Tage im Kreis eurer Familien und Freunden und freue mich schon auf das nächste Jahr mit euch.

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Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

Andi

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