Ausgabe #75: Mental Models – Auf dem Weg zur Weltklugheit

(johnhainPixabayPixabay Lizenz)


Heute möchte ich euch etwas für mich ganz Besonderes vorstellen. Es geht um sogenannte „Mental Models“ (oder nicht ganz so cool: Mentale Modelle). Charlie Munger hält sehr viel von diesen Modellen und sie sind ein nützliches Tool um sein Ziel der Weltklugheit zu erreichen. Was passiert, wenn wir zu wenig mentale Flexibilität haben, um uns auf die Komplexität unserer Realität einzustellen?
Folgendes:
“To the man with only a hammer, every problem looks like a nail.” – Charlie Munger

Genau aus diesem Grund will ich meinen und euren Horizont erweitern und euch erklären wieso jeder von uns diverse mentale Modelle anwenden können sollte. Denn beim Investieren geht es darum die richtigen Entscheidungen zu treffen und rational zu handeln. Mentale Modelle helfen uns dabei dieses Ziel zu erreichen.


Mental Models

Damit wir auf derselben Wellenlänge sind hier eine kurze technische Definition:
„Ein mentales Modell ist die Repräsentation eines Gegenstandes oder eines Prozesses im Bewusstsein eines Lebewesens. Da die in der Welt vorhandenen Informationen bereits von den Sinnesorganen und auch vom Gehirn massiv gefiltert und verändert werden, ist ein mentales Modell immer nur ein Ausschnitt, ein „verkleinertes“ Abbild eines Teils der Wirklichkeit.“ (Vgl. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Mentales_Modell)
In eigenen Worten (bzw. wahrscheinlich eher in Charlie Mungers Worten) dienen mentale Modelle dazu uns ein besseres und rationaleres Bild von unserer Welt zu machen und dadurch bessere Entscheidungen zu treffen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf Investmententscheidungen, sondern hilft auch dabei ein besserer Mensch zu werden und schlicht und ergreifend glücklicher zu sein. Dabei spricht der gute Charlie davon, ein sogenanntes Gitternetz anzulegen, welches die wichtigsten mentalen Modelle aus den großen Disziplinen wie Psychologie, Physik, Ökonomie, Mathematik usw. verknüpft. Denn es ist durchaus so, dass unsere Welt nicht gerade einfach funktioniert und je mehr wir von ihren verschiedenen Facetten verstehen, desto besser. Durch mentale Modelle verschaffen wir uns auch einen Vorteil gegenüber dem Lollapalooza-Effekt. Dieser beschreibt die Tendenz, dass wenn mehrere Denkfehler zusammenkommen, sich diese gegenseitig verstärken und wir am Schluss keine rationalen Entscheidungen mehr treffen können. Aber genug der abstrakten Definitionen, sehen wir uns das Ganze anhand von konkreten Beispielen an.


Das Modell ist nicht die realität

Wir Menschen lieben Modelle. Sie erlauben uns sehr komplizierte Sachverhalte in für uns verständlichere Form zu bringen. Da ist aber auch schon der Haken. Die Welt ist leider nun mal nicht so einfach und vor allem die Zukunft hängt von so vielen Variablen ab, dass wir nur sehr schwer ein wirkliches Abbild der Realität bekommen. Außerdem basieren viele Modelle auf vergangenen Annahmen, die dann einfach in die Zukunft „fortgeschrieben“ werden. Das hat verschiedene Implikationen.
Schauen wir uns einen realen Fall an: Am 28. Oktober 1929 fiel der Dow Jones an einem einzigen Tag um 12,82%, was der bis dahin größte Verlust an einem Börsentag war. Das bedeutet, dass ein Modell über zukünftige Kursentwicklungen beschreiben könnte, dass diese 12,82% Verlust das schlimmstmögliche Ereignis wären, dass eigentlich jemals auftreten könnte. Diese Modelle hätten uns ab und zu gute Ergebnisse geliefert. Dumm nur, dass am 19. Oktober 1987 der Dow Jones an einem einzigen Tag um 22,61% nachgab. Dieses Ereignis wäre laut unserem Modell so unwahrscheinlich gewesen wie überspitzt formuliert dreimal hintereinander vom Blitz getroffen zu werden. Dennoch ist es Realität.
Auch Dani und ich haben lange getüftelt, um das bestmögliche und optimale Bewertungssystem in Form eines Discounted Cashflow Modells zu haben. Aber wisst ihr was? Die Welt ist so komplex, dass wir nie die komplett eine richtige Wahrheit abbilden können. Deswegen sind wir uns bewusst, dass alle Modelle nur Näherungswerte ergeben und der Rest mit gesundem Menschenverstand zu tun hat.
Wir halten’s deshalb frei nach folgendem Zitat:
“All models are wrong but some are useful.” – George Box

Barack Obama (Quelle: Giphy)


