Ausgabe #99: Glanbia – Zwischen Sprint und Wadenzerrung

Glanbia_Titelbild
(Zeyus Media, Glanbia BevGrad, CC BY 2.0)


Vor knapp eineinhalb Jahren haben wir bereits eine Inside-Analyse zu Glanbia veröffentlicht. Und vor fast genau 2 Jahren haben wir das irische Unternehmen in unser wikifolio aufgenommen. Seitdem ist der Kurs leider um über 35% eingebrochen. Deswegen und da Glanbia vor kurzem seinen Annual Report zum Geschäftsjahr 2019 veröffentlicht hat, ist es unserer Meinung nach an der Zeit hierzu ein kleines Update zu verfassen. Schnappt euch also einen Eiweißdrink und los geht’s!


Glanbia plc. – Kurzportrait

Glanbia plc. ist ein weltweit tätiges Ernährungsunternehmen mit Hauptsitzt in Kilkenny, Irland. Die Iren haben sich vor allem auf Performance Nutrition (Leistungsernährung) spezialisiert. Heute arbeiten über 6.900 Mitarbeiter in 34 Ländern für das Unternehmen, welches seine Produkte in über 130 Ländern vertreibt.
Dabei untergliedert sich das Unternehmen weiterhin in 3 Bereiche:


Glanbia Performance Nutrition (GPN)

GPN ist der weltweite Marktführer im Bereich Leistungs-/Sportlerernährung. Hierzu zählen 9 verschiedene Marken: Optimum Nutrition (ON), BSN, Isopure, Nutramino, ABB, thinkThin, Amazing Grass, Body & Fit und auch SlimFast
Die Produkte werden in über 100 Ländern vertrieben und gehören in mehr als 20 Ländern zu den Top 3 Marken im Bereich Performance Nutrition.


Glanbia Nutritionals

Das größte Segment von Glanbia ist GN, welches die Bereiche Nutritional Solutions und US Cheese umfasst. Der Fokus von Glanbia Nutritionals liegt somit bei auf Milch und anderen Erzeugnissen basierenden Nährstoffen und American-style Cheddar Cheese.


Joint Ventures and Associates

Unter Joint Ventures & Associates fallen die Beteiligungen des Unternehmens an Joint Ventures wie Glanbia Ireland (40%), Glanbia Cheese Limited (51%) und Southwest/Midwest Group (50%).

Glanbia_Performance_Nutrition_Brands
(Glanbia Performance Nutrition Marken; Vgl. Glanbia: https://www.glanbia.com/our-business/global-performance-nutrition/brands)

Der Umsatz steigt, aber trotzdem läuft’s nicht rund

2019 hat Glanbia den Umsatz um 22,2% im Vergleich zum Vorjahr auf über 3,8 Mrd. € erhöhen können. Hierbei eine kleine Randnotiz. Die Zahlen aus 2018 mussten nachträglich aufgrund des IFRS 15 (International Financial Reporting Standard 15) angepasst werden. Dabei handelt es sich um einen internationalen Rechnungslegungsstandard, der auf Berichtsperioden anzuwenden ist, die am oder nach dem 01.01.2018 beginnen. Also keine größere Sache, lediglich die Implementierung eines neuen Rechnungslegungsstandards.

Zurück zum Umsatz: Wie gesagt, konnte dieser im Vergleich zum Vorjahr um über 22% gesteigert werden. Ohne Wechselkurseffekte beläuft sich das Wachstum immer noch auf 16,6%. CEO Siobhán Talbot führt dieses Wachstum vor allem auf den Bereich GN und die Übernahme von SlimFast und Watson zurück. GN profitiert vom langfristigen Gesundheits- & Wellnesstrend, der zu einem steigenden Absatz von Vitamin- und Mineralstoffmischungen und gesunden Snackzutaten führte und wohl auch noch weiter führen wird. Trotzdem brach der Gewinn um über 8% auf ca. 180 Mio. € ein. Hierfür wird der Bereich Glanbia Performance Nutrition (GPN) verantwortlich gemacht. Durch eine Fokussierung auf die Kernmarken soll das Umsatzwachstum in 2020 angekurbelt werden. Ich denke, dass das in Anbetracht der derzeitigen Coronakrise (Bsp.: Geschlossene Fitnesscenter) sehr schwierig sein dürfte.
Talbot beschreibt das Unternehmen aber weiterhin als „financially strong and cash generative. […] We are confident that the actions being taken will position the company to generate enhanced shareholder value in a growing healthy nutrition market.” (Vgl. Glanbia: https://www.glanbia.com/investors/results-reports-presentations/results-releases/2020)
Laut Annual Report 2019 ist auch ein Aktienrückkaufprogramm für 2020 geplant, aber ich bezweifle, dass das angesichts der derzeitigen globalen Situation (COVID-19 und die daraus resultierenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen) umgesetzt werden kann.


Bei Glanbia hinkt der potentielle Wachstumstreiber Performance Nutrition

Glanbia Nutritionals ist weiterhin das größte Segment mit einem Umsatz von über 2,5 Mrd. € – bestehend aus US Cheese (ca. 1,8 Mrd. $) und Nutritional Solutions (ca. 0,7 Mrd. €). Glanbia Performance Nutrition erwirtschaftete 2019 knapp 1,4 Mrd. €, aber hier haben sich die Margen deutlich verschlechtert.

