Ausgabe #97: Weltmarktführer Mowi setzt auf Nachhaltigkeit und die eigene Marke

Mowi_Lochailort_Titelbild
(Osclay, MH LochailortCC BY-SA 2.0)


Wie ihr bereits wisst haben wir mit Aquafarming eine der großen Branchen der Zukunft für uns identifiziert. Bisher haben wir mit Bakkafrost und Tassal zwei eher kleinere Vertreter der Branche auf dem Bavarian Value Blog vorgestellt. Dann wird es nun aber auch Zeit einen der größten Player auf dem Aquafarming-Markt unter die Lupe zu nehmen. Ich spreche dabei vom größten Lachszüchter der Welt, das norwegische Unternehmen Mowi ASA.


Mowi ASA – Kurzportrait

Mowi ASA (ehemals Marine Harvest ASA) ist laut eigenen Angaben eines der größten Seafood-Unternehmen der Welt und der größte Produzent von Atlantischem Lachs. Dabei bedient Mowi 20% der weltweiten Nachfrage nach dem beliebten Speisefisch. Das Unternehmen, dessen Anfänge bis ins Jahr 1964 zurückgehen und in der heutigen Form seit 2006 durch den Zusammenschluss von Pan Fish, Marine Harvest und Fjord Seafood besteht, beschäftigt über 14.500 Mitarbeiter und ist in 25 Ländern vertreten. Mowi verweist ebenfalls wie Bakkafrost auf eine komplett integrierte Wertschöpfungskette von der Produktion von Fischfutter über die Aufzucht bis zur „Verarbeitung“ der Lachse. Die Norweger untergliedern ihre Tätigkeitsfelder in die drei folgenden Segmente: Feed (Futter), Farming und Sales & Marketing

Der größte Produzent von Lachs aus Aquakulturen betreibt Fischfarmen in Norwegen, Schottland, Chile, Kanada, Irland und auf den Färöer-Inseln. 2018 änderte man den Namen von Marine Harvest wieder zurück auf Mowi.

Mowi_Farmen_2020
(Mowi Farmen weltweit; Vgl. Mowi: https://mowi.com/investors/presentations/)

Der Markt wächst und Mowi auch

Kürzlich veröffentlichten die norwegischen Lachszüchter ihren Bericht zum vieren Quartal. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um fast 4% auf über 1,1 Mrd. €. Das bedeutet für das komplette Jahr 2019 einen Umsatzanstieg von über 8% von ca. 3,8 Mrd. € auf über 4,1 Mrd. €. Das EBIT brach 2019 aber aufgrund negativer „Net fair value adjustment“ der Biomasse ein. Unter „Net fair value adjustment of the biomass“ versteht man die Neubewertung der Biomasse des Unternehmens – bei Mowi der Lachsbestand – primär auf Basis aktueller Preisprognosen. Hauptsächlich dadurch rauschte der operative Gewinn um ein Drittel auf knapp über 617 Mio. € nach unten. Der Jahresüberschuss fiel ebenfalls geringer aus.

Das vierte Quartal zeigte auch, dass Europa weiterhin der größte Markt für Mowi ist und das mit gehörigem Abstand.

Mowi_Sales_Regionen_Q4_2019
(Umsatz nach Regionen; Vgl. Mowi: https://mowi.com/investors/reports/)


Gut zwei Drittel des Umsatzes erzielen die Norweger in Europa gefolgt von Nord- & Südamerika und Asien.

An dieser Stelle werfen wir einen kurzen Blick auf den Gesamtmarkt.

Gesamtmarkt_Atlantischer_Lachs_Q3_2019
(Gesamtmarkt Atlantischer Lachs Angebot & Nachfrage (Q3 2019); Vgl. Mowi: https://mowi.com/investors/presentations/)


Wie auch bei Mowi wird der meiste Lachs in Norwegen produziert. Zusammen mit dem zweitgrößten lachsproduzierenden Land der Welt Chile werden knapp 80% des weltweiten Lachsangebots erzeugt. Größte Abnehmer wiederum sind die EU und die USA. Das globale Angebot und die weltweite Nachfrage sind in Q4 2019 im Gleichschritt um 4% gestiegen.