Ergo: Modelle helfen uns dabei die Welt besser zu verstehen, aber sie sind NICHT die Realität, da diese viel zu komplex wäre, um sie in ihrer Gesamtheit abzubilden. Vielleicht versteht ihr auch wieso ich nach wie vor recht skeptisch bin, wenn viele Experten behaupten sie könnten vorausahnen wie sich Aktienpreise entwickeln…


multiplizieren mit null

1.) 1 x 2 x 4 x 8 x 16 = 1.024

2.) 1 x 2 x 4 x 8 x 16 x 0 = 0

Oben gezeigte Gleichungen sind eigentlich selbsterklärend. Gleichung 1 ist eine einfache Multiplikation, bei der eine relativ große Zahl rauskommt. Gleichung 2 ist ähnlich, aber mit einem kleinen, aber feinen Unterschied. Die Zahl Null macht alles zunichte. Irgendetwas multipliziert mit Null ergibt nun mal Null. Ihr werdet euch sicherlich fragen, was das jetzt mit mentalen Modellen zu tun hat. Die Antwort ist ganz einfach:
Stellt euch eine Bank vor. Ihr überlegt in die Aktien dieser Bank zu investieren. Ihr analysiert die Bank fundamental und die Kennzahlen sehen sehr gut aus. Ihr geht eure Checkliste durch und denkt, dass die Bank sogar einen Burggraben besitzt und bisher ein relativ kompetentes Management hatte. Also summa summarum bietet die Bank alles was für euch ein gutes Investment ausmacht. Was spricht also bitte gegen eine Investition?
Nun stellt euch vor bei dieser Bank handelt es sich um Lehman Brothers, welche durch ihre Pleite in 2008 eine der weltweit größten Finanzkrisen auslöste. Was war geschehen? Die Bank konnte durch die US-Immobilienkrise ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen und ging pleite. Die ganzen schönen Zahlen, welche wir vorher berechnet hatten, sind für die Katz. Das ist die Null in der Gleichung.

Zero (Quelle: Giphy)


Fazit: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Deswegen ist eine gründliche Betrachtung bei allen Investmententscheidungen so wichtig. Man kann noch so gute Fundamentaldaten haben und die Aktie noch so unterbewertet sein. Ist eine Null dabei ergibt auch das Endprodukt eine Null.

Das war jetzt ein kleiner Ausflug in die Welt der mentalen Modelle. Ich finde sie äußerst nützlich und ich denke, dass diese einen nicht nur zu einem besseren Investor, sondern vielleicht auch zu einem besseren und glücklicheren Menschen machen. Aus diesem Grund mache ich mich weiterhin auf meinen ganz persönlichen Weg zur „Weltklugheit“ und hoffe, dass ich den ein oder anderen von euch auch angesteckt habe. 😉


Kanntet ihr Charlie Mungers Konzept der mentalen Modelle schon? Wollt ihr in Zukunft mehr über einzelne Modelle erfahren? Schreibt mir, kommentiert und diskutiert, auch gerne über Facebook und Instagram! Gerne könnt ihr euch auch unserer Facebook-Gruppe The Value Investing Circle anschließen.
Außerdem könnt ihr hier einen Blick auf unser wikifolio werfen.


Abschließend wünsche ich euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉


Euer freundlicher Value Investor aus der bayrischen Nachbarschaft


Andi


Weitere Quellen

Farnam Street: https://fs.blog/2015/11/map-and-territory/
Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers

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Comments (5)

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Daniel

Klingt auf jeden Fall spannend. 🙂 Könntet ihr ein, zwei konkrete Denkmodelle für das Investieren einmal vorstellen?

Andreas

Servus Daniel,

Dankeschön, ich finde die Thematik rund um Mental Models auch sehr spannend.
Das „Multiplizieren mit Null“ kann man auch schon sehr gut fürs Investieren gebrauchen. Ein Unternehmen kann noch so gut sein, aber wenn es einen gewichtigen Grund gibt, dass das Unternehmen beispielsweise pleite gehen kann, sollte man sich eine Investition natürlich zweimal überlegen. Das Beispiel im Artikel mit Lehman Brothers zeigt, wie so eine „Null“ beim Investieren aussehen könnte.
Ich habe vor auch in Zukunft Artikel zu dem Thema zu schreiben und kann beim nächsten gerne auch noch näher und ausführlicher auf die Relevanz beim Investieren eingehen.

Beste Grüße
Andreas

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Daniel

Absolut richtig. Am besten wäre es, die Nullen natürlich noch mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit zu gewichten. Mathematisch würde das jedoch nichts am Endergebnis, nämlich null, ändern… 😀
Ja, wäre schön zukünftig mehr davon zu lesen, um Investments auch aus anderen Blickwinkeln betrachten zu können 🙂

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Glückwunsch zu dem gelungenen Beitrag! Ein super Hinweis auf das „unwahrscheinliche“ im Leben! Für Investments sollte das einem zwar nicht bremsen – aber es ist gut es im Hinterkopf zu behalten. Für mich ist dann auch immer das „worst case Szenario“ oder der totale Verlust des Investments – also das Risiko ist groß, der totale Verlust ist möglich und das Ergebnis ergibt dann eine 0 😉
Spannend ist Lehman Brothers auch in geographischer und politischer Sicht. In Europa wurden einige Banken mit Steuergeldern „gerettet“ in der USA schickte nahm man die Aktionäre zur Kasse.
Viele Grüße
Bergfahrten

Andreas

Servus Christian,
Dankeschön!
Man sollte immer auf alles vorbereitet sein, auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist. Vom Investieren abhalten sollte es auf keinen Fall, man muss sich nur der Risiken bewusst sein, die eintreten können.
Lehman Brothers finde ich in dem Zusammenhang deswegen ein gutes Beispiel, weil auch immer gesagt wurde, dass den Banken nichts passieren kann. Stichwort „too big to fail“. Es geht eben doch.

Beste Grüße
Andreas

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