Ausgabe #22: Guess Who? Peter Lynch

Peter Lynch
Peter Lynch (Bild von Cuentapabro (Quelle: Wikimedia Commons))

 

Es gibt einen Value Investoren da draußen, welcher mit seinem Fonds von 1977 bis 1990 eine sagenhafte durchschnittliche Jahresrendite von 29,20% einstreichte und das Fondsvermögen von anfänglich 20 Mio. $ zu 14 Mrd. $ aufstockte. Dieser Herr heißt Peter Lynch und er ist es sicherlich wert einmal näher vorgestellt zu werden. Vorangestellt eine kurze Geschichte über seinen Charakter, damit man versteht, mit wem man es zu tun hat. Als bereits Elfjähriger nahm er einen Nebenjob als Caddy auf dem Golfplatz an und blieb das auch noch eine ganze Weile. Bei dieser Tätigkeit bekam er auch mit, wie sich die oftmals reichen Damen und Herren über Finanzen austauschten. Damit war das Feuer entfacht und Peter Lynch nahm diesen Caddy-Job als Karrieresprungbrett wahr. Auch weil er hier seinen zukünftigen Chef kennenlernte.

 

Seine Geschichte

 

Peter Lynch wurde am 19. Januar 1944 in Newton, Massachusetts geboren. Er studierte am Boston College Geschichte, Psychologie und Philosophie und schloss 1965 sein Studium ab. Da er wie bereits erwähnt als Caddy tätig war, lernte er bei dieser Tätigkeit auch den Chef von Fidelity Magellan kennen und ergatterte dadurch ein heiß begehrtes Praktikum in der Finanzbranche. Irgendwie schaffte er es 1.250 $ zusammenzukratzen und in das Luftfrachtunternehmen Flying Tiger Line zu investieren. Da während des Vietnamkrieges etliche Frachtmaschinen gebraucht wurden, stieg die Aktie dementsprechend und er konnte sich dadurch zusätzlich das MBA-Studium an der Wharton School of Finance finanzieren. Nachdem er von 1967 bis 1969 der Armee diente wurde er schließlich 1969 in einer Festanstellung übernommen. 1974 wurde er hier zum „Director of Research“ ernannt und wurde schließlich 1977 Portfoliomanager und Chef des Magellan Fonds, benannt nach dem gleichnamigen portugiesischen Entdecker. Diesen betreute er schließlich auch 13 Jahre und legte die eingangs erwähnte Rendite von über 29% aufs Parkett. Nebenbei erwähnt ist das die beste Rendite, die ein Investmentfonds über solch einen Zeitraum jemals geschafft hat! 1990 schließlich gab er diesen Posten ab und schrieb drei sehr erfolgreiche Bücher, wie zum Beispiel Der Börse einen Schritt voraus (Englischer Originaltitel „One Up On Wall Street“).

 

Sein Anlagestil

 

Peter Lnych ist Value Investor durch und durch, unterscheidet sich jedoch in vielen Punkten von anderen Value Investoren wie Warren Buffett und Charlie Munger. Er prägte den Begriff der „Tenbagger“, nach denen er immer Ausschau hielt. Dieser Begriff stammt eigentlich aus dem Baseball, aber er bezeichnete damit Investments, die das Geld der Anleger mindestens verzehnfachen konnten. „Kauf, was du kennst“ war sein Credo. (Vgl. valuewalk.com: https://www.valuewalk.com/peter-lynch-resource-page/) Er ließ sich in seinem täglichen Leben immer wieder aufs Neue inspirieren. Auf Investment-Ideen kam er beispielsweise, da seine Töchter alle unbedingt einen Apple-Computer wollten oder schlicht und einfach, weil ihm der Kaffee von Dunkin Donuts am besten schmeckte. Aus all diesen Erfahrungen versuchte Lynch Trends abzuleiten und setzte sich danach intensiv mit den jeweiligen Unternehmen auseinander, um diese zu verstehen. Dann folgte, dass „Standard“ Value-Investing Prozedere, indem er die Geschäftszahlen analysierte und versuchte fundamental unterbewertete Titel zu kaufen und überbewertete zu verkaufen. Bei all seinen Investments versuchte er quasi eine „Story“ aufzuzeigen. Diese „Story“ sollte möglichst alles beinhalten. Angefangen beim Unternehmen, über Produkte und Kunden, bis hin zu Wettbewerbern und dem Marktumfeld, versuchte er ein rundes Gesamtbild eines möglichen Investments zu bekommen und damit eben eine „Story“ des Unternehmens zu erstellen – je detaillierter und umfangreicher desto besser. Drei essenzielle Qualitäten lagen ihm dabei besonders am Herzen: Profitabilität des Unternehmens, dazu ein günstiger Preis und ein nachhaltiges und gutes Geschäftsmodell.