A brandnew Brand

Mit der Namensänderung des Unternehmens verfolgt Mowi zudem das Ziel die gleichnamige Marke auf dem Markt zu etablieren und bekannt zu machen. 2019 wurde Mowi-Lachs in Polen eingeführt. 2020 soll die Marke Mowi auf den Einzelhandel in Frankreich, sowie auf eCommerce-Kanäle in den USA ausgeweitet werden. Dieses Branding wird auch unter dem neuen CEO Ivan Vindheim fortgesetzt. Der frühere CFO ersetzt seit dem 12.11.2019 den zurückgetretenen CEO Alf-Helge Aarskog, der nach 10 Jahren den Posten niederlegte.

Die Marke Mowi soll sich vor allem durch die bereits beschriebene integrierte Wertschöpfungskette von anderen Wettbewerben abheben. Durch die hohe Qualität, für welche die Marke stehen soll, möchte man den Kunden einen Mehrwert bieten und schlussendlich auch den Shareholder Value steigern. Bis 2025 erwartet Mowi Umsätze in Höhe von 1 Mrd. € durch die Verkäufe der Mowi-Markenprodukte.

Und die Idee ist gut. Wenn die Norweger es schaffen die Marke Mowi als eine Premium-Marke für Lachs bei den Kunden zu etablieren, kann man davon ausgehen, dass diese für die Mowi-Qualitätsprodukte auch tiefer in Tasche greifen als für einen „No-Name-Lachs“.

Mowi_Brand_Launch_2019_Polen
(Einführung der Marke Mowi in Polen 2019; Vgl. Mowi: https://mowi.com/investors/presentations/)

Passen Wachstum und Nachhaltig bei Mowi zusammen?

Marine Harvest hatte vor einiger Zeit noch größere Probleme mit der Erfüllung von ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance). So landete man 2013 bspw. in der Hall of Shame von Public Eye, da man in Chile die Umwelt durch Chemikalien verschmutzt hat.
Heute schreibt sich Mowi Nachhaltigkeit groß auf die eigene Fahne und das mit Erfolg. 2019 erreichte man im Coller FAIRR Protein Producer Index den ersten Platz. Der Coller FAIRR Protein Producer Index ist nach eigenen Angaben die weltweit einzige Bewertung von Fleisch-, Milch- und Zuchtfischproduzenten nach wesentlichen Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken. Zu den Risiken zählen z.B. Treibhausgasemissionen und Arbeitsbedingungen. 2019 wurden dementsprechend 60 weltweit agierende Konzerne bewertet und schlussendlich stand der norwegische Lachszüchter an der Spitze. Andere Lachszüchter wie Bakkafrost (3. Platz) und Tassal (6. Platz) waren ebenfalls in den Top 10 vertreten.

Mowi_Nachhaltigkeit_FAIRR
(2019 Coller FAIRR Protein Producer Index; Vgl. Mowi: https://mowi.com/investors/presentations/)


Die Etablierung einer eigenen Premium-Marke sowie die Fokussierung auf Nachhaltigkeit sehe ich persönlich sehr positiv. Ob nun Mowi oder Bakkafrost die längere integrierte Wertschöpfungskette sein Eigen nennen kann, hängt wahrscheinlich von der Definition ab. Aber davon abgesehen, kann man den größten Lachszüchter ruhig auf seine Watchlist setzen. Wir haben das auch getan und werden die Norweger weiter beobachten.


Und jetzt seid ihr wieder gefragt: Seid ihr in Mowi investiert? Welche Aquafarmer beobachtet ihr noch? Was ist euer Favorit in dieser Branche? Haut in die Tasten und schreibt uns eure Meinung – gerne auch auf Facebook oder Instagram. Für interessante Diskussionen könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend, wie immer, noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Daniel „D!“ Bleicher


Weitere Quellen

Mowi: https://mowi.com/investors/
Mowi: https://mowi.com/about/
Mowi: https://mowi.com/investors/reports/
Mowi: https://mowi.com/investors/presentations/
Atlantic Sapphire: https://atlanticsapphire.com/assets/images/Atlantic-Sapphire-AS-2018-Annual-Report-and-Audited-Financial-Statements.pdf
FishFarmingExpert: https://www.fishfarmingexpert.com/article/hall-of-shame/


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