Ausgabe #111: Fever-Tree liefert das Premium Tonic Water für den hochwertigen Gin

Fever-Tree_Titelbild
(“Fever Tree Soda, Beverages, Tonic Water” (CC BY 2.0) by JeepersMedia)


Bei Bavarian Value versuchen wir immer wieder Unternehmen zu finden, die viele gar nicht auf dem Schirm haben. Diese Unternehmen sind oft zu klein, dass es sich für die meisten großen Fonds überhaupt lohnt einzusteigen. Die großen institutionellen Anleger müssten sonst gleich das ganze Unternehmen übernehmen um eine relevante Position in ihrem Portfolio aufbauen zu können. Und ich denke für euch ist es auch interessanter immer wieder neue und eben auch im deutschsprachigen Raum unbekannte Unternehmen zu entdecken, die nicht schon von allen durchgekaut wurden. Daher geht es heute zum britischen Hersteller von kohlensäurehaltigen Mischgetränken Fever-Tree.


Fevertree Drinks plc – Kurzportrait

Das britische Unternehmen wurde erst 2004 in London von Charles Rolls und Tim Warrillow (heute CEO) gegründet, wo es auch heute noch seinen Hauptsitz hat. 2005 wurde das erste Produkt, das Indian Tonic Water, herausgebracht und seit 2014 ist das Unternehmen mit einer derzeitigen Marktkapitalisierung von ca. 2 Mrd. £ an der London Stock Exchange gelistet.

How it all began (Quelle: YouTube)


Fever-Tree ist laut eigenen Angaben der weltweit führende Hersteller von kohlensäurehaltigen Premium-Mischgetränken. Ja, wenn man den Markt genau genug spezifiziert, ist jedes Unternehmen irgendwo führend 😉 – aber Spaß beiseite. Das Unternehmen verkauft seine Produkte in 75 Länder. Der Gedanke der beiden Gründer war hochqualitative Mischgetränke zu entwickeln, die zur immer weiter steigenden Nachfrage nach alkoholischen Premiumdrinks passen. Man möchte ja auch nicht einen teuren Gin mit einem schlechten Tonic Water verhunzen (Ist das ein hochdeutsches Wort? Im Zweifel verunstalten, wobei es das meiner Meinung nach nicht ganz trifft.).

Und scheinbar haben die Briten mit dieser Idee den Nerv der Zeit getroffen. Ihre Mischgetränke werden in Hotels, Restaurants, Cafès und im Einzelhandel verkauft. Die Getränke des Unternehmens können zwar auch allein getrunken werden, aber sie sind eigentlich für das Mischen mit Alkohol bestimmt. Heute verkaufen die Briten Tonics, Ginger Ales, Ginger Beer, Cola, Sodas und Limonaden und setzen damit voll auf die Premiumisierung (Premiumisation) des Marktes für alkoholische Getränke. Diese Taktik sieht man auch bei Diageo, einem der größten Unternehmen im Bereich „alkoholische Getränke“, wobei Diageo für die andere Hälfte des Gin Tonics verantwortlich ist.
Damit das Unternehmen den hohen an sich selbst gestellten Premium-Ansprüchen gerecht wird, bereist ein Team um die beiden Gründer regelmäßig die Welt um die besten Zutaten zu finden: „The Group uses only the highest quality ingredients in its products, sourced from around the world. The founders, Charles and Tim, as well as the wider team, continue to travel the globe to discover the very highest quality ingredients for our products, forging long-standing relationships with our key suppliers.“ (Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/reports-and-publications)

Fever-Tree_Produkte
(Getränke von Fever-Tree; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/products)

2019 ging die Erfolgsgeschichte weiter

Heute halten die beiden Gründer Charles Rolls und Tim Warrillow immer noch 7,1% bzw. 4,7 % der Aktien von Fever-Tree (Nr. 2 und Nr. 3 der größten Shareholder hinter Majedie Asset Management mit 7,3% der Aktien) und dürften damit mehr als glücklich sein. Allein seit 2015 stieg der Umsatz um durchschnittlich 44,8% pro Jahr von knapp 60 Mio. £ auf über 260 Mio. £ in 2019. Auch der Gewinn stieg kontinuierlich, sodass man aktuell eine Umsatzrendite von über 22% vorweisen kann. Das entspricht einem Gewinn von knapp 60 Mio. £ in 2019. Nur zur Erinnerung: In 2015 lag der Umsatz noch bei 60 Mio. £.