Investment_Philosophy_Peter_Lynch

Zusammenfassung Investmentkriterien (Vgl. investopedia.com: https://www.investopedia.com/university/greatest/peterlynch.asp)

 

Dazu schaute er sich auch die KGVs der einzelnen Aktien an und verglich diese mit dem Durchschnitt der Branche. Darüber hinaus legte er großen Wert darauf, dass das Unternehmen konstant Dividenden zahlte und möglichst gering verschuldet war. Im Gegensatz zu anderen Value Investoren hatte er allerdings alles andere als ein konzentriertes Portfolio. Zwischenzeitlich waren bis zu 1.500 Aktien in seinem Fonds vereint, jedoch war ein Großteil in einer nur wirklich geringen Anzahl vorhanden. Sobald jedoch die „Story“ eines Unternehmens zu Ende erzählt war oder sich an den Fundamentaldaten zu viel änderte trennte er sich von seinen Investments. Dazu sagte er: „Stand by your stocks as long as the fundamental story of the company hasn’t changed.” Ganz value-like hatte er einen sehr langfristigen Anlagehorizont und war fest davon überzeugt kurzfristige Kursschwankungen am besten einfach zu ignorieren.

 

Top Zitate von Peter Lynch

 

“Go for a business that any idiot can run – because sooner or later, any idiot is probably going to run it.”

“If you spend more than 13 minutes analysing economic and market forecasts, you’ve wasted 10 minutes.”

“Everyone has the brainpower to follow the stock market. If you made it through fifth-grade math, you can do it.”

“You get recessions, you have stock market declines. If you don’t understand that’s going to happen, then you’re not ready, you won’t do well in the markets.”

“There are substantial rewards for adopting a regular routine of investing and following it no matter what, and additional rewards for buying more shares when most investors are scared into selling.”

“(…) if all the economists of the world were laid end to end, it wouldn’t be a bad thing.”

 

Fun Facts

 

Peter Lynch erinnerte sich wie ihn einmal Warren Buffett ganz unerwartet an einem Samstag im Jahr 1989 anrief um ihm um einen Gefallen zu bitten. Als seine Tochter den Höhrer abnahm sagte sie: “It’s Mr. Buffet on the line.“
„And I thought some of my buddies are kidding me because she was only 6.“ sagte Lynch gegenüber Forbes.
Buffett erzählte Lynch, dass er sein neues Buch „One Up on Wall Street“ liebte und die Art wie Lynch seinen Investmentstil erklärte.
„I want to use a line from it in my year-end report. I have to have it,“ sagte Buffett. „Can I please use it?“
„Sure. What’s the line?“ fragte Lynch.
Die besagte Zeile, welche Buffett zitieren wollte war folgende: „Selling your winners and holding your losers is like cutting the flowers and watering the weeds.“
(Vgl. cnbc.com: https://www.cnbc.com/2017/10/17/how-warren-buffett-taught-peter-lynch-the-value-of-making-mistakes.html)

„Einer von Lynch größten Coups war 1982 die Chrysler-Aktie. Der angeschlagene Autohersteller stand damals kurz vor der Pleite. Nachdem Lynch sich vor Ort ein Bild gemacht und sogar mit den Arbeitern am Band gesprochen hatte, stieg er dort ein. Der Aktienkurs gab ihm im Nachhinein recht, er stieg in den darauffolgenden Jahren deutlich.“(Vgl. boerse.ard.de: https://boerse.ard.de/boersenwissen/boersengeschichte-n/peter-lynch-fondsmanager-mit-pioniergeist100.html)

Vermögen: ca. 350 Millionen US-$

 

Was haltet ihr von der Anlagestrategie von Peter Lynch? Glaubt ihr, dass er so erfolgreich war aufgrund seiner sehr breiten Diversifikation oder war da auch sehr viel Glück dabei? Über wen würdet ihr zukünftig hier noch mehr erfahren wollen? Schreibt mir, kommentiert und diskutiert, auch gerne über Facebook und Instagram!

 

Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

 

Eurer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andi

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Comments (2)

Hallo zusammen, wieder ein sehr schöner Artikel! Einfach und gut geschrieben und so macht es auch Spaß zu lesen. Gerne habe ich das Buch über deinen Empfehlungslink gekauft! Beste Grüße, Michael

Hallo Michael,

dankeschön für die lobenden Worte. Es ist schön zu hören, dass dir unsere Artikel gefallen. Und wenn es dann auch noch Spaß macht zu lesen, ist das natürlich nochmal ein Pluspunkt, da wir darauf auch großen Wert legen.

Vielen lieben Dank für deine Unterstützung, das freut uns wirklich sehr!

Viele Grüße
Andi

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