Da man GPN als Sorgenkind ausgemacht hat, sehen wir uns die Initiativen hier noch etwas näher an. Eigentlich handelt es sich bei Leistungs-/Sportlerernährung um einen Wachstumsmarkt und trotzdem hat man hier Probleme.

Performance_Nutrition_Markt_2017-2022
(Vgl. Zion Market Research: https://www.zionmarketresearch.com/news/sports-nutrition-market)


Daher teilt man das Segment nun in folgende Divisionen ein: North America Performance Nutrition, North America Lifestyle, International & Direct-to-Consumer businesses.
Wie erwähnt, möchte man sich auf die Kernmarken konzentrieren. Damit sind primär Optimum Nutrition (ON) – mit 655 Mio. US-$ Umsatz die größte Marke im GPN Portfolio – und die 2018 erworbene Marke SlimFast (325 Mio. US-$ Umsatz 2019) sowie die Direct-to-Consumer Onlineplattform Body & Fit gemeint.
Um die Margen von GPN und dem kompletten Konzern bis 2022 zu steigern, sollen diverse Initiativen umgesetzt werden wie das Aussortieren von geringmargigen Produkten aus dem Produktportfolio und einer Optimierung der Lieferkette. 


Glanbia und Corona

Auch wir müssen uns bei unseren Unternehmensanalysen und Einschätzungen derzeit mit dem Thema Corona auseinandersetzen. Welche kurz-/mittel-& langfristigen Auswirkungen hat die Krise auf das Unternehmen? Keiner kann aktuell wirklich einschätzen wie stark und nachhaltig die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft sein werden. Wir können lediglich mit gesundem Menschenverstand an die Sache rangehen und unsere eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

Das soziale Leben wie wir es kennen wird im Moment stark eingeschränkt – und das ist auch richtig so. Und da Fitnesscenter nicht zur Grundversorgung gehören, schließen diese auch. Das ist aktuell in Europa so und in den USA wird es wohl über kurz oder lang auch so kommen. Als Investor gehe ich davon einmal aus. Das heißt für mich, dass Sport im Großen und Ganzen momentan keine Priorität hat. Für ein Unternehmen, dass in diesem Bereich einen Großteil seines Geldes erwirtschaftet (Käse ausgenommen) werden die nächsten Wochen und Monate sicherlich schmerzlich. Hier wird das operative Geschäft betroffen sein.

Kann Glanbia aufgrund von Corona pleitegehen? Die Iren haben eine Eigenkapitalquote von ca. 50% – solide finanziert. Durch Käse wird ebenfalls ein großer Teil des Umsatzes generiert (ca. 70% des Geschäftsbereiches Glanbia Nutritionals). Dabei handelt es sich nun um kein typisches Hamsterkauf-Produkt wie Nudeln oder des Deutschen Liebling, das Toilettenpapier, aber es wird weiterhin gekauft werden bzw. ich sehe keinen Grund warum es hier zu einem außergewöhnlichen Umsatzeinbruch kommen sollte. Irgendwann haben wir die Krise überstanden und dann dürfte sich auch der langfristige Gesundheitstrend weiter fortsetzen.

Ich denke, dass es für Glanbia in der nächsten Zeit noch richtig ruppig werden kann. Langfristig denke ich nicht, dass Glanbia durch Corona großartige Spätfolgen drohen, aber man muss durch die aktuelle Situation erst einmal durch.


Wir haben Glanbia im wikifolio und was nun?

Wir haben Glanbia in unserem wikifolio seit knapp 2 Jahren. Die Performance seitdem war ziemlich suboptimal – der Kurs hat sich fast halbiert. Nach der Veröffentlichung des neuen Annual Reports haben wir das Unternehmen erneut überprüft und sind zu folgender Entscheidung gelangt: Wir machen erst einmal gar nichts.
Schlussendlich geht es hier um Opportunitätskosten. Gibt es derzeit eine bessere Alternative in der Branche? Diese sehen wir aktuell – vor allem aufgrund der hohen Bewertungen der anderen Lebensmittelkonzerne – noch nicht. Daher bleibt Galnbia weiterhin im wikifolio. Sollten aber die Bewertungen der anderen Unternehmen weiter sinken, werden wir uns dazu nochmals unsere Gedanken machen, denn: „When the facts change, I change my mind – what do you do, sir?“ (John Maynard Keynes)


Und jetzt seid ihr wieder gefragt: Wie schätzt ihr Glanbia ein? Würdet ihr Glanbia aus eurem Portfolio werfen oder behalten? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram. Für interessante Diskussionen könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Daniel „D!“ Bleicher


Weitere Quellen

Glanbia: https://www.glanbia.com/about-us/glanbia-at-a-glance
Glanbia: https://www.glanbia.com/our-business
Glanbia: https://www.glanbia.com/investors/results-reports-presentations/results-releases/2020
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/International_Financial_Reporting_Standard_15


Disclaimer


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Risikohinweis: Die analysierten Aktien unterliegen Kursschwankungen. Im Extremfall ist auch ein Totalverlust möglich.

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