Im kürzlich veröffentlichten Annual Report konnte man sehen, dass der Umsatz 2019 im Vergleich zu 2018 um knapp 10% auf 260,5 Mio. £ gestiegen ist. Aufgrund erhöhter Abschreibungen sank das EBIT und der Gewinn leicht um ca. 4% bzw. 5%, wodurch Fever-Tree immer noch eine hervorragende EBIT-Marge von knapp 28% bleibt.

Fever-Tree_Umsatzverteilung
(Umsatzverteilung Fever-Tree 2019; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/reports-and-publications)


Dabei erzielen die Briten mit über 50% den größten Teil des Umsatzes auf ihrem Heimatmarkt, gefolgt von Kontinentaleuropa (24,7%) und den USA (18,3%). Mit 33,0% Wachstum im Vergleich lieferte die Region USA das beste Ergebnis, wobei das Wachstum in UK durch das schlechte Wetter – scheinbar noch schlechter als sonst, zumindest schlechter als 2018 – und der fehlenden Großveranstaltungen mit -1,1% mehr oder weniger stagnierte.


Und hier kommt COVID-19

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The Simpsons: The Shining Parodie (Quelle: Giphy)


Und auch an den britischen Mischgetränkeproduzenten geht Corona nicht spurlos vorüber.

Fever-Tree_Umsatzverteilung_Region_und_Art
(Umsatzaufteilung nach Region und Art; Vgl. Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/reports-and-publications)


Unter den Bereich „On-Trade“ fallen Hotels, Restaurants, Bars und Cafés. Und damit dürfte das Problem schon klar sein. Aufgrund des weltweiten Lockdowns und der sehr spärlich anlaufenden Gastronomie, fällt dieser Umsatzkanal aktuell größtenteils aus. Fever-Tree geht davon aus, dass es während des Lockdowns in den Regionen keinen Umsatz On-Trade erwirtschaftet hat – also null, cero, niente, nada. Zwar konnte man Off-Trade (= Einzelhandel) am Anfang des Lockdowns einen Umsatzanstieg erkennen – die Leute haben sich wohl auf heimische Gin Tonics vorbereitet – aber das wird wohl kaum den negativen Impact von COVID-19 auf den On-Trade-Kanal ausgleichen. Auch kann das Management den vollen Umfang der Auswirkungen derzeit noch gar nicht abschätzen.

ABER: Fever-Tree sieht sich gut gerüstet. Und ich denke, dass das auch stimmt. Zum einen bricht zwar der On-Trade-Channel teilweise weg, aber der Off-Trade-Channel ist intakt und trägt generell sogar mehr zum Unternehmensumsatz bei als die Restaurants und Bars. Zudem hat das Unternehmen Verbindlichkeiten (kurz-& langfristig) in Höhe von gerade einmal 34,4 Mio. £. Demgegenüber steht Cash in Höhe von 128,3 Mio. £ (Steigerung der Cash-Position um über 43% zum Vorjahr (2018: 89,7 Mio. £)). Also ich denke, dass es bei Fever-Tree in den nächsten Monaten wahrscheinlich noch etwas rumpeln wird, aber langfristig sehe ich das Unternehmen nicht in Gefahr.


„Leider“ sehen das wohl auch viele Andere auf dem Aktienmarkt so, da der Kurs nachdem er sich im März zwischenzeitlich halbiert hatte, mittlerweile wieder beim Vor-Corona-Niveau angelangt ist. Wir waren zu dieser Zeit mit unserer Analyse von Fever-Tree leider noch nicht soweit, aber daran kann man nun auch nichts mehr ändern. Deswegen warten wir jetzt einfach ab. 🙂


Und jetzt seid ihr wieder gefragt: Kennt ihr Fever-Tree? Was sind eure Lieblingsdrinks? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram. Für interessante Diskussionen könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Daniel „D!“ Bleicher


Weitere Quellen

Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/about-us
Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/our-history
Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/investors-major-shareholding
Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/investors-results-and-reports
Fever-Tree: https://fever-tree.com/en_GB/reports-and-publications
London Stock Exchange: https://www.londonstockexchange.com/exchange/prices-and-markets/stocks/summary/company-summary/GB00BRJ9BJ26GBGBXAMSM.html


Disclaimer


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