Ausgabe #114: Tesla – Der Robin Hood der Automobilindustrie

(BlomstPixabayPixabay Lizenz)


Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich nicht weit auseinander. Bei manchen tendiert die Anzeige eindeutig in die eine Richtung (hat wer Trump gesagt?), bei anderen in die andere (ein Job für Steve Jobs). Es gibt allerdings noch eine Zwischenkategorie, nämlich diejenigen bei denen erst die Zukunft zeigen wird, ob ihre Idee wahnsinnig oder revolutionär war. Die Rede ist von Elon Musk und seinem Unternehmen Tesla. Diesem werde ich heute mal etwas genauer auf den Zahn fühlen.


Tesla, Inc. – Kurzportrait 

Tesla, Inc. ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Palo Alto. Das Unternehmen produziert und vertreibt ausschließlich Elektroautos und stellt so gut wie alle Komponenten selbst her. Darüber hinaus entwickelt Tesla auch Solaranlagen und Solarstromspeicher. Gegründet wurde die Firma ursprünglich entgegen der breiten Meinung 2003 von Martin Eberhard und Marc Tarpenning. Prägendste Figur ist und bleibt aber natürlich Elon Musk, der 2004 einstieg und daraufhin die Geschicke übernahm. Tesla hat sich seit 2004 auf die Fahnen geschrieben der größte Hersteller von BEVs (Battery Electric Vehicle) zu werden und setzte das mit seinem Roadster, den es seit 2008 produziert, auch um.


Ist das noch schon Value oder kann das weg?

Sehen wir uns zunächst die Zahlen von Tesla genauer an. Der Umsatz konnte allein seit 2014 (3,2 Mrd. US-$) um 668% auf 24,6 Mrd. US-$ in 2019 gesteigert werden. Das kann sich durchaus sehen lassen. Im gleichen Zeitraum stieg der Verlust von 294 Mio. US-$ in 2014 auf 862 Mio. US-$ in 2019. Lediglich das negative EBIT konnte von -187 Mio. US-$ auf -69 Mio. US-$ reduziert werden – und das bei einer EK-Quote in 2019 von 19%. Die Zahlen sehen demnach alles andere als nach Value aus, eher etwas zum Davonlaufen.


Widmen wir uns den Q1 2020 Zahlen: Der Umsatz konnte um 40% von 3,5 Mrd. US-$ (Q1 2019) auf 4,9 Mrd. US-$ gesteigert werden und dabei wurde aus einem Verlust in Q1 2019 (-668 Mio. US-$) immerhin ein kleiner Gewinn (68 Mio. US-$). Was noch positiv hervorzuheben ist, sind die stetig wachsenden Autoauslieferungen („vehicle deliveries“) und der Aufbau eines positiven operativen Cashflows.

(Entwicklung Autoauslieferungen und Operativer Cashflow bezogen auf die letzten 12 Monate; Vgl. Tesla: Q1 2020 Update)


Aber was um Gottes Willen berechtigt Tesla dann mehr wert zu sein als BMW, Daimler und VW ZUSAMMEN? Tesla ist aktuell (ich schreibe diese Zeilen Ende Juni 2020) nach Marktkapitalisierung der wertvollste Autobauer der Welt.

(Tesla Bewertung im Vergleich; Vgl. Visual Capitalist: https://www.visualcapitalist.com/tesla-is-now-the-worlds-most-valuable-automaker/)


Die Fundamentalkennzahlen sind es schon mal nicht. Ich versuche es zu erklären.


Elon Musk

Wenige Unternehmen sind so sehr mit ihrem CEO verbunden wie Tesla. Man könnte sagen der gute Mann ist ein wenig exzentrisch.

Elon Musk (Quelle: Gipyh)


Der 1971 in Südafrika geborene Unternehmer machte sein erstes großes Vermögen mit dem Verkauf von PayPal an eBay. Elon Musk war zu diesem Zeitpunkt mit 11,7% der Firmenanteile der größte Anteilseigner. Dieses Geld nutzte er zunächst, um 2002 SpaceX zu gründen. Das Ziel von SpaceX ist es den technologischen Fortschritt voranzutreiben, damit die Menschheit den Mars kolonialisieren kann und das ist ohne Witz gemeint. Das Geld verdient SpaceX derzeit mit Raketenstarts in aller Welt. 2004 beteiligte sich Musk schließlich an Tesla und ist seitdem federführend damit beschäftigt die weltweite Mobilität zu revolutionieren. Und man muss sagen den ersten Schritt dazu hat er bereits getan. Er hat die eingespielte Riege der alteingesessenen Automobilhersteller gehörig unter Druck gesetzt und ist die tragende Figur hinter der sehr schnell voranschreitenden Elektrifizierung der Fahrzeugindustrie. Musk macht keine halben Sachen. Man weiß, dass bei ihm volle Überzeugung und Leidenschaft hinter jedem Projekt steht. Wenn er sagt, er will der größte Elektrofahrzeughersteller der Welt sein, dann zieht er das auch durch – ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Punkt, der viele Tesla-Anhänger überzeugt.


Der Hype

Tesla hat sich den Stempel des Robin Hood der Automobilbranche aufgedrückt. Es nimmt von den „reichen“ Alteingesessenen (VW, BMW, Daimler, Toyota, GM und Co.) und gibt den „Reichtum“ an das Volk weiter.

Robin Hood (Quelle: Giphy)


Und man muss sagen, dass das Image ist nicht ganz unverdient. Tesla achtet von Anfang an darauf, dass umwelt- und sozialverträglich produziert wird und stellt diesbezüglich sogar einen eigenen Impact Report zur Verfügung.

(Energiebilanz von Tesla; Vgl. Tesla: Impact Report)


Es wird beispielsweise auch darauf Wert gelegt, dass die Energiebilanz stimmt und man mehr Energie produziert als man eigentlich verbraucht. Was die „alten“ Autobauer erst jetzt mühsam einführen machte Tesla somit von Anfang an.
Außerdem werden schlicht und ergreifend immer mehr Autos der Marke Tesla verkauft werden.

(Autoauslieferungen nach Modelltyp; Vgl. HyperCharts: https://hypercharts.co/tsla?frequency=quarterly)


Die neuen Modelle brauchen immer eine gewisse Anlaufzeit, aber gehen danach weg wie warme Semmeln.
Aber es ist auch nicht alles Gold was glänzt. Elon Musk ist als CEO im besten Falle unberechenbar. Ob er jetzt mal wieder einen Joint durchzieht, per Twitter-Kommentar feststellt, dass der Kurs der Aktie viel zu hoch ist oder androht die komplette Produktion aus den USA outzusourcen – Genie und Wahnsinn liegen, wie gesagt, nah beieinander. Außerdem sind die etablierten Autoriesen langsam aufgewacht und versuchen nun alles um in Sachen Elektromobilität nachzuziehen. Die Konkurrenz ist also riesig.
Alles in allem sehe ich Tesla als ernsthafte Konkurrenz und ich glaube sie sind gekommen um zu bleiben. Ihre Produkte sind innovativ, sie treiben auch Trends wie autonomes Fahren voran und haben den Vorteil die gesamte Lieferkette abzudecken. Vor allem die Produktion der eigenen Batterien für die E-Autos ist ein gewaltiger Vorteil, denn hier stecken mitunter die größten Margen.
Für mich sollte daher Tesla nicht als Value-Aktie sondern eher als eine Mischung aus Growth und Immer-Noch-Startup gesehen werden. Für uns bei Bavarian Value ist sie mit unserer Investmentphilosophie nichts und auch viel zu teuer. Dennoch kann man dem Unternehmen eine gewisse Qualität nicht absprechen. Jedoch hat das dann für uns zumindest nichts mit Investieren zu tun, sondern geht ganz klar in Richtung Spekulation und das machen wir nun mal nicht. 🙂


Was haltet ihr von Tesla? Wie geht ihr bei Unternehmen vor, die teilweise noch gar keinen Gewinn machen? Glaubt ihr Tesla etabliert sich auch in Zukunft weiter unter den Schwergewichten? Schreibt mir, kommentiert und diskutiert, auch gerne über Facebook und Instagram! Gerne könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren!


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Andi


Weitere Quellen

Tesla: Annual Report 2019
Tesla: Impact Report 2019
Tesla: Q1 2020 Update
t3n: https://t3n.de/news/mehr-wert-bmw-daimler-vw-knackt-1289676/


Disclaimer